Epheser 4, 3: Die Einheit des Geistes

„Und seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.“

Von der Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes ist zu unterscheiden die Einheit des Geistes (Eph. 4, 3). Letztere kennzeichnet den Leib Christi nach den Worten des Apostels Paulus: „Alles dieses wirkt ein und derselbe Geist, … denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft und sind alle mit einem Geist getränkt worden“ (1. Kor. 12, 11.13). Zu dieser Einheit des Geistes brauchen wir nicht erst hinzugelangen, sie ist vielmehr die Voraussetzung zur Existenz des ganzen Leibes. Sie muß nur erkannt, anerkannt und bewahrt werden im Band des Friedens. In dieser Einheit gibt es ebensowenig ein Wachstum wie bei unserer Rechtfertigung und in unserem Sohnsein. So wie die Rechtfertigung und die Sohnschaft bestehen bleiben trotz aller Mängel, so bleibt auch die Einheit des Geistes eine Tatsache trotz aller Uneinigkeit unter den Kindern Gottes. So gewiß wie es eine falsche Heiligungsbestrebung gibt, die immer das erzeugen will, was ja als Voraussetzung schon da ist, so gewiß gibt es auch eine falsche Einheitsbestrebung in der Gemeinde, die ebenfalls immer das erzeugen will, was als Voraussetzung für das Dasein des Leibes Christi schon da ist. Hingegen gibt es ein Wachstum in der Erkenntnis dieser Einheit des Geistes, d. h. ein Wachstum in der Wertung und Verwertung der uns von Anfang an geschenkten Einheit des Geistes.

Nun wird uns gesagt, daß wir diese Einheit bewahren sollen im Band des Friedens. Wie kann das geschehen? Zunächst steht gewiß einmal fest, daß einer geistigen Einheit nicht beizukommen ist mit Mitteln, die nicht dem Geist entsprechen. Da werden also keine Vorschriften und Anordnungen etwas helfen, auch keine Abmachungen und Verträge. Heißt es nicht: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ (2. Kor. 3, 6)? Demgemäß müssen wir nach geistlichen Mitteln Ausschau halten. Wir haben gelesen, daß wir durch einen Geist zu einem Leib getauft worden sind. Nur dieser Geist kann uns in den Stand setzen, seine Einheit im Band des Friedens zu bewahren. Der einzige Weg dazu ist der, daß wir uns durch den Geist zu geistlichen Menschen machen lassen, zu solchen, die auf das Wirken des Geistes achten und ihm in unserem Leben den nötigen Spielraum lassen. Er selber wird es uns dann bewußt machen, daß das Band des Friedens von oben her schon geknüpft ist, weil Christus unser Friede ist, ihn gestiftet und verkündigt hat (Eph. 2, 14.15.17). Wenn wir im Geist wandeln, wird der Geist für die Bewahrung der Einheit im Bande des Friedens sorgen, wenigstens soweit es uns angeht. Das Bewußtsein, daß der Friede ein festhaltendes Band ist, das uns alle in der Ausgeglichenheit und Unverletzlichkeit Gottes umschlungen und zusammen hält, wird er mehr und mehr festigen.

(Fritz Binde)