3. Mose 17, 7

Und mitnichten sollen sie ihre Opfer hinfort den Feldteufeln opfern, mit denen sie Abgötterei treiben. (3. Mose 17, 7)

Erläuterung und Betrachtung von Karl August Dächsel

Und sie [die Kinder Israel] sollen mitnichten ihre Opfer hinfort [wie seither geschehen] den Feldteufeln opfern, mit denen sie huren [d.h. Götzendienst treiben, s. Anm. zu 2. Mose 34, 16]. Das [daß sie so ihre Opfer allein dem HErrn, ihrem Gott, opfern, nicht aber den Feldteufeln oder Unholden der Wüste] soll ihnen ein ewiges Recht sein bei ihren Nachkommen [wenn auch der Gebrauch, alle Schlachtungen für das Haus bei der Stiftshütte zu vollziehen, V. 3 f., seiner Zeit wieder aufhören muß, 5. Mose 12, 15, da er im Lande Kanaan selbst nicht ausführbar ist].

Schon in 2. Mose 23, 19 wurde ein heidnischer Gebrauch, den Israel in Ägypten angenommen, auf’s Strengste untersagt; auch 3. Mose 18, 23 zeigt, wie arg das Volk von ägyptischen Gräueln angesteckt war. Hier sind denn unter den Feldteufeln (hebr. Seirim, d. i. Böcke) die bösen Geister oder Unholde der Wüste zu verstehen, die man sich in Bocksgestalt* dachte (ähnlich den Satyrn der Griechen und Römer) und denen man einen Teil seiner Schlachtungen als Opfer zueignete, um ihre Gunst sich zu erwerben und ihren verderblichen Einfluß von sich abzuhalten. So entschieden nun die Schrift gleich in ihren ersten Büchern auf das Dasein eines Reiches der Finsternis hinweist und nicht nur von dem Teufel und den bösen Geistern als wirklich existierenden Wesen redet, sondern auch die Wüste wirklich als ihren eigentlichen Aufenthalt anerkennt, von wo aus sie ihre Streifzüge und Angriffe wider die Menschen unternehmen (vgl. Anm. zu Kap. 16, 10 u. 22 und zu Jes. 13, 21); so wenig duldet sie doch, daß diesem Reich der bösen Geister irgendwelcher Dienst erwiesen werde, und tritt gerade darum in einen so heftigen Kampf wider den Götzendienst, weil ihr dieser Dienst selber schon für ein Teufels- und Dämonendienst gilt (2. Mose 7, 22 Anm.), auch abgesehen von den Opfern, welche die Heiden absichtlich und bewußter Weise dem Teufel und seinen Dämonen darbrachten. Die Kinder Israel hatten sich, wie aus unserer Stelle hervorgeht, in Ägypten angewöhnt, ihre Schlachtungen auf freiem Felde in der Art zu vollziehen, daß sie davon ebenfalls den Ungetümen der Wüste einen Teil weihten (vgl. 5. Mose 32, 17; Ios. 24, 14), und damit die ursprüngliche Schlachtungsart, von der in der Anm. zu Kap. 1, 2 die Rede war, in greulicher Weise verkehrt; diese wird denn hier wiederhergestellt und damit von Neuem der rechte Gottesdienst an die Stelle des heidnischen Teufelsdienstes gesetzt. Über den Teufel soll das Volk Gottes triumphieren und ihm das zurückgeben, was sein ist, die Sünde und ihre Verdammnis (Kap. 16, 20.22); aber seine Hilfe und sein Heil soll es allein erwarten von dem lebendigen Gott, und darum auch ihm allein seine Gaben und Dienste weihen.

* wird daher von anderen Übersetzern auch mit „Bocksdämonen“ übersetzt.

Aus: August Dächsel (Hrsg.): Die Bibel oder Die ganze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, nach der deutschen Übersetzung Dr. Martin Luthers, mit in den Text eingeschalteter Auslegung, 7 Bände, A. Deichert’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1865-1898.

Als Nachdruck der Ausgabe von 1867 bei: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, Groß Oesingen 2004, ISBN 3-86147-269-4