Karl-Friedrich Harttmann (1743-1815)

Karl Friedrich Harttmann (* 4. Januar 1743 in Adelberg; † 31. August 1815 in Tübingen) war ein deutscher lutherischer Theologe und Kirchenlieddichter.

Leben

Als Sohn eines Försters wurde Karl Friedrich Harttmann am 4. Januar 1743 in Adelberg (bei Göppingen) geboren. Einer seiner Vorfahren mütterlicherseits war der Reformator Matthäus Alber. Zuerst wurde Harttmann vom Geistlichen seiner Vaterstadt, Georg Seiz († 1763) ausgebildet. Dabei freundete er sich mit dessen Sohn an, dem späteren Theologen Johann Ferdinand Seiz. Seine weitere Ausbildung erhielt er von 1757 bis 1761 auf den Schulen der Klöster Blaubeuren und Bebenhausen. Danach bezog er das Stift Tübingen zum Studium, welches er 1765 abschloss.

1766 bis 1768 fungierte er als Vikar in Öschelbronn im Gäu. Sechs Jahre lang, von 1768 bis 1773, war er Repetent am Evangelischen Stift Tübingen. Ein Gelehrter äußerte zu dieser Zeit über ihn: „Harttmann könnte in jedem Augenblick unvorbereitet über jeden beliebigen Artikel der Glaubenslehre examinieren.“

Doch bei allem Fleiß und Wissen war sich Harttmann seines geistlichen Zustandes wohl bewußt. Er schreibt am 8. März 1765:  „Was mich bisher in meinem Lauf so aufgehalten hat, waren diese zwei Stücke: Erstens, daß ich mich bei einem Fall nicht gleich aufzurichten und an die Barmherzigkeit Gottes zu halten wußte. Ich ließ mich schüchtern machen und die Sache hängen, während ich jeden Fehler dazu hätte benützen sollen, aus der vergebenen Sünde mein elendes Herz und den Überschwang der Gnade Gottes kennen zu lernen. Das zweite war, daß ich geglaubt habe, wenn einer bekehrt sei und der Gnade Gottes in Christo versichert und gewiß sein und bleiben wolle, so dürfe sich kein Anfall der Sünde, besonders der Schoßsünde, mehr zeigen. Da sah ich, wie ich die Sünde noch nicht als eine im Fleisch wohnende Macht (Röm. 7) habe kennen gelernt. Im Fleisch wird sie wohl bleiben, solange man den Leib des Todes an sich trägt. Aber die Zustimmung zum Gesetz Gottes muß gesichert bleiben.“[2]

1774 berief man ihn als Prediger und Professor an die Karlsschule auf der Solitude. Als diese im Folgejahr nach Stuttgart verlegt wurde, zog Harttmann auch dorthin. Einer seiner Schüler dort war Friedrich Schiller.

Harttmann war Theologe pietistischer Richtung – entgegen den Auffassungen Herzog Karl Eugens von Württemberg. Harttmann wurde deshalb 1777 entlassen und zum Pfarrer in Illingen ernannt. Vier Jahre später wurde er nach Kornwestheim als Nachfolger Philipp Matthäus Hahns versetzt. Sein treuer Gehilfe, Vikar Joh. Ulrich Majer begleitete ihn dorthin und blieb bis zum Jahr 1786 bei ihm. 1793 verließ Harttmann auch diese Stadt und wurde Dekan zu Blaubeuren. Zwei Jahre darauf ging er nach Neuffen und 1801 nach Lauffen am Neckar. Dort allerdings erlebte er die Aufklärung und konnte sich trotz entschiedenen Kampfes nicht gegen die Feinde des Wortes Gottes durchsetzen, sodass er um seine Entlassung bat. Im April 1812 legte er tatsächlich seine Ämter nieder und trat in den Ruhestand, den er in Esslingen verbrachte. Drei Jahre später, am 31. August, verstarb er in Tübingen, wo er seit Mai 1815 gelebt hatte, als 72-jähriger Mann.

Seine Tochter Johanna Elisabeth war mit dem Theologen Ernst Gottlieb Bengel verheiratet. Auf deren Wunsch wurde Harttmann erst im Mai 1816 bestattet.

Harttmann wird in der Allgemeinen Deutschen Biographie als einer der tüchtigsten lutherischen Theologen aus Württemberg bezeichnet. Er lebte treu dem Wort Gottes und hielt auch den Stimmen, die sich gegen den biblischen Glauben richteten, stand. Er verfasste Werke, die die Bibel erklärten, und veröffentlichte außerdem Predigten sowie Beichtreden, die teils erst nach seinem Tod gedruckt wurden, aber teils auch mehrere Auflagen erlebten und sich Beliebtheit erfreuten. In der 1837 veröffentlichten Liedersammlung von Albert Knapp, Evangelischer Liederschatz für Kirche und Haus. Eine Sammlung geistlicher Lieder aus allen christlichen Jahrhunderten, gesammelt und nach den Bedürfnissen unserer Zeit bearbeitet von M. Albert Knapp, Diakonus an der Hospitalkirche in Stuttgart, wurden neun geistliche Lieder Harttmanns aufgenommen, die von Knapp etwas angepasst wurden. Harttmann selbst hatte 19 Gelegenheitsgedichte verfasst.

Harttmann gilt außerdem als letzter Vertreter der Bengel-Oetinger’schen Schule und konnte die Gedanken der Bibel allgemeinverständlich deuten. Durch sein praktisches Wirken beeinflusste er Gläubige und Gemeinden.

Werke

  • Endlich bricht der heiße Tiegel, und der Glaub empfängt sein Siegel als im Feur bewährtes Gold (EKG 305)
  • Sterben so, daß das Gewissen keinen Fluch mehr in sich trägt
  • Schriftmäßige Erläuterung des evangelischen Lehrbegriffs zur Wiederholung des empfangenen Konfirmandenunterrichts (1793; zweite Auflage 1848)
  • Predigten über die Sonn-, Fest- und Feiertagsevangelien (1800, vierte Auflage 1877)
  • Beichtreden (1862, vierte Auflage 1889)
  • Licht und Recht. Evangelienpredigten (1878)
  • Leichenpredigten (dritte Auflage 1889)

Literatur

Verweise

[1] Seite „Karl Friedrich Harttmann“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Juli 2019, 17:48 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl_Friedrich_Harttmann&oldid=190652178 (Abgerufen: 26. Februar 2020, 12:44 UTC)

[2] Vätersegen. Zeugnisse aus Predigten und Schrift-Erläuterungen unserer Väter, S. 475-478. Herausgegeben vom Altpietistischen Gemeinschaftsverband Stuttgart-S., Advent 1951

Lieder:

Endlich bricht der heiße Tiegel

Predigten:

2. Leichen-Predigt vom 29. September 1777