Hebräer 4, 12

Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. (Hebr. 4, 12 LUT)

Parallelstellen:

Und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph. 6, 17)

Tue Buße; wo aber nicht, so werde ich dir bald kommen und mit ihnen kriegen durch das Schwert meines Mundes. (Offb. 2, 16)

Ein stumpfes Schwert ist für den Kampf ungeeignet. Deshalb sagt Gottes Wort: „Es ist schärfer denn kein zweischneidig Schwert.“ Dieses Schwert dringt in die Herzen der Menschen und verwundet das Gewissen. Es schneidet erbarmungslos die Geschwüre der Sünder auf. Aber es heilt auch: Überall dort, wo das Schwert des Geistes wirklich in der Kraft Gottes bezeugt wird, kommen Menschen zur Wiedergeburt. Denken wir nur an das erste Pfingstfest! Wie hat sich da das Schwert des Geistes bewiesen! Dreitausend kamen zum lebendigen Glauben. Nicht umsonst heißt es ja „das Schwert des Geistes“. Der Heilige Geist, der uns die Heilige Schrift schenkte, führt auch heute dieses Schwert, und kein Mensch auf der Erde entrinnt ihm. Entweder verwundet das Schwert zum Leben oder zum Tode. Dem einen bringt es Leben und Seligkeit, dem anderen Tod und Gericht (2. Kor. 2, 15.16). Diese ernste Wahrheit wollen wir nie vergessen.

Wie sollen wir als Kinder Gottes dieses Schwert desGeistes gebrauchen? Da sagt der Apostel zunächst: „Nehmet!“, das heißt, lest es. Viele Kinder Gottes sind lau geworden im Lesen ihrer Bibel, haben sie gar ganz zur Seite gelegt. Sie sind daher geistlich tot. Wir brauchten nicht zu straucheln, wenn wir treu im Wort Gottes forschten, wenn wir die Ermahnung des Apostels Paulus beachteten: „Nehmet!“ Deshalb: Laßt uns für unsere Bibel Zeit haben. Laßt sie uns so lesen, wie es uns von dem heimgegangenen Pastor Schmalenbach, einem treuen Bibelchristen, berichtet wird: „Er las seine Bibel wie eine Braut die Briefe ihres Bräutigams.“ Ein wundervolles Wort! Daß wir das doch lernten!

Wir müssen unserem Herrn Zeit geben, daß Er mit uns durch Sein Wort reden kann. Nur so werden wir im Glaubensleben wachsen und unsere Seele nähren. Ich bin oft erstaunt, wie wenig mancher in seiner Bibel Bescheid weiß. Woher kommt das? Weil man das Nehmen vergißt! — Ich bin sehr oft in der Apotheke gewesen und habe den Apothekern zugeschaut, wenn sie ihre Medizin zusammenstellten. Da wurde nach oben und nach unten gegriffen, nach rechts und nach links, und immer hatte man sofort das, was man brauchte. Ich mußte denken: „Ihr wißt aber sehr gut in eurer Apotheke Bescheid!“ Das äußerte ich auch einem gläubigen Apotheker gegenüber. Er antwortete: „In der Regel braucht man eine zwanzigjährige Praxis, ehe man in der Apotheke mit allem vertraut ist und sie selbständig führen kann.“

Wenn wir doch so im Wort Gottes zu Hause wären wie ein Apotheker in seinem Arbeitsbereich! Was sollen wir nun mit diesem Schwert tun? Es soll zu unserer Verteidigung dienen und uns bewahren, es soll uns den Feind fernhalten. Durch dieses Schwert können wir auch andere für Jesus gewinnen. Das ist wichtig und wertvoll. Wir wissen, daß die Werke des Satans Bollwerke sind. Diese Bollwerke können nur durch das Schwert des Geistes zerstört werden (2. Kor. 10, 4). Haben wir schon einmal darüber nachgedacht, warum heute so wenig Entscheidungen für Christus fallen? Rührt das nicht daher, weil man das Schwert des Geistes vielfach in Watte packt, das heißt es stumpf macht? Auf Kanzel und Katheder hat man nicht mehr den Mut, die volle biblische Wahrheit zu verkündigen. Wenn in der Gemeinde Jesu das Schwert in Watte verpackt wird, verwundet es nicht mehr; es ist in jeder Weise seiner Wirksamkeit beraubt.

Zeuch du den Harnisch Gottes an,
dein Schwert sei Gottes Wort.
Das bricht durch Blut und Flammen Bahn
und ist ein starker Hort.
Ergreif des Heiles Helm
und weich nicht wie ein Schelm!
Der Schild des Glaubens schütze dich;
so streite ritterlich!

Aus: Heinrich Müller, Die geistliche Waffenrüstung (Epheser 6, 10-19) [Digitalisat]

Man kann das Wort im Zusammenhang des ganzen Spruches auch anders auslegen; mir kam nur soeben in den Sinn, was es auch bedeuten könnte: die Scheidung zwischen seelischem und geistlichem Leben. Dazu ist allerdings das kräftige Wort Gottes auch die beste Waffe. Es macht uns in seiner schneidenden Schärfe den Unterschied klar, der zwischen dem bloß psychischen Untergrund unseres Innenlebens und dem neuen Wesen besteht, was der Heilige Geist bewirkt hat. Auch beim natürlichen Menschen gibt’s im Gemüt eine Resonanz des Wortes Gottes; mancher wird erschüttert und zu Tränen gerührt. Die Scheiben klirren, wenn ein schwerer Wagen dröhnend vorüberfährt. Aber klirrende Scheiben gehören nicht zum Wagen! Das kann alles Fleisch sein – Nerven, und diese werden ja nie bekehrt. Geist ist dagegen die höhere Form des Innenlebens, wo der Geist Gottes zur Wirksamkeit kommen will. Da müssen seine Wirkungen im Willen und Gewissen offenbar werden. Starke Impulse zu neuem Werden und Wachsen müssen sich durchsetzen. Entschlüsse, die nicht aus dem Fleisch stammen, sondern von oben her sich spürbar machen: Selbstverleugnung, Durchkreuzung des Ichlebens, Ansätze der Ewigkeit im Alltagsleben.

Wir kennen das, Herr Jesu, aber wir möchten klagen: der Geist ist schwach gegenüber dem mächtigen Fleisch. Dringe du durch mit der Neuregelung aller Verhältnisse und regiere du in uns. Segne dazu dein Wort in uns. Amen.

Betrachtung zum Vers: von Samuel Keller, aus: Glaubensstimme)

Bildnachweis: Keller, Samuel, Pfarrer in Düsseldorf; aus Bestand: AEKR Bibliothek BK3005

Eingestellt am 14. Dezember 2020 – Letzte Überarbeitung am 09. August 2021