Jakobus 4, 7

So seid nun Gott untertänig. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch;
(Jak. 4, 7)

Der Teufel hat mit seiner Versuchung nur solange ein Interesse an uns, als wir ihm im Sichgehenlassen, im Auslebenwollen unserer Sinnlichkeit oder in hochmütiger Verblendung eine bequeme Angriffsfläche bieten. Solang wir gar nicht an einen wirklichen Widerstand denken, sondern uns mit der Möglichkeit der betreffenden Sünde beschäftigen, hat er die besten Hoffnungen. Sobald wir aber das drohende Unrecht als solches anerkennen, und Angst vor unserer Schwachheit uns überkommt und wir uns nur eine Sekunde an den gegenwärtigen Jesus wenden, wird sein Sieg zweifelhaft.

Vielleicht versucht er jetzt noch einen letzten Sturmangriff, eine Überrumpelung durch den Betrug der Sünde. Sind wir aber im Gebetszusammenhang mit Jesus, so fangen dessen Lichtkräfte an zu wirken. Jetzt ist der Augenblick der Entscheidung gekommen, von dem ein Dichter sagt:

“Nur heute, heute nur laß dich nicht fangen, So bist du hundertmal entgangen.” *)

Jetzt merkt der Böse, daß ihm heute gerade entschlossener Widerstand entgegengesetzt wird, und alsobald flieht er. Treue im Zusammenschluß mit Jesus verscheucht das Böse, wie der Morgenwind die Nebelfetzen zerreißt.

Darum bitten wir dich, du Meister unseres Lebens, Herr Jesus, bleib du bei uns und laß uns in solchen gefährlichen Augenblicken nicht allein. Dann wird der eine erfahrene Sieg die Bahn ebnen dem nächsten, und aus den Siegen wachsen heilige Gewohnheiten hervor. Amen.

(Samuel Keller)

Quelle: S. Keller, Betrachtungen zum Neuen Testament, aus: Glaubensstimme – Christliche Texte aus 2000 Jahren
Bildnachweis: Keller, Samuel, Pfarrer in Düsseldorf; aus Bestand: AEKR Bibliothek BK3005

*) Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Sprichwörtlich. Quelle: aphorismen.de

Der Christ muß fürwahr so weise sein und darf nicht daran zweifeln, daß er mit seinem Gebet vor einer so unermeßlichen Majestät unwürdig ist. In keiner Weise darf er sich auf seine Würdigkeit verlassen oder wegen seiner Unwürdigkeit aufhören zu beten. Vielmehr muss er Gottes Gebot beachten und ihm dasselbe immer wieder vorhalten.

Und dem Teufel muß man entgegentreten und ihm sagen: »Wegen meiner Würdigkeit fange ich nicht an, und um meiner Unwürdigkeit willen höre ich nicht auf. Ich bete und arbeite nur deshalb, weil Gott aus lauter Güte allen Unwürdigen Erhörung und Gnade zugesagt hat. Das hat er nicht nur zugesagt, sondern aufs Strengste und bei seiner ewigen Ungnade und seinem Zorn geboten: Wir sollen beten, vertrauen und von ihm alles annehmen. Wenn es dieser hohen Majestät nicht zu viel gewesen ist, diese seine unwürdigen Würmchen zu bitten, ihm zu vertrauen und von ihm etwas anzunehmen, und wenn er sie so hoch und heilig dazu verpflichtet, wie sollte es mir dann zu viel sein, ein solches Gebot mit Freuden aufzunehmen – einerlei, wie würdig oder unwürdig ich bin?«

So muß man des Teufels Eingebungen mit Gottes Gebot beantworten. Dann hört er auf, sonst niemals!

(Martin Luther)