Der schmale Weg ist breit genug zum Leben (Richter, EG Württ. 1912 #414)

1) Der schmale Weg ist breit genug zum Leben,
Wenn man nur sacht und grad und stille geht,
So wird man nicht so leichtlich umgeweht;
Man muß sich recht hineinbegeben,
So ist er breit genug zum frommen Leben.

2) Des Herren Weg ist voller Süßigkeiten,
Wenn man es nur im Glauben recht bedenkt,
Wenn man das Herz nur fröhlich dazu lenkt;
Man muß sich nur dazu bereiten,
So ist der schmale Weg voll Süßigkeiten.

3) Du mußt erst Geist aus Geist geboren werden,
Dann wandelst du des Geistes schmale Bahn;
Sonst ist es schwer, und gehet doch nicht an.
Weg, schnöder Sinn, du Schaum der Erden!
Ich muß erst Geist aus Geist geboren werden.

4) Wer die Geburt aus Christo hat erlanget,
Der folgt allein dem Herren treulich nach;
Er leidet erst, er trägt erst seine Schmach,
Eh’ er mit ihm im Lichte pranget,
Der die Geburt aus Christo hat erlanget.

5) Er wird mit ihm in seinen Tod begraben,
Er wird im Grab auf eine Zeit verwahrt,
Er stehet auf und hält die Himmelfahrt;
Er kriegt darauf des Geistes Gaben,
Wenn er zuvor mit Christo ward begraben.

6) Derselbe Geist, der Christus hier geübet,
Derselbe übt die Jünger Christi auch;
Der  e i n e  Geist hält immer  e i n e n  Brauch.
Kein and’rer Weg wird sonst beliebet,
Der Jünger wird wie Christus hier geübet.

7) Und ob es gleich durch Tod und Dornen gehet,
So trifft’s doch nur die Ferse, nicht das Herz;
Die Traurigkeit läßt keinen tiefen Schmerz
Dem, der getrost und feste stehet,
Ob es auch schon durch Tod und Hölle gehet.

8) Das sanfte Joch kann ja so hart nicht drücken,
Es wird dadurch das Böse nur gedrückt;
Der Mensch wird frei, damit er nicht erstickt.
Wer sich nur weiß darein zu schicken,
Das sanfte Joch kann ja so hart nicht drücken.

9) Die leichte Last macht nur ein leicht’ Gemüte,
Das Herz hebt sich darunter hoch empor,
Es tritt der Geist mit freier Kraft hervor,
Und schmeckt dabei des Herren Güte.
Die leichte Last macht nur ein leicht’ Gemüte.

10) Zieh, Jesu, mich, zieh mich, dir nachzugehen,
Zieh mich dir nach, zieh mich, ich bin noch weit!
Dein schmaler Weg ist voller Süßigkeit,
Des Herren Füll’ ist hier zu sehen.
Zieh, Jesu, mich, zieh mich, dir nachzugehen.

Liedtext: Christian Friedrich Richter (1676-1711)
Melodie: 1744, bei J. G. Stötzel

Weblinks und Verweise:

Lied Nr. 414, aus: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, Schmuckausgabe, S. 441 (Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart 1912)

Lied Nr. 619, in: Johann Peter Lange, Deutsches Kirchenliederbuch, 1843.

Liedeintrag bei Christ My Song

Notensatz, 4stimmig (pdf, Joh. Th. Rüegg, externer Link zu Christ My Song)