Offenbarung 6, 1-17: Die sechs ersten Siegel

Neunte Bibelstunde

1 Und ich sah, daß das Lamm der Siegel eines auftat; und hörte der vier Tiere eines sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! 2 Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der daraufsaß, hatte einen Bogen; und ihm ward gegeben eine Krone, und er zog aus sieghaft, und daß er siegte. (Sacharja 6.1-5) 3 Und da es das andere Siegel auftat, hörte ich das andere Tier sagen: Komm!
4 Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war rot. Und dem, der daraufsaß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten; und ward ihm ein großes Schwert gegeben. 5 Und da es das dritte Siegel auftat, hörte ich das dritte Tier sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der daraufsaß, hatte eine Waage in seiner Hand.
6 Und ich hörte eine Stimme unter den vier Tieren sagen: Ein Maß Weizen um einen Groschen und drei Maß Gerste um einen Groschen; und dem Öl und Wein tu kein Leid! (2. Könige 6.25) (2. Könige 7.1) 7 Und da es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme des vierten Tiers sagen: Komm!
8 Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der daraufsaß, des Name hieß Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen ward Macht gegeben, zu töten das vierte Teil auf der Erde mit dem Schwert und Hunger und mit dem Tod und durch die Tiere auf Erden. (Hesekiel 14.21)
9 Und da es das fünfte Siegel auftat, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die erwürgt waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, das sie hatten.
10 Und sie schrieen mit großer Stimme und sprachen: HERR, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächest unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? 11 Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weißes Kleid, und ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazukämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch sollten noch getötet werden gleich wie sie. 12 Und ich sah, daß es das sechste Siegel auftat, und siehe, da ward ein großes Erdbeben, und die Sonne ward schwarz wie ein härener Sack, und der Mond ward wie Blut; (Jesaja 24.21-23) (Joel 3.3-4) (Matthäus 24.29)
13 und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von großem Wind bewegt wird. (Jesaja 34.4)
14 Und der Himmel entwich wie ein zusammengerolltes Buch; und alle Berge und Inseln wurden bewegt aus ihren Örtern. 15 Und die Könige auf Erden und die Großen und die Reichen und die Hauptleute und die Gewaltigen und alle Knechte und alle Freien verbargen sich in den Klüften und Felsen an den Bergen (Jesaja 2.10) (Jesaja 2.19)
16 und sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallt über uns und verbergt uns vor dem Angesichte des, der auf dem Stuhl sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! (Lukas 23.30)
17 Denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen? (Amos 5.18) (Maleachi 3.2) (Römer 2.5)

Das Lamm öffnet die Siegel

Das Lamm hat das Buch an sich genommen, es öffnet die Siegel! Wir möchten so gerne nun in den enthüllten göttlichen Weltplan und in die Entwicklung der Dinge so hineinschauen dürfen, daß wir wüßten, an welchem Punkt diese Entwicklung bereits angelangt ist und wie es weiter dem Ziele zu Schritt um Schritt gehen muß. Ja, wenn wir an den Zeichen, die uns gegeben sind, die Gegenwart und die Zukunft klar und bestimmt ablesen könnten: das erst erschiene unserem umschränkten und doch neugierigen Menschenverstand eine richtige „Offenbarung“. Aber wir werden umlernen müssen, mindestens einmal für unser 6. Kapitel.

Das Buch liegt keineswegs aufgerollt vor uns, daß wir alles drin übersähen und dadurch auf das Wie? – Wann – Warum? Antworten bekämen. Es werden nur sechs Siegel gelöst, das siebente bleibt unberührt! Eine Rolle aber, die noch an einer Stelle zugebunden ist, kann ich nicht entfalten und im Zusammenhang lesen. Wir bekommen freilich auch so einen teiweisen Einblick in das, was im Plan verzeichnet ist; aber stückweise und in unbestimmten Zügen andeutend redet die noch nicht voll entfaltete Rolle zu uns; – „lasset euch genügen an dem, was da ist“! – Nicht darüber ist in Kap. 4 und 5 der Lobpreis durch die sichtbare und unsichtbare Welt hin erklungen, daß nun die Engel und die Seligen und die Schöpfung den verborgenen Ratschluß und die unbekannte Zukunft sollen kennen lernen, sondern darüber, daß der allein weise und gewaltige Gott über allem regiert und seinen Plan hat und durchführt, und darüber, daß er diesen seinen Plan dem übergibt, dessen Hände für die arme verirrte und dem Verderben preisgegebene Welt am Kreuz durchgraben worden sind. Unser Schicksal, der Welt Schicksal, jetzt und künftig und ewig liegt in guten Händen! Darüber beten sie im Himmel an und wir wollen lernen, gläubig mit anbeten, auch wo wir nicht sehen oder nur stückweise und wie in einem dunkeln Spiegel sehen.

Die vier Reiter

Die 4 Thronwesen, diese majestätischen Himmelsmächte, die Gottes Befehle im Weltall ausrichten, rufen beim Öffnen der 4 ersten Siegel 4 Mächten, die nach dem Buch, das Gottes Plan enthält, bis zum Ende hin in der Welt wirken und ihr das Gepräge geben werden.

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Quelle:

Christian Römer, weil. Prälat und Stiftsprediger zu Stuttgart: Die Offenbarung des Johannes, in Bibelstunden erläutert (Verlag von D. Gundert, Stuttgart 1916)

Eingestellt am 12. Juli 2021