Die Bergfeste Dilsberg ist eine hochmittelalterliche Bergfeste östlich von Heidelberg im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg, aus der sich der Ortsteil Dilsberg der Stadt Neckargemünd entwickelt hat.
Lage
Die Höhenburg liegt auf 288,6 m ü. NN über dem Neckartal und dem Kraichgau. Sie war Bestandteil der Wehranlagen der Kurpfalz.
Geschichte
Ein Vorgängerbau der heutigen Bergfeste wurde zwischen 1150 und 1200 – wohl als Wohnturm – angelegt, worauf im heutigen Mauerwerk wiederverwendete Buckelquader hindeuten [1]. Erstmals erwähnt wurde die Burg 1208 in Zusammenhang mit Boppo (V.) von Lauffen, der sie von seinem früh verstorbenen Bruder Konrad geerbt haben dürfte [1]. Die Burg könnte bereits ein Wohnsitz Boppos (IV.) gewesen sein [1]. Möglicherweise saßen die Grafen von Lauffen zuvor in Wiesenbach. Über die Burg Dilsberg demonstrierten die Grafen von Lauffen Präsenz gegenüber den Pfalzgrafen in Heidelberg und in Richtung des Elsenzgaus, sie war jedoch für die Lauffener strategisch weniger bedeutsam als Lauffen, Hornberg und möglicherweise Eberbach [1].
Nach dem Aussterben dieses Geschlechts gelangten die Grafen von Dürn an die Herrschaft, die sich seit 1252 Grafen von Dilsberg nannten. Um 1300 ging die Burg in das Eigentum der Kurpfalz über, unter deren Regie die Burg ab den 1330er Jahren umfangreich umgebaut wurde [1].
Im Jahr 1572 waren auf der Bergfeste die beiden Unitarier Matthias Vehe-Glirius und Jacob Suter wegen ihrer antitrinitarischen Auffassungen inhaftiert [2].
Im Dreißigjährigen Krieg zählte sie zu den am meisten umkämpften Festungsanlagen. 1622 wurde die Festung vom Feldherrn Johann T’Serclaes von Tilly nach langer Belagerung besetzt. 1633 eroberten die Schweden die Festung zurück. Trotz Belagerung und Kampf wurde die Feste selbst nicht militärisch erobert und auch nicht zerstört.
1803 fiel beim Ende der Kurpfalz die Bergfeste Dilsberg gemeinsam mit dem Ort an das Land Baden und diente diesem als Staatsgefängnis. 1822 wurde sie zum Abriß freigegeben.
Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Bergfeste Dilsberg allmählich zu einem Ziel für Touristen. Die kleine Festung wurde dafür umfangreich saniert und rekonstruiert. Der unterirdische, rund 80 Meter lange Brunnenstollen, der 1896 von Fritz von Briesen wiederentdeckt und 1926 freigelegt wurde, ist eine der Besonderheiten der Feste.
Heutige Nutzung
Die Bergfeste Dilsberg ist für Besichtigungen geöffnet. Sie zählt zu den landeseigenen Monumenten und wird von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut. Kulturelle Höhepunkte bilden die regelmäßigen Veranstaltungen, wie der Dilsberger Kunsthandwerkermarkt, die Dilsberger Burgkonzerte sowie die Freilichtbühnen-Aufführungen der Rose vom Dilsberg im Frühsommer. Außerdem befindet sich eine Jugendherberge innerhalb des alten Ortskerns [3].
Beschreibung
Anlage
Die Burganlage ist in Vor- und Hauptburg gegliedert. Zur Vorburg gehörten die Invalidenkaserne (heute eine Gartenanlage), die Zehntscheuer, der Marstall mit dem Fruchtspeicher und das Kommandantenhaus.
Äußere Verteidigungslinie ist die als Bergkrone ausgeformte Stadtmauer von Dilsberg.
Um in die Hauptburg zu gelangen, mussten zwei Flankierungstürme passiert werden. Im Hof der Hauptburg lagen der Palas, von dem nur noch ein Kellergewölbe erhalten ist, und ein achteckiger ca. 19 m hoher Treppenturm. Die bis zu 16 m hohe Ringmauer umgab früher die ganze Hauptburg, bevor der östliche und südliche Teil abgerissen wurden.
1842 wollten die Dilsberger auch das Stadttor schleifen, um sich die Unterhaltungskosten zu sparen. Dies wurde ihnen aber von der Heidelberger Baubehörde des Landes Baden untersagt, die der Ansicht war „daß der Abriß des Stadttors dem ‚Gesamteindruck‘ des Dilsbergs abträglich“ wäre; außerdem sei zu befürchten, daß im Falle des Abbaus des Stadttors das Läuten der von dort in die katholische Kirche umzusiedelnden Bürgerglocke in der Feldflur nicht mehr zu hören wäre.
Karzer
Im Bereich der Burg befindet sich ein Kellergewölbe, das eine Zeitlang als Karzer der Universität Heidelberg diente. Später wurde es zu einer militärischen Arrestanstalt.
Aussichtsturm

Evangelische Kirche Dilsberg – Ansicht von der Ringmauer der Bergfeste
Der früher an der Westwand des Palas stehende achteckige Treppenturm ist aus Sandsteinquadern gemauert und durch leicht auskragende umlaufende Bänder in vier Ebenen unterteilt. Eine rechtsdrehende Sandstein-Wendeltreppe führt mit 95 Stufen an den heute gesicherten Türöffnungen vorbei, die früher zu den verschiedenen Etagen des Palas führten, bis hinauf zur ca. 18 m hoch liegenden Aussichtsplattform. In etwa 13,5 m Höhe befindet sich ein Ausgang zu einer Brücke, die den Turm mit der Mantelmauer verbindet, einer bis zu 16 m hohen Ringmauer, von der aus man einen Rundblick über den Ort und das Neckartal hat. Die Ringmauer umschloss ursprünglich die ganze Hauptburg, ist aber nach Osten und Süden zum größten Teil zerstört.
Persönlichkeiten
- Karl von Zyllnhardt (1744–1816), Grundherr in Mauer und Leiter der Bayerischen General-Forst-Administration.
Literatur
- Christoph Bühler: Burgen der Kurpfalz. Bergstraße und Neckartal. Heidelberger Verlagsanstalt, Heidelberg 1990, ISBN 3-89426-012-2, S. 121ff.
- Jochen Goetze, Werner Richner: Burgen im Neckartal. Ed. Braus, Heidelberg 1989, ISBN 3-925835-52-0.
- B.H. Hottenroth: Die Rose von Dilsberg – Sage und Schauspiel aus dem Neckartal – Eine dramatische Sage aus dem 12. Jahrhundert. Eine Broschüre mit Bild und Text seit der ersten Aufführung 1910 in der romantischen Burganlage Dilsberg. Eigenverlag Frans Herrmans, o. O. 2000.
- Axel W. Gleue: Wie kam das Wasser auf die Burg? Vom Brunnenbau auf Höhenburgen und Bergvesten. Verlag Schnell + Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2085-7, S. 167–176.
- Wolfgang W. Kress: Burgen und Schlösser am Neckar. Von Esslingen bis Mannheim. DRW-Verlag. Stuttgart 1991, ISBN 3-87181-259-5.
- Rainer Kunze: Zur Baugeschichte der Burg Dilsberg. Heidelberger Verlags-Anstalt, Heidelberg 1999, ISBN 3-931033-27-9.
- Heinrich Niester: Burgen und Schlösser in Baden. Nach Vorlagen aus alter Zeit (= Burgen, Schlösser, Herrensitze. Band 18). Weidlich, Frankfurt am Main 1961.
- Adolf von Oechelhaeuser (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg) (= Die Kunstdenkmäler des Grossherzogtums Baden. Achter Band, Zweite Abteilung). Tübingen 1913.
- Otto Piper: Burgenkunde. Bauwesen und Geschichte der Burgen. Neue, verbesserte und erweiterte Auflage, Nachdruck der 3. Auflage. Piper, München 1912. Weltbild-Verlag, Augsburg 1994. Kapitel Unterirdische Gänge. ISBN 3-89350-554-7, S. 522.
- Rhein-Neckar-Zeitung vom 13. Januar 2006, S. 10, „Das Kommandantenhaus“.
- Wolfgang Seidenspinner: Dilsberg, Stadt Neckargemünd. In: Heidelberg, Mannheim und der Rhein-Neckar-Raum (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland). Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1407-7, S. 117 ff.
- Eduard Schuster: Die Burgen und Schlösser Badens. Verlag der Hofbuchhandlung Friedrich Gutsch, Karlsruhe 1908.
- Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Schmid, Brensbach 1998, ISBN 3-931529-02-9.
- Uwe Uffelmann: Der Dilsberg im Mittelalter. Entwicklungen und Zusammenhänge. Stadt Neckargemünd, Neckargemünd 1985, ISBN 3-9801105-0-8.
- Uwe Uffelmann u. a.: Gründungszeit und Geschichte der Burg Dilsberg. Wiltschko, Neckargemünd 2008, ISBN 978-3-00-024915-0.
- Wolfgang Wiese: Burgfeste Dilsberg. Führer. (Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg). Braus, Heidelberg 2000, ISBN 3-926318-80-5.
- Stefan Wiltschko, Ingrid Thoms-Hoffmann: Die Bergfeste Dilsberg. Geschichte und Gegenwart. Heidelberger Verlagsanstalt und Druckerei, Heidelberg 1983, ISBN 3-920431-15-4.
- Stefan Wiltschko: Bergfeste Dilsberg. Führer durch die Burganlage. Braus, Heidelberg 2000, ISBN 3-926318-80-5.
Weblinks
- Offizielle Website der Burgfeste Dilsberg
- Website der Burg Dilsberg
- Dilsberg bei burgen-web.de
- Dilsberg bei Baukunst in Baden
- Dilsberg auf Schlösser und Burgen in Baden-Württemberg
Einzelnachweise
- Nicolai Knauer: Die Burgen der Grafen von Lauffen im Neckartal. In: Christhard Schrenk, Peter Wanner (Hrsg.): heilbronnica 5. Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 2013, S. 100–102 (heilbronn.de [PDF; 2,9 MB; abgerufen am 21. Februar 2014]).
- Christopher J. Burchill: The Heidelberg Antitrinitarians. In: Bibliotheca Dissidentium. Baden-Baden & Bouxwiller 1989, S. 173.
- Porträt JH Dilsberg auf jugendherberge.de Abgerufen am 24. Juli 2020.
Quelle:
Seite „Bergfeste Dilsberg“ in der deutschsprachigen Wikipedia
