Du Stern aus Jakob, Gottes Sohn (Klesel)

1) Du Stern aus Jakob, Gottes Sohn,
mein König und mein Gnadenthron,
du hast des Vaters Güte
zum selig großen neuen Jahr
gemacht uns Heiden offenbar,
das preiset mein Gemüte.
Dein Heil
zu Teil
lassen werden
uns auf Erden.
Hier und droben
kann man dich nicht gnugsam loben.

2) Ich sitz im Schatten dieser Welt,
da alles trauernsvoll bestellt,
und lebe in der Ferne:
dort leuchtest du, Herr, in mein Herz
bei meinem dunklen Seelenschmerz
mit deinem Gnadensterne.
Dies Licht
kann nicht
untergehen,
muß bestehen,
auch im Sterben,
läßt im Tode nicht verderben.

3) So leuchte mir, mein selig Licht,
daß mich die Welt ja blende nicht,
auf dein Wort laß mich sehen,
bis nach der Fremde dieser Welt
mein Herz dein Vaterland erhält,
in Gottes Stadt zu gehen.
Auf dich
seh ich,
will nicht wanken,
all‘ Gedanken
zu dir wenden,
selig bei dir anzuländen.

4) Indessen sucht mein Herze dich,
kann nicht zufrieden stellen sich,
bis es dich, Jesu, findet.
Gen Bethlehem steht auch mein Sinn,
zu ziehen mit den Weisen hin,
mein Herze sich verbindet,
leiden,
Freuden,
nicht zu achten,
bloß zu trachten,
dich zu haben,
aus dem Brunnen mich zu laben.

5) Vor deiner Krippen liegt mein Herz
und bringet Myrrhen, Reu und Schmerz
für die begangnen Sünden,
drauf mein Gebet, der Weihrauch liegt,
das wie ein Rauchwerk vor dir tügt,
wenn’s dein Geist kann entzünden,
und ich
willig
alle Sinnen
und Beginnen,
ja, mein Leben
dir kann völlig übergeben.

6) Das Gold des Glaubens, der in mir
dein Heil ergreifet mit Begier,
wird von dir hoch gehalten.
Das bring ich deiner Jesus-Lieb
und zwar durch deinen Gnadentrieb.
Du wirst ja endlich walten,
daß ich
fröhlich
kehr zurücke
zu dem Glücke,
wo die Heiden
du wirst als das Lämmlein weiden.

Liedtext: Abraham Klesel (1636-1702)
Melodie: Straßburg 1538 / Philipp Nicolai 1599 Wie schön leuchtet der Morgenstern

In diesem Zeitraume ist der dichtende Pastor ein gewohntes Bild. Mangels allgemein menschlicher Stoffe, die nur freieren Geistern zuflossen, wandte er sich in der Regel den religiösen zu, die freilich meist bekenntnismäßig oder doch lehrhaft verengt in Erscheinung treten. Das ist auch bei Abraham Klesel der Fall gewesen, der 1635 oder 1636 in Fraustadt geboren, als Pfarrer in Ulbersdorf-Zedlitz, in der Steinauer Diözese und Alt Driebiz tätig gewesen ist, ehe er nach Jauer berufen wurde, wo er 1702 verstorben ist. Von ihm sind eine ganze Reihe Lieder in ältere Gesangbücher aufgenommen gewesen; im heutigen posenschen ist er noch mit zweien vertreten, die durchaus sangbar sind: Du Stern aus Jakob, Gottes Sohn (Nr. 56), das irrtümlich Dr. Joh. Olearius zugeschrieben wird und Seele, mach dich heilig auf, Jesum zu begleiten (Nr. 80). Beide Lieder entstammen einer dickleibigen Gedichtsammlung Klesels, dem Vergißmeinnicht oder jesussüße Andachten, 1675 und 1682 (Franz Lüdtke: Grenzmark Posen=Westpreussen-ein Heimatbuch).

Weblinks und Verweise

Notensatz, 4stimmig (Philipp Nicolai Wie schön leuchtet der Morgenstern, im pdf-Format, externer Link zu liederindex.de)

Audiodatei (mp3-Format, externer Link zu liederindex.de)

Melodieseite „WIE SCHÖN LEUCHTET“ bei Hymnary.org
mit 4stimmigem Notensatz im pdf-Format (externer Link zu ccel.org)
und Audiofiles im midi– und mp3-Format (jeweils externe Links zu Hymnary.org)

Vergiß mein nicht, oder Jesus-süße Andachten, mit geistlichen Liedern auf alle Sonn- und Festtage (Lissa 1675)

Lied Nr. 968, in: Jauerisches Gesangbuch, darinn eine große Sammlung alter und neuer Lieder aus den vornehmsten, in den Königl. Preußischen und Churbrandenburgischen, auch Schlesischen Landen und Orten Evangel. Religion, herausgekommenen Lieder-Büchern zum Kirchen- und Haus-Gebrauch zu finden. 12. Auflage, 1818. [Digitalisat bei BSB/MDZ]


Eingestellt am 20. April 2026