Jenen Tag, den Tag der Wehen (Knapp, Württ. Choralbuch)

Jenen Tag, den Tag der Wehen,
Muß die Welt in Brand vergehen,
Wie Prophetenspruch geschehen.

Weh! wie zittern dann die Scharen,
Wird der Richter niederfahren,
Alles streng zu offenbaren!

Die Posaun‘ in Wundertönen,
Die durch alle Gräber dröhnen,
Ruft zum Thron den Erdensöhnen.

Tod, Natur, sie schau’n mit Beben
Alle Kreatur sich heben,
Antwort vor Gericht zu geben.

Und ein Buch wird vorgetragen,
Das da wird von Allem sagen,
Weltgerichtsspruch aufzuschlagen.

Also vor des Richters Walten
Wird, was heimlich, sich entfalten,
Vor der Rache nichts behalten.

Ach! wie werd‘ ich denn bestehen?
Wen zum Anwalt mir erflehen,
Wenn Gerechte schier vergehen?

Herr, vor dessen Macht wir beben,
Freie Gnade kannst du geben;
Rett‘, o Gnadenquell, mein Leben!

Liebevoller Jesu, siehe!
Wie ich Ziel war deiner Mühe,
Daß ich jenem Zorn entfliehe!

Mir nach war dein Schritt gewendet,
Du am Kreuz für mich verpfändet,
So viel Müh‘ sei nicht verschwendet!

Rächer, mit der heil’gen Waage,
Tilge wider mich die Klage
Vor dem großen Rügetage!

Sieh, ich seufze schuldbeladen,
Schamroth über solchen Schaden;
Hör‘ mein Flehen, Gott, in Gnaden!

Du, der schuldfrei sprach Marien,
Und dem Schächer noch verziehen,
Hast auch Hoffnung mir verliehen!

Unwert ist mein Fleh’n zu nennen,
Doch, du Treuer, wollst mir gönnen,
Nicht in ew’ger Glut zu brennen!

Zu den Schafen mich geleite,
Von den Böcken in die Weite
Stelle mich zur rechten Seite!

Wenn Verworfne dein Verdammen
Niederstürzt in Pein und Flammen,
Ruf mit Sel’gen mich zusammen!

Flehend neig‘ ich Haupt und Hände,
Glimmt mein Herz, wie Asche; wende
Dich zu mir an meinem Ende!

O des Tages voller Zähren,
Wann vom Staube wiederkehren
Zum Gericht die Sünderscharen!
Gott, dann wollst du gnädig fahren!

Jesu, frommer König, du,
Führe sie zu deiner Ruh!

Liedtext: Albert Knapp (1798-1864)
(nach Thomas von Celano, um 1250)
Weise: 1844 (1843), Alte katholische Weise des Dies irae (Tag des Zorns)
N0. 2, Württembergisches Choralbuch, 3. Auflage 1876

Quelle: Alte Lieder – Soli Deo Gloria

In veränderter Fassung:

Lied Nr. 538, in: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, Schmuckausgabe (Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart 1912)

Schriftstellen:

Es wird aber des HERRN Tag kommen wie ein Dieb in der Nacht, an welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen.
(2. Petrus 3, 10)

O weh des Tages! denn der Tag des HERRN ist nahe und kommt wie ein Verderben vom Allmächtigen. (Joel 1, 15)

Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen.
(1. Thessalonicher 5, 3 ELB)

Denn es wird sich Nation wider Nation erheben und Königreich wider Königreich; und es werden Erdbeben sein an verschiedenen Orten, und es werden Hungersnöte und Unruhen sein. Dies sind die Anfänge der Wehen. (Markus 13, 8 ELB)

Alles dieses aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch in Drangsal überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen. (Matthäus 24, 8.9 ELB)

Denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen?
(Offenbarung 6, 17 LUT)

Weblinks und Verweise:

Choralsatz, 4stimmig (1844, pdf)

Liedeintrag bei Hymnary.org, mit zahlreichen Gesangbucheinträgen

Eingestellt am 4. Dezember 2020 – Letzte Überarbeitung am 13. August 2021