29. Dezember

Die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade. (Römer 6, 14)

Um desto mehr zu ermuntern, jegliche Last von sich zu werfen und zu singen: „Die Sünde kann nicht mehr mich durchs Gesetz verdammen, denn alle Zornesflammen hat Jesus ausgelöscht“, sagt der Apostel lieber „ihr“ als “wir” sind nicht mehr unter dem Gesetz, damit niemand auf die Beschaffenheit der Person sehe, und ihrerseits eine gewisse Würdigkeit mit in Anschlag bringe, die er bei sich nicht findet, und darum sich die Freude
rauben läßt, zu rühmen: Ich bin nicht unter dem Gesetz. Jedoch ohne den heiligen Geist ist das unmöglich; Er muß uns Christum verklären. Er tut das in einer gewissen Ordnung. Der Mensch wird aus seinem Sicherheitsschlaf geweckt. Er kommt in Jammer und Not seiner Sünden halber Er wird mit herrlichen Einsichten gesegnet. Er befindet sich in der Nähe Kanaans – er will gerne heimfahren. Aber nun kommt er wohl unter das Gesetz, wo er weder rück- noch vorwärts mehr weiß. Es geht ihm nach der Weise Pauli: „Ich aber starb“, jedoch so, daß es dann weiter heißt: „Ich bin durch’s Gesetz dem Gesetze gestorben. Ich lebe, aber doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ Wohlan aber, werdet nur in euern eigenen Augen recht zu Sündern! Dann wird Jesus auch erweisen, daß es je gewißlich wahr ist, daß er in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen.

Ich bin ein Glied an dem sieghaften Haupt,
Das Teufel, Tod und Hölle hat bezwungen;
Ich bin durch ihn der Sünden Rach’ entraubt,
Es ist dem Held aus Davids Stamm gelungen.

Andacht aus: Tägliches Manna für Pilger durch die Wüste. Schatzkästlein aus Gottfried Daniel Krummachers Predigten, Seite 365. Neu herausgegeben von J. Haarbeck, Pastor in Elberfeld, im November 1899 (Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen, Kreis Mörs)

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