Heuschrecken

Holzschnitt aus der Nürnberger Chronik (230v)
Michel Wolgemut, Wilhelm Pleydenwurff / Public domain

1. Könige 8, 37:

Wenn eine Teuerung oder Pestilenz oder Dürre oder Brand oder Heuschrecken [ אַרְבֶּ֤ה ] oder Raupen [ חָסִיל֙ ] im Lande sein werden, oder sein Feind im Lande seine Tore belagert, oder irgend eine Plage oder Krankheit da ist;

Heuschrecken: engl. locusts – hebr. אַרְבֶּ֑ה ’ar·beh ; Strongs Hebrew 697
Raupen: engl. caterpillar – hebr. חָסִיל֙ ḥā·sîl , chasil ; Strongs Hebrew 2625

Jesaja 33, 3:

Da wird man euch aufraffen wie einen Raub, wie man die Heuschrecken aufrafft und wie die Käfer zerscheucht werden, wenn man sie überfällt.

Joel 1, 3-7

Saget euren Kindern davon und lasset’s eure Kinder ihren Kindern sagen und diese Kinder ihren Nachkommen! Was die Raupen lassen, das fressen die Heuschrecken; und was die Heuschrecken lassen, das fressen die Käfer; und was die Käfer lassen, das frißt das Geschmeiß. Wachet auf, ihr Trunkenen, und weinet, und heulet, alle Weinsäufer, um den Most; denn er ist euch vor eurem Maul weggenommen. Denn es zieht herauf in mein Land ein mächtiges Volk und ohne Zahl; das hat Zähne wie Löwen und Backenzähne wie Löwinnen. Das verwüstet meinen Weinberg und streift meinen Feigenbaum ab, schält ihn und verwirft ihn, daß seine Zweige weiß dastehen.

Wanderheuschrecke (Locusta migratoria)
Bild: Jonathan Hornung (Liz. CC-BY-SA 2.0)

Psalm 105, 34.35

Er sprach: da kamen Heuschrecken [ אַרְבֶּ֑ה ] und Käfer [ וְ֝יֶ֗לֶק ] ohne Zahl. Und sie fraßen alles Gras in ihrem Lande und fraßen die Früchte auf ihrem Felde.

Heuschrecken: hebr.  אַרְבֶּ֑ה ’ar·beh ; Strongs Hebrew 697
Käfer: hebr.  וְ֝יֶ֗לֶק  wə·ye·leq, Strongs Hebrew 3218

Offenbarung 9, 3 und 7-9

Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken [ἀκρίδες] auf die Erde; und ihnen ward Macht gegeben, wie die Skorpione auf Erden Macht haben. Und die Heuschrecken [ἀκρίδων] sind gleich den Rossen, die zum Kriege bereitet sind; und auf ihrem Haupt wie Kronen, dem Golde gleich, und ihr Antlitz gleich der Menschen Antlitz; und hatten Haare wie Weiberhaare, und ihre Zähne waren wie die der Löwen; und hatten Panzer wie eiserne Panzer, und das Rasseln ihrer Flügel wie das Rasseln an den Wagen vieler Rosse, die in den Krieg laufen;

Heuschrecken: engl. locusts – griech. ἀκρίς, ἀκρίδες (Strongs Number G200):
Der Ausdruck bezieht sich besonders auf die Arten, die die Gebiete des Mittleren Ostens heimsuchen, wie die Wanderheuschrecken (Locusta-Arten).

Wanderheuschreckenschwarm, Süd-Madagaskar
Bild: Iwoelbern, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Menge der Heuschrecken im Schwarm kann solchermaßen anwachsen, daß sie im buchstäblichen Sinn, als große Wolken die Sonne verfinstern. „Einer der Schwärme, welche 1747 in Siebenbürgen einfielen, dauerte 4 Stunden, war etliche 100 Klafter [1 Klafter entspricht ~180 m] breit und noch viel höher, und die Heuschrecken flogen so gedrängt, daß man die Sonne nicht sah und selbst Menschen nicht, auf die Entfernung von nur 20 Schritt.“

Das Getöse, welches der fliegende Schwarm verursacht, wird von den Reisenden durch verschiedenerlei Vergleichungen zu bezeichnen gesucht: „Schon 100 Schritt, ehe ich ihn erreichte, hörte ich das Rauschen von dem schwirrenden Flug, welches immermehr zunahm; und endlich, als ich mich mitten darunter befand, ohne Uebertreibung dem Rauschen eines Mühlrades gleich kam.“ (Lichtenstein, Reisen im südlichen Afrika). „Sie machten im Fliegen ein solch Gerassel und Geschnurr, als wenn ein starker Wind durch die Bäume gehet.“ (Neuhoff). „Der dichte Schwarm machte ein Getös, wie das Rauschen eines Stroms.“ (Forbes bei Rosenmüller).

Die jüngere Generation, welche die vierte Häutung noch nicht durchgemacht hat und deren Flügel noch nicht entfaltet find, bewerkstelligt ihre Reisen zu Fuß. „Dabei,” sagt Shaw, “halten sie ihre Ordnung, wie die Soldaten. So wie sie fortrücken, übersteigen sie jeden Baum und jede Mauer, die ihnen in den Weg kommt.“ – Bar-Hebräus im Chronicon Syriacum: „Die jungen Heuschrecken stiegen über die Mauern und Wände und drangen durch Fenster und Thüren in die Häuser; und wenn sie von der Südseite in das Haus gekommen waren, so giengen sie auf der Nordseite wieder hinaus.“ – Morier bei Rosenmüller: „Sie schienen in regelmäßigen Treffen zu ziehen, kamen in die innersten Gemächer der Häuser, fanden sich in jedem Winkel, staken in unsern Kleidern und verdarben unsre Speisen.“ – Recht mitten in einen solchen Ueberfall hinein versetzt uns Beauplan: „Im Jahre 1646 gerieth ich über ihre unglaubliche Menge bei Nowogorod in Verwunderung. Sie waren dort den Frühling über ausgebreitet. Ein Theil konnte nicht fliegen und bedeckte das Feld. Die Luft war von den übrigen so angefüllt, daß ich vor Dunkelheit in meinem Zimmer nicht ohne Licht essen konnte. Alle Häuser waren von Heuschrecken voll, sogar Ställe, Scheunen und Keller. Ich suchte sie vergeblich durch Pulver- und Schwefelrauch zu vertreiben. Sobald die Thür geöffnet wurde, strömten ganze Schwärme herein und verursachten eine unerträgliche Plage, indem sie den Leuten gerade ins Gesicht flogen. Man konnte kaum den Mund öffnen, ohne daß sie sich dahinein drängten. Sie setzten sich auf das Essen und waren stets vor dem Messer, wenn man seine Bissen zerschnitt u. s. w.“ – Ueber die Verwüstung endlich, welcher dieser Feind anrichtet, stehe hier nur folgende Stelle aus Forbes: „Alle Hoffnungen des Landmannes verschwinden. Seine Felder, die er beim Aufgang der Sonne üppig mit Früchten bedeckt sah, sind vor Abends eine Wüste. Die Erzeugnisse seiner Gärten und Obstpflanzungen werden vernichtet; denn wo diese zerstörenden Schwärme lagern, da bleibt kein Blatt auf den Bäumen, kein Grashalm auf den Waiden, keine Aehre auf den Kornfeldern; alles zeigt den Anblick der traurigsten Verwüstung.“ „Nicht genug aber”, fährt Credner – verschiedene Notizen zusammenstellend – fort, “daß die Heuschrecken die saftigen Gewächse des Pflanzenreiches, das Gras der Wiesen, die Saaten und Kräuter der Felder, die Blätter, Früchte und jungen Triebe der Bäume und Weinreben verzehren: Ihre gewaltige Gefräßigkeit läßt sie selbst die saftige Rinde der holzartigen Gewächse benagen, so daß nichts als die weißen, abgeschälten Zweige übrig bleibt, ja man sah sie sogar Holz, Stroh und alte Rohrdächer verschlingen. “

Quellen und Verweise:

Auslegung von Offenbarung 9, 1-12 (von Christian Fr. Römer)

Vorträge über die Propheten: Joel (von Immanuel Stockmeyer)