Gott Lob, die Stund’ ist kommen,

1) Gott Lob, die Stund’ ist kommen,
da ich werd aufgenommen
ins schöne Paradeis!
Ihr Eltern dürft nicht klagen;
mit Freuden sollt ihr sagen:
Dem Höchsten sei Lob, Ehr und Preis!

2) Kurz ist mein irdisch Leben;
ein bessers wird mir geben
Gott in der Ewigkeit.
Da werd ich nicht mehr sterben,
in keiner Not verderben;
mein Leben wird sein lauter Freud.

3) Gott eilet mit den Seinen,
läßt sie nicht lange weinen
in diesem Tränental.
Ein schnell und selig Sterben
ist schnell und glücklich erben
des schönen Himmels Ehrensaal.

4) Die Welt mag Netze stellen;
mich wird sie nun nicht fällen,
sie wird mir tun kein Leid.
Denn wer kann den verletzen,
den Christus wird versetzen
ins Schloß vollkommner Sicherheit!

5) Zuvor bracht ich euch Freude;
jetzt, nun ich von euch scheide,
betrübt sich euer Herz.
Doch wenn ihr´s recht betrachtet
und, was Gott tut, hoch achtet,
wird sich bald lindern aller Schmerz.

6) Gott zählet alle Stunden,
er schlägt und heilet Wunden,
er kennet jedermann.
Nichts ist jemals geschehen,
das er nicht vorgesehen;
und was er tut, ist recht getan.

7) Wenn ihr mich werdet finden
vor Gott, frei aller Sünden,
in weißer Seide stehn
und tragen Siegespalmen
in Händen und mit Psalmen
des Herren Ruhm und Lob erhöhn,

8) da werdet ihr euch freuen;
es wird euch herzlich reuen,
daß ihr euch so betrübt.
Wohl dem, der Gottes Willen
gedenket zu erfüllen
und ihm sich in Geduld ergibt!

9) Ade, nun seid gesegnet!
Was jetzund euch begegnet,
ist andern auch geschehn;
viel müssen´s noch erfahren.
Nun, Gott woll euch bewahren!
Dort wollen wir uns wiedersehn.

Liedtext: 1632, Johann Heermann (1585-1647)
Melodie: 15. Jahrhundert/Geistlich um 1505/Bei Bartholomäus Gesius 1605
“O Welt, ich muß dich lassen”