Ein Blick in die geistliche Welt

Bibelarbeit über Epheser 6, 10-12

gehalten am 10.01.1961, vermutlich im Weigle-Haus Essen

Ein Blick in die geistliche Welt

Wir stehen Epheser 6 – wir sind so eine große Versammlung, haben Sie alle Testamente überall – Bibeln? Vielleicht können wir noch ausgeben. Heifi, nicht, am Stuhl hinten sind noch Bibeln, bitte geb‘ erstmal einer [welche] mit, wir müssen den Text in der Hand haben, alle. Am Eingang liegen immer Testamente, da oben auf der Heizung.

Wir stehen Epheser 6: Sie müssen heute schon den Text vor sich haben, sonst können Sie schlecht folgen. Ich darf nochmal sagen, das ist hier – diese Bibelstunde ist nicht gedacht als Evangelisationsversammlung, sondern sie ist gedacht für solche, die einen Anfang gemacht haben im Glauben, daß sie tiefer wachsen im Worte Gottes; und darum will ich gründlich auslegen. Sie erinnern sich, daß der Apostel Paulus im Epheserbrief, den wir nun schon zwei Jahre lang besprechen, zuerst ganz groß spricht von den Grundlagen unseres Glaubens, und daß er dann davon gesprochen hat von dem neuen Leben, von dem neuen Leben der Christen.

Ich bin sehr drangsaliert worden, das, was ich heute vor vierzehn Tagen gesagt habe, abzuschwächen oder zurückzunehmen. Ich bedaure, ich kann davon kein Wort wegnehmen, kein Wort wegnehmen, kein Wort. Und nun faßt Paulus das alles zusammen…

[Zwischeneinschub: …also das ist nun überlegt, was ich jetzt gesagt habe, nicht – Ich bin aber gerne bereit, mich unter vier Augen zu unterhalten, was es in der Bibel heißt, es wird ein Mann Vater und Mutter verlassen. Seien Sie nicht barmherziger als Gott…]

Und nun faßt Paulus all das zusammen: noch einmal, in den Versen [Epheser,] Kapitel 6, Verse 10 bis 16, 17 – und dann kommt der Abschluß. Wir lesen vom Vers 10 ab:

Zuletzt, meine Brüder… (also zum Beschluß, gleichsam als Abschluß, sprich Bilanz, nicht?). – Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die – Harnisch, da steht also im Griechischen ein Wort, das heißt die panoplia [griech. panoplia]. Wer Griechisch kann, der versteht – die volle Ausrüstung, das heißt also, modern gesagt, vergessen Sie nicht die Gasmaske, nicht…! Die Vollausrüstung Gottes, daß Ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe…  Wissen Sie, da steht im Griechischen bloß „gegen die Methoden des Teufels“, gegen die Methoden [griech. methodeia] des Teufels, das hat Luther gleich glänzend übersetzt: die listigen Anläufe, nicht? Im Griechischen aber „die Methoden des Teufels“, der Teufel hat Methode in seiner Sache.    12 Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Und deswegen ergreift die Vollrüstung Gottes.

Meine Freunde, ich stelle mir vor, ein Mensch, der also nicht im Wort Gottes lebt… Nicht wahr, so ein Pastor wie ich, der geht von morgens bis abends mit dem Wort Gottes um, der lebt in dieser Atmosphäre, dem ist das nichts Besonderes, wenn da vom Teufel die Rede ist. Aber ich stelle mir also vor, ein moderner Mensch, ein Ingenieur oder ein Kaufmann oder ein Arbeiter, oder was weiß ich, ne Hausfrau, deren Normallektüre sagen wir die BILD-Zeitung ist, nicht wahr, die sich im Kino fortbildet und so, kriegt das zu hören. Die würden sagen, was ist denn das, was?, der Teufel, Fürsten und Gewaltige, böse Geister unter dem Himmel, die in der Finsternis dieser Welt herrschen? Reinstes Mittelalter, höchstens 14. Jahrhundert, nicht wahr, sowas gibt’s doch gar nicht, darüber sind wir ‚raus. Lieben Freunde, jetzt muß ich Ihnen mal ein paar Worte sagen über die Stellung zur Bibel. Sehen Sie, es gibt zwei Möglichkeiten die Bibel zu lesen. Die eine Möglichkeit… Also das ist das erste was ich sagen will, daß das befremdlich klingt alles, nicht, und daß wir darum einfach mal Stellung nehmen müssen zur Bibel. Es gibt zwei Methoden, die Bibel zu lesen. Die eine ist die, daß ich ausgehe von meinem Erfahrungsbereich. Da sage ich: In meinem Erfahrungsbereich, da gibt es also Straßenbahnen und Autos, und böse Nachbarn und Radio und alles Mögliche, aber keinen Teufel. Also stimmt das nicht, also ist die Bibel ein überholtes Buch, also ist es fertig. Theologen sagen in diesem Fall, wir entmythologisieren noch, aber ein Mensch der modernen Zeit wird sich ja nicht die Mühe machen, den Rest dann noch aufzuklauben, der wird den ganzen „Plunder“ dann wegwerfen. Das ist die eine Möglichkeit, daß ich von meinem Erfahrungsbereich aus die Bibel beurteile und sage: Das klappt nicht zusammen, das ist nichts, fertig…

Die andere Möglichkeit ist die, daß ich sage, das ist das einzige Buch, das mir über meinen Erfahrungsbereich hinaus Auskunft geben kann, das mir also wirklich sagen kann, was der Sinn des Lebens ist, das mir ernsthaft Auskunft geben kann über den lebendigen Gott, das ist das einzige Buch, das mir die Wahrheiten mitteilen kann, die der Naturwissenschaft verschlossen sind, denn es ist der Naturwissenschaft unmöglich , in den Bereich der Teufel vorzudringen, das kann man [mit deren Methoden] nicht feststellen, verstehen Sie? Das ist die andere Möglichkeit, daß ich sage, dies ist das einzige Buch, das mir Auskunft gibt über das, was meinen blinden, stumpfen Sinnen verschlossen ist. Und darum will ich jetzt nicht sagen, das ist unmöglich, sondern ich will hören, was da gesagt wird. Da werden dauernd Sachen gesagt, die unerhört sind, da werden dauernd Sachen gesagt, in dieser Bibel, die allem widersprechen, was wir sonst denken. Und ich habe den zweiten Weg gewählt, ich bin überzeugt, daß die Bibel ein schrecklich wichtiges Buch ist. Kein Buch kann sie ersetzen, kein Buch sonst kann mir Auskunft geben, wer der Sohn Gottes ist. Kein Buch kann mir wirklich Auskunft geben über Gott. Wenn ich zum Beispiel denke, was im Faust für ein‘ Kalle Matte…  das ist eine großartige Dichtung, der Faust, nicht…  Ich laß‘ ja nichts über meinen Landsmann Goethe kommen, was meinen Sie?! Aber was für ein Unsinn über Gott im „Faust“ steht, das geht auf keine Kuhhaut, nicht, das geht auf keine Kuhhaut! Schöne Worte, Schaum und Worte… Gefühl ist alles; umnebelnd Sonnenglut, oder wie heißt das da, Name ist Schall und Rauch… was ist das alles für ein‘ Kalle Matte! Wer immer strebend sich bemüht…[den können wir erlösen], das ist ja unerhört, die letzte Szene im Faust. Das ist ein solcher Schaum, ein solches Gewirre von sämtlichen Ideologien, die denkbar sind. Da sage ich, da geht mir auf: Die Bibel ist das einzige Buch, das über Gott und über göttliche Dinge Auskunft geben kann. Verstehen Sie, ich muß mich entschließen, welche Stellung ich der Bibel gegenüber einnehmen will, nicht? Wenn ich also diese erste, nicht sehr imponierende Stellung einnehmen will, daß ich sage: Mein Erfahrungsbereich also ist für alles maßgebend, da kommen also Dämonen und Teufel nicht vor, dann können Sie die Bibel wegwerfen, nicht? Aber mir kommt das offengestanden ein ganz klein bißchen kleinkariert vor. Daß ich mich selber zum Maß aller Dinge mache, das kommt mir ein bißchen kleinkariert vor. Ich habe mich entschlossen, den anderen Weg zu gehen. Ich bin überzeugt, daß die Bibel uns Wahrheit verkündigt, über Dinge die wir von selber nicht wissen können, die wir, verstehen Sie, von selber nicht wissen können, und die wir einfach hören müssen und lernen müssen und annehmen müssen. Das ist das Erste, was ich Ihnen sagen wollte.

Das zweite: Hier lernen wir wirklich Neues. Es ist interessant, daß die Bibel nicht nur spricht vom lebendigen Gott, der sich in Jesus klar und hell geoffenbart hat. Sondern, daß sie spricht von einer Welt Gottes, das heißt von Engeln. Verstehen Sie, gerade im Epheserbrief, darf ich Sie nochmal daran erinnern, hatten wir ein paarmal von Engeln gesprochen, Epheser 1 Vers 21, da ist von Jesus Christus die Rede, den Gott erweckt hat, und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel, über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der Zukünftigen. Da ist also die Rede von einer Engelwelt, in der es Abstufungen, in der es Hierarchien, in der es verschiedene Machtstufen gibt, das sind die, die wir nicht fassen können. Aber wenn Sie die Offenbarung lesen, wird es Ihnen sehr deutlich gemacht, nicht: Vieltausend mal Tausend Engel. Es kommt im Neuen Testament der Engel Gabriel vor, der von sich sagt: „Ich bin Gabriel, der vor Gott steht“, nicht irgendeiner, sondern der vor Gott steht, ein besonderer Engel. Und dann war im Epheserbrief nochmal (Kapitel 3 Vers 10) die Rede von Engeln;  10Auf daß jetzt kund würde den Fürstentümern und Herrschaften im Himmel. Und ebenso wie im Neuen Testament im Epheserbrief die Rede ist von Engelwelten, so ist auch die Rede von Teufeln und einer völlig gegliederten Welt der Dämonen. Bitte werfen Sie jetzt einmal alle diese komischen, närrischen Vorstellungen über den Haufen, sowohl von Mephisto als Gründgens, nicht, sowohl von Märchenbüchern, wo also Leute im Kochpott gesotten werden und Teufelchen mit Schwänzen und Schwefelgeruch sie piesacken, bitte werfen Sie mal das alles über Bord und horchen Sie mal, was die Bibel sagt. Sie sagt hier, Vers 11, es gibt einen Teufel, eine persönliche Macht des Bösen – wollen Sie die Bibel vor sich haben bitte, und Vers 12 – Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit…, jetzt will ich Ihnen wörtlich sagen, wie es im Griechischen steht; Luther hat es nicht nur einfach stur übersetzt, sondern in gutes Deutsch gegossen. Aber wir verstehen manches besser, wenn wir nochmal ganz wörtlich übersetzen: Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Fürsten, gegen Gewaltige, gegen Weltherren, gegen… es heißt wörtlich …gegen die Geistlichkeit des Bösen [Elberfelder 1871: wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern]. Da sind also vier Gruppen genannt, die unter’m Teufel stehen, jetzt möchte ich also Sie nicht in eine furchtbare Dämonologie einweihen. Ich kenne mich beim Teufel auch nicht so schrecklich aus, außer darin, daß er mich gern zur Sünde verführt, nicht, und dann muß ich hinterher die Leute immer um Verzeihung bitten, das ist schrecklich, nicht? Ich möchte nicht mehr sagen, als hier steht, aber da steht, es gibt eine ganze Welt des Bösen, es gibt ’ne ganze Welt des Bösen, eine ganze Engelwelt des Bösen.

Es gibt ’nen Teufel, eine persönliche Macht, nicht eine unbestimmte, allgemeine Macht, sondern regelrecht den Teufel. Und dann gibt es, das steht hier, Fürsten und Gewaltige. Da sagt der große Bibelausleger BENGEL, dessen „Gnomon“ ein unvergängliches Werk ist, das ist eine Bibelauslegung nur mit kurzen Bemerkungen, da sagt er: Die Fürsten und Gewaltigen, das seien so die großen dämonischen Mächte am Thron der Finsternis, die – ich sage es wörtlich wie Bengel sagt, die gewissermaßen zu Hause bleiben in der Finsternis, während, fährt er fort, die Herren der Welt, die in der Finsternis herrschen und die bösen Geister im Himmel, das sind gleichsam die, die umherstreifen und dafür sorgen, daß das Reich der Finsternis wächst und blüht und gedeiht. Mehr möchte ich jetzt dazu nicht sagen, als daß deutlich wird – das haben wir von Natur nicht gewußt – daß es wirklich den Teufel gibt und starke böse Geister, Herren der Welt, Weltherrscher, die hier dafür sorgen, daß dem Teufel seine Suppe nicht kalt wird. Und nun brauchen Sie ja bloß mal in der Zeitung zu lesen, um zu kapieren, daß man eigentlich ohne das die ganze Welt gar nicht verstehen kann. Ich sage immer bloß ein Beispiel: Wer in aller Welt will Krieg? Wissen Sie jemand, der Krieg will? Selbst der blutrünstigste General sagt: „ja, ja natürlich – Frieden“, und die rüsten wie die Jünglinge. Wir werfen allmählich Gelder in die Rüstung, die ganze Welt will uns alle erziehen.Wer will das eigentlich? Verstehen Sie, an solchen Sachen gehe ich nicht ab. Wenn ich junge Paare traue, oh da sind sie so glücklich und haben sich so lieb, und wir werden die Idealehe haben, und nach drei Jahren kratzen sie sich die Augen aus… Und ich bin froh, und ich bin meistens froh, wenn sie das nicht tun, und dann sind es wenigstens Alltagsehen, nicht? Staubige Alltagsehen. Da ist kein Glanz mehr drüber dann, nicht? Wie kommt das eigentlich? Warum wird alles, was wir wollen, kaputtgemacht? Warum geht alles „zum Teufel“? Weil er die Hande drin hat, weil er die Hände drin hat, buchstäblich drin hat. Dies ist etwas, das wir uns nicht selber ausdenken konnten. Es ist interessant, daß Paulus nun hier sagt, daß diese bösen Geister, die also ausgesandt sind, nicht, diese „Weltherren“, das sind die Herren der Welt. Wenn man es im Griechischen liest, ist es noch viel eindrücklicher, da steht wirklich nur ein Wort, die Weltherren [Anm.: griech. kosmokratorax – Kosmokratoren, Weltbeherrscher], die Weltherren, nicht? Wir täuschen uns zwischendurch, der Chruschtschow, der Eisenhower seien die Weltherren. Nö, nö, sagt die Bibel, Weltherren – das sind die dritte Garnitur Teufel, d a s  sind die Weltherren. Wissen Sie, das gibt neue Aspekte, nicht? Daß sie in der Finsternis herrschen. Sie verstehen, daß das Wort „Finsternis“ hier natürlich bildlich gemeint ist, wie die Bibel das Wort Finsternis immer gebraucht. Als der Herr Jesus gefangengenommen wurde, da sagte er: Dies ist Eure Stunde und die Macht der Finsternis. Das sagte er nicht, weil es halb 12 Uhr nachts war, sondern jetzt: Gott ist Licht, Gott ist Licht, und je weiter von Gott weg, desto dunkler. Und die Welt der Dämonen ist die Welt der absoluten Finsternis, wo es kein Gut und Böse mehr gibt, nicht, wo Gottes Strahlen nicht hinkommt. Und die regieren in der Finsternis dieser Welt, da steht es doch: in der Finsternis dieser Welt.

Da wollen wir singen, wenn es Frühling wird: Der Mai ist gekommen…, wie bist du schön, du weite, weite Welt… Wir raffen uns auch auf und wollen lebensbejahend werden. Es kommen immer neue idealistische Bewegungen, die es dem Menschen doch sagen: Du mußt lebensbejahend werden, an das Gute am Menschen glauben. Wir raffen uns doch auf, und wenn wir ernst machen, dann wissen wir: Finsternis dieser Welt. Und nun überlegen Sie einen Moment – ich möchte beinahe eine Minute Pause machen – wo Sie in der Finsternis dieser Welt drinstecken. Das ist das Zweite.

Das Dritte, was ich Ihnen sagen möchte, ist dies: Die Bibel lehrt uns neue Dinge, aber sie sagt uns das immer bloß so weit – ich möchte über Teufel noch mehr wissen – die Bibel sagt uns immer nur so viel, als wir für unser praktisches Leben brauchen. Es gibt in der Bibel überhaupt keine spekulativen Dinge, sondern sie sagt uns immer nur so viel, als wir für unser praktisches Leben brauchen. Es gibt in der Bibel meiner Ansicht überhaupt nichts, was nicht sofort in Beziehung auf mein praktisches Glaubens- und Alltagsleben gesagt ist. Wenn von der Wiederkunft Jesu die Rede ist, dann heißt es: Wachet! Mensch, laß‘ Dich doch nicht von den zeitlichen Ereignissen gefangennehmen – schau aus nach der Wiederkunft Jesu! Verstehen Sie, was es auch sei. Das regt mich zum Beispiel bei den Zeugen Jehovas so ein bißchen auf, die können so richtig spekulativ stundenlang an Bibelworten rumkrabbeln, das hat gar keine Beziehung zu meinem Leben. Und das heißt, die Bibel hundertprozentig mißverstehen. Es wird uns in der Bibel gar nichts gesagt, was nicht in direkter…, also was nicht Münze, praktische Münze ist – drücke ich mich deutlich aus, nicht? Ich kann mich so schlecht ausdrücken, meine Mutter sagt, ich stottere, und da hat sie bestimmt recht gehabt. Also mir ist das so groß, zum Beispiel gerade bei den letzten Dingen, bei dem was die Offenbarung sagt, sehen Sie, seitdem es gläubige Christen gibt, die sich beschäftigen mit den letzten Dingen, also mit Wiederkunft Jesu und tausendjährigem Reich und Auferstehung der Toten und Weltgericht, seitdem – das sage ich jetzt mal den erfahrenen Christen unter uns – seitdem kloppen die Christen darüber, ob die Entrückung der Gläubigen geschieht vor der großen Trübsal oder nach der großen Trübsal. Haben Sie darüber schon gehört? Können sich nie einigen, das heißt [es wird] in der Bibel nicht klar gelehrt, und das ist ja wundervoll, daß die Bibel sowas ganz offenläßt und sagt: Sei DU mal bereit, wenn die Stürme kommen, daß Du nicht entwurzelt wirst, nicht. Es gibt eine Entrückung der Gläubigen, aber wann die kommt, ist in dem Zusammenhang nicht gesagt.

Verstehen Sie, es gibt gar keine spekulativen Dinge, verstehen Sie was ich meine, die man rein intellektuell wälzen könnte, in der Bibel. Sondern sie sind immer in mein Gewissen gezielt und auf mein praktisches Leben ausgerichtet, und das gilt nun auch für das, was hier vom Teufel gesagt ist. Hier kriegen wir nicht ’ne Theorie über den Teufel vorgesetzt, sondern es wird uns gesagt: Wir sind im Kampfe Tag und Nacht, Du, wenn Du Jesus gehören willst, dann mach‘ Dir klar, dann kriegst Du einen tollen Gegner, da kriegste ’nen tollen Gegner. Ich erzähle so gern, wie ich Student war, da hatten wir ’nen alten Professor Häring, Gott hab ihn selig, er ist in der Ewigkeit, der war ein lieber Mann und hatte die Gabe Langweile, und wucherte mit seinem Pfunde, gewaltig, und da hatten wir, das war knapp nach dem ersten Weltkrieg, und da gab es kein elektrisch‘ Licht und da kam er morgens von sieben bis acht, hat mit der Kollegin sieben bis acht, und der schläft, und dann wieder ein Kerzchen, ein Weihnachtskerzchen, das war also goldig, nicht? Und dann die murmelnde Stimme von dem Professor da rein, Dogmatik, ich höre es noch vor mir, Paragraph 17: Angelologie – die Lehre von den Engeln, das gehört zur Mythologie aller Religionen, daß man sich geflügelte Wesen vorstellt, es gibt sie nicht. Paragraph 18: Dämonologie, die Lehre von den Teufeln, es gibt keine Teufel [allgemeines Gelächter]. Und soweit wir also nicht schliefen, hörten wir; und verstehen Sie, Paragraph sowieso, so spricht die Bibel nicht von Engeln und nicht von Teufeln und nicht von Gott und nicht von Menschen, Paragraph sowieso. Nicht wahr, so als Lehre, daß es einen nichts angeht. Sondern wenn die Bibel uns von Teufeln spricht, dann nicht Paragraph soundsoviel, sondern: Überleg Dir vor Deiner Bekehrung, ob Du’s riskieren willst, von dieser Front der Finsternis auf die Seite Jesu Christi zu treten. Denn das mußt‘ Dir klarmachen, eine Bekehrung zu dem Mann von Golgatha ist nicht bloß ’ne Änderung Deiner Weltanschauung, nicht nur sogar – was sehr viel ist – eine Änderung Deines ganzen bisherigen Lebens, sondern Du triffst auf eine völlig neue Front. Du machst Dir den Teufel zum Feinde, überleg‘ Dir das. Davon ist die Rede.

Wenn einer 35 Jahre lang Pfarrer ist, soviele Beispiele gibt es einfach gar nicht, als daß man immer neue aufzählen könnte, verstehen Sie?. Und darum muß ich ab und zu ganz bärtige alte Geschichten erzählen, von denen meine Freunde dann sagen, hm, sch[on wieder], die Jungs sind da brutal drin, nicht… Die etwas ältere Gemeinde hier darf dann schlafen, [und] die diese Geschichte nicht kennen, die hören ’se. Die Geschichte – die hab ich tausendmal erzählt – von dem treuen schwarzen Kutscher, den ein Herr (also es war schon im vorigen Jahrhundert, wo es noch keine Autos gab), den ein amerikanischer Herr hatte, seinen Freund Jim. Und der war ein Christ. Und dann fahren sie einmal miteinander, und dann sagt der Herr, so etwas gemütlich, raucht seine Zigarre: „Na, Jim, wie geht Dir’s denn?“, und da sagt der Jim: „Nicht sehr gut, ich habe soviel Anfechtung“. „Haha“, lachte er, „Anfechtung, wenn ich sowas höre, hab‘ ich nichts mit zu tun, hab‘ ich nichts mit zu tun, Jim, kannste sehen was für ein Blödsinn es ist wenn man Christ ist, da kommt man bloß in lauter dumme Geschichten rein. Gib den ganzen Quatsch auf.“ Und der Jim sagt kein Wort. Und nach einiger Zeit, nachher sind sie auf der Jagd, mit dem Boot, wollen Enten jagen, und dann geht so’n Pulk da mal hoch – ich versteh‘ nicht viel von der Jagd, da ist Paul der Fachmann, da geht also… [Einschub: Kurt oder wer da alle, hier sind ein Haufen Jäger, glaube ich, unter uns], da gehen also so Enten da hoch und der mit Schrot da rein, und drei Enten – die sind also tot, und zwei flattern weg, und da sagt der Herr: „Jim, Jim, bloß rudern, hinter denen her, die wollen uns abhauen.“ Da sagt der Jim, und läßt die Ruder liegen: „Herr laß‘ uns doch erstmal die Toten einsammeln, die haben wir.“ Da sagt der Herr: „Du bist doch richtig ein dummer Schwarzer. Die Toten haben wir sowieso, aber die wollen uns durchgehen, hinter denen mußte hergehen.“ Und da läßt der Jim die Ruder immer noch liegen und sagt: „Herr, so ist es mit dem Christentum. Die geistlich Toten hat der Teufel sowieso, die braucht er nicht anzufechten, die kennen keine Anfechtung, die hat er, die hat er sicher, aber wenn ihm einer entrinnen will, wenn einer selig werden will, wenn einer Kind Gottes werden will, wenn einer den Heiland sucht, dann heißt es „Aber hinterher!“, und dann gibt’s Anfechtung. Hat der Herr kapiert, nicht? Wenn Ihr in Anfechtungen kommt, sagt der Petrus, dann freut Euch, dann freut Euch im Zeichen, daß ihr auf die richtige Front geraten seid.

Aber ich komme auf meinen Gedanken zurück. Es gibt in der Bibel also auch keine spekulative Lehre über die Finsternis, sondern die Bibel sagt uns: Du, wenn Du Christ werden willst, wenn Du diesem König der Könige gehören willst, diesem Herrn Jesus, dann mach‘ Dir klar, was das bedeutet! Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit…, und nun kommt die ganze Aufzählung. Und, sehen Sie, eigentlich hat Luther das ja sehr gut übersetzt, aber ein bißchen ist bei der deutschen Übersetzung doch verlorengegangen. Und darf ich Ihnen nochmal so wörtlich sagen, Vers 12: Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Fürsten, gegen Gewaltige, gegen (nämlich steht da überhaupt nicht), gegen Weltherrscher, die in der Finsternis sind, gegen böse Geister unter dem Himmel. Wenn man das Griechische liest, pros [pros], pros steht da, dann kommt das unheimlich raus, dieses gegen, pros, pros, pros, pros, man hört das Klirren, als wenn die große Armee Napoleons marschiert, nicht? pros, pros, pros, pros – gegen. Und, als ich heute morgen da dran saß, und das vorbereitete, da habe ich mich einen Moment erschrocken, und habe gedacht: Was für ein unerhörtes Wagnis ist es, Christ zu werden, was für ein unerhörtes Wagnis ist es, Christ zu werden. Daß dieser Name „christlich“ so billig ausgeboten wird bei uns in Westdeutschland, ist entsetzlich. Ich wäre bereit, dieser Christlichen Partei alles zu geben, was ich besitze, wenn sie das „christlich“ streichen wollte aus ihrem Programm. Ich habe nichts gegen diese Programme parteipolitisch, aber das „christlich“ gehört da nicht hin. Es gibt keine christlichen Parteien. Das ist eine viel zu große Sache: Christ werden, heißt dem Teufel und seinem ganzen Heer den Krieg erklären. Und wie kann man eine so große Sache übernehmen, wenn man nicht wirklich begriffen hat, daß der Mann von Golgatha ein wirklicher Erlöser ist, und daß sein Blut wirklich loskauft, und daß sein Opfer mich wirklich zum Kinde Gottes macht. Es gibt in dieser merkwürdigen Geschichte in der Apostelgeschichte, wo ein paar Leute, die Söhne des Kephas, die von Paulus den Namen Jesus hörten, und sahen, daß eine große Macht drin war, und dann haben sie damit gespielt, und haben in dem Namen Jesu Dämonen austreiben wollen (müssen Sie mal lesen in der Apostelgeschichte), und da heißt es einmal, daß diese Dämonen über sie hergefallen sind, und das ist ja immer eine schreckliche Sache, und da ging mir auf, man kann mit dem Christentum nicht spielen, da kann man keine Experimente machen, sondern – Jesus, der Sohn Gottes, dessen Blut für mich geflossen ist, kann mein Herz so überwinden, daß ich glaube, er ist wirklich stärker als alle die Gewalten, und ihm gehören, und in dem Augenblick hat der Teufel kein Recht mehr.

Es ist in diesen Tagen ein Büchlein erschienen, von einem Mann namens Pawelczyk, der ist vom Westdeutschen Männerbund als Jugendwart nach Ghana geschickt worden. Wissen Sie, es ist eine schöne Sache, daß die westdeutsche Männerwelt einen Sekretär bezahlt, der Höhere-Schule-Arbeit in Ghana machen soll. Überlegt, da gibt es einen Haufen höhere Schulen, und da machte er ’ne CVJM-Arbeit. Und da hat er von seinen jungen Freunden ein paar Gebete gesammelt, und hat die drucken lassen. Das Buch heißt „Ich liege auf meiner Matte und bete“, so ein Heftchen im Aussat-Verlag. Und ich habe meinen CK-lern da am Samstag mal eins vorgelesen, das hat uns doll beeindruckt. Da betet ein junger Mann – wissen Sie, die haben ja aus der Steinzeit einen Sprung getan ins 20. Jahrhundert, wofür wir also 2000 Jahre brauchten, das haben die also in 5 Jahren gemacht, nicht? Der kommt aus dem Urwald in die Höhere Schule nun.  In seinem Urwalddorf gibt es noch Zauberer, und sein ganzes Dorf glaubt an den Zauberer, an den Juju. Und nun hören sie, er ist Christ geworden. Und nun wird ihm mitgeteilt, hör, wenn Du nicht umkehrst, dann machen wir einen Juju gegen Dich. Und dann wird ihm mitgeteilt, jetzt machen wir den Juju, den Zauber gegen Dich. Und nun kommt das ganze, durch Jahrhunderte vererbte Grauen vor der Macht der Dämonen und der Zauberer, auf diesen Jungen zu. Sie trommeln, sie trommeln, ich höre die Trommeln, sie machen den Juju gegen mich, sie werden mich töten mit Ihrem Zauber. Und doch, Herr, heißt es so ungefähr, ich will jetzt nicht einen anderen Zauberer um Hilfe angehen, sondern jetzt kommt’s drauf an, jetzt rechne ich nur mit Dir, nur mit Dir, nur mit Dir, du bist da, Halleluja! Ich rechne nur mit Dir. Wie ein Junge [..], wenn die ganze dämonische Welt auf ihn zukommt, wo er nun vor der Frage steht: Es gibt andere Zauberer, die einen Gegenzauber machen können. So hat er es von Jugend auf gelernt, nicht? Nun, auf einmal das alles weg hier – ich rechne damit, was ich geglaubt habe, der am Kreuz für mich gestorben ist, der ist wirklich Erlöser. Und dann geht mich der Teufel mit seinem ganzen Heer nichts mehr an. Ich möchte so gern deutlich machen, was ich so bei dieser Vorbereitung empfunden habe, was es für eine große Sache ist, Christ zu sein, nicht. Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen. Ich habs nicht nur mit meinen Unarten zu tun, und mit den Schwierigkeiten der Menschen, die ich liebhaben soll. Sondern ich bin errettet von der Obrigkeit der Finsternis und versetzt in ein neues Reich, in das Reich des Sohnes Gottes, und stürmt die Hölle gegen mich ran, und – kann ich mal? – weil – ich sage ein Wort aus dem 5. Psalm – weil der Herr die Gerechten mit seiner Gnade deckt wie mit einem Schilde. Das ist die Situation der Christen. Hier handelt es sich also nicht um theoretische Erwägungen, sondern um wirklich Hineingeführtwerden, was Christenstand ist, eine sehr praktische Sache. Und fangen Sie nicht an, Christ zu werden, wenn Sie nicht wirklich sich dem Heiland dann ganz ausliefern wollen, und ganz auf ihn vertrauen. Christ kann man nicht spielen. Man kann sich in die Arme Jesu werfen, mit seinen ganzen Schwachheiten und ihm all sein Vertrauen schenken und sagen:  ich kann für nichts garantieren, ich hab‘ einen so labilen Charakter, aber ich will Dir gehören, und dann ist man im Augenblick auf der anderen Front und gerettet von den listigen Anläufen des Teufels.

Der nächste Punkt, den ich Ihnen sagen möchte, ist dies: Wir haben’s also nicht mit Fleisch und Blut zu tun, das ist der nächste Punkt. Wir müssen uns da ein bißchen reindenken in die Situation des Paulus. Er ist im Gefängnis, sein eigenes Volk Israel in seiner Verstockung hat ihn ins Gefängnis gebracht. Und nun hat er zwei Jahre in Caesarea gesessen. Mein Gott, ich habe in Zellen gesessen, ich weiß wie lange vier Wochen werden können. Wissen Sie, das Schreckliche ist, wenn man weiß, ich bin zu 5 Jahren verurteilt, dann können Sie rechnen. Aber dieses Unbestimmte, das ist grausam. Er hat unbestimmt zwei Jahre in Caesarea gesessen, und [wurde] dann nach Rom verschleppt, und wie lange das ist, wissen wir nicht. Da ist jeder Tag sehr lange, und da kann der Grimm hochkommen gegen diese Ältesten Israels, die ihn dahin gebracht haben, oder gegen diese sturen, dumpfen römischen Soldaten. Für einen geistigen Menschen wie Paulus mußte es sehr schwer sein, dauernd von dieser völligen Doofheit umgeben zu sein, nicht? Er hatte es mit Prätorianern zu tun, mit alten Kommißköppen, mit Unteroffizieren – nichts gegen Unteroffiziere – aber danke Gott daß sie nicht Bücher schreiben, nicht, wenn sie es täten, wäre die Welt noch schlimmer dran! Und, nicht wahr, in dieser Atmosphäre muß dieser Paulus nun leben, ist ja völlig ungeeignet, könnte mir vorstellen, daß da ab und zu ein Zorn kommt, nun, ich rede aus eigenen Erfahrungen. Und dann macht er sich klar, mit denen habe ich im Grunde gar nichts zu tun; daß ich lahmgelegt bin, da sind andere Mächte am Werke – und Gott hat ihnen Raum gegeben. Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu tun. Verstehen Sie, von der Situation des Paulus her, zunächst wird mir das Wort sehr deutlich, und vielleicht, wenn mal Verfolgungszeiten kommen, wird es uns oft sehr wertvoll werden. Ich denke manchmal, ich habe einen Freund, der Doktor Chambon in Zürich, der war Pfarrer der Französich-Reformierten Gemeinde in Berlin während des Nazireichs, ist jetzt in der Schweiz. Der schrieb mir vor einiger Zeit: Ich habe schlaflose Nächte über die Entwicklung der Kirche in Deutschland. Was war die Kirche im Kampf, also als die bekennende Kirche aufstand, als die Pfarrer in den Gefängnissen waren, als man nur durchgab: Bekenntnisversammlungen, nicht? Und da war die Westfalenhalle voll, und dann hörten die Menschen stundenlang das Evangelium an, und in Gefangenenlagern, da kamen die Männer zu Bibelstunden zu Tausenden. Und das ist alles verspielt und vertan, nicht? Im Religionsunterricht kriegen die Jungs beigebogen, daß die Bibel entmythologisiert werden muß, und daß sie natürlich nicht alles ernstnehmen sollen. Da schrieb Dr. Chambon: Ich weine manchmal nachts und habe schlaflose Nächte um die Kirche in Deutschland. Ich habe ihm nur schreiben können: So geht mir’s auch. Der Unrat, die Kritik an der Bibel, nicht, [was] allmählich so als Evangelium verbreitet wird, da könnte einem der Hut hochgehen. Da sitzt ein junger Bursche vor mir am letzten Sonntag, der sagt: „Wir sind völlig abgekommen, die Bibel zu lesen, wissen Sie, unser Religionsunterricht hat das alles so madig gemacht.“ Da sollen sie gar keinen Religionsunterricht halten, ein Religionsunterricht, der nur dazu da ist, die Bibel schlecht zu machen, nicht – wozu das noch?

Wer die Sklaverei nur liebet/ in der Zeit und Ewigkeit / und den Sünden sich ergiebet /der hat wenig Lust zum Streit / denn die Nacht / Satans Macht / hat ihn in den Schlaf gebracht.

Justus Falkner (1672 – 1724)

1. Petr. 5,8: Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge.

Und dann wird mir so ein Wort so groß: Wir haben es nicht mit Fleisch und Blut zu tun. Hier sind nicht ein paar verblendete Leute am Werk, sondern selbstverständlich steht die Kirche des Evangeliums unter’m Bombardement des Teufels. Wir haben es nicht mit Fleisch und Blut zu tun, machen wir uns das ganz klar. Und nun schenke Gott, daß in diesem großen Kampf ein paar Leute hier im Weigle-Haus ganz einfach – darf ich es so ausdrücken – von Jesus an Land gezogen werden, froh werden an diesem Heiland und glauben, sein Blut hat mich rein gemacht, und macht mich rein, und hat mich erkauft, und ich gehöre ihm wirklich, und er ist stärker als alle Mächte der Finsternis! Ich muß noch zum Schluß das Wort auslegen, das ganz am Anfang steht: Seid stark in dem Herrn. Nachdem ich das ausgeführt habe, kommt es uns fast komisch vor, wenn uns gesagt wird: Seid stark. Nicht, das ist ja gerade deutlich geworden, daß ich diesen Mächten der Finsternis gegenüber nicht stark sein kann, wie soll ich, nicht? Ich kann keine Sünde allein überwinden. Ich habe mal mir das selber klarzumachen versucht, was das heißt, seid stark in dem Herrn. Und zwar an einem Beispiel, passen Sie auf. Also, Sie wissen, daß der Krieg zu Ende ging dadurch, daß ein Flugzeug mit ’ner Atombombe nach Hiroshima flog und dieses Ding abwarf. Der Pilot, das haben Sie in der Zeitung gelesen, der kommt ja immer wieder mal in die Irrenanstalt, der war immer schon ein sehr sensitiver, schwacher Mensch. Und der soll einen Weltkrieg von Riesen-Nationen mit einem Schlag beendigen, unmögliche Vorstellung – dieser eine Mann. Er soll mit einem Schlag 65000 Menschen umbringen, das ist unmöglich. Und doch ist er so stark, daß er’s kann. Er drückt auf’n Knopf, die Atombombe fällt, und er beendigt den Krieg und 65000 Menschen kommen um. Das heißt, in sich war er ganz schwach. Aber dieser Knopfdruck, und nun war er so stark, den Krieg der Weltmächte zu beendigen, verstehen Sie?

Und das ist mir ein Bild für die Christen. In mir selber bin ich so schwach, ich kann dem Teufel nicht einmal widerstehen in der Versuchungsstunde. Ich würde heute abfallen, glaube ich, wenn es auf mich alleine ankäme, so schwach bin ich. Als ich mich bekehrte, war mein erstes Gebet: Herr Jesus, ich liefere mich Dir aus, aber ich kann nichts versprechen, ich hab‘ ’nen labilen Charakter. Davon war ich immer überzeugt, daß ich so schwach bin. Aber in dem Herrn, ich darf glauben und beten: Herr Jesus, ich gehöre Dir, damit kann ich den Tag anfangen. Laß‘ mich diesen Tag Dir gehören. Du hast mich doch erkauft. Da drück‘ ich auf den Knopf und nun bin ich stark, daß ich die ganze Hölle lahmlege. Wie der Flieger in Hiroshima den Krieg lahmlegt, verstehen Sie? Der schwache Christ ist, dadurch, daß er Jesus, Jesus – nicht den Herrgott, ich bitte Sie – daß er Jesus anrufen darf, und sein ganzes Vertrauen ihm schenkt, auf einmal ganz stark, daß er die ganze Welt der Finsternis für sich lahmlegt.

Audiofassung des Vortrags (auf sermon-online.de)

„Wo Gott auch nur an einem Tage die Welt durch die Engel nicht regierte, so würde bald in einem Hui das ganze menschliche Geschlecht gar vergehen, der Teufel würde alles . . . verderben.“

D. Martin Luther

Index Wilhelm Busch