9. Februar

Es ist mir lieb, daß du mich gedemütigt hast, daß ich deine Rechte lerne.
Psalm 119, 71

Welch’ eine große Sache ist es, die Rechte des Herrn zu lernen, seine Rechte als Gott, geoffenbaret im Gesetz, welche alle Menschen in den Staub darnieder werfen; seine Rechte als Vater, geoffenbart im Evangelio, wodurch Gottlose gerechtfertiget, Sünder selig gemacht werden. Diese verstehen, bringt Leben und Friede. In lichten Stunden, wo die Seele diese Vorteile merkt, sagt sie deswegen mit David: Es ist mir gut, es ist mir lieb, daß du mich gedemütigt, so daß ich am Ende nichts mehr zu antworten wußte. Namentlich rühmt der heilige Prophet die Treue Gottes, welche sich darin offenbart. Du hast mich treulich gedemütigt, sagt er, welches sich auf mancherlei Weise darin offenbart. Es wird nicht zu viel, noch zu wenig. Es dauert nicht länger, als es gut ist, hört aber auch nicht zu früh auf. Der Herr kehrt sich an das Widerstreben nicht, nicht an die Klagen und
Beschwerdeführungen, sondern setzt seine heilsamen Absichten durch. Er richtet die Demütigung nach eines jeden Bedürfnis ein, und greift ihn da an, wo es am wehesten thut, aber auch am zweckmäßigsten ist; er unterstützt die Seele, daß sie es ertragen kann; steigt auch zuweilen das Wasser bis an die Lippen und geht eine Woge über das Haupt, und schreit die Seele: “Meine Kraft hat mich verlassen,” zur rechten Stunde verwandelt er das Wasser in Wein, nimmt das Gold aus der Glut und gebeut dem Ungestüm des Windes
und des Meeres, daß alles ganz stille wird, macht den begrabenen Lazarus wieder lebendig, und tröstet die Traurigen, daß ihnen Schmuck für Asche wird. Jesaja 61, 2.3

Vor andern küss’ ich deine Ruthe,
Die du mir aufgebunden hast;
Wie viel thut sie mir doch zu Gute,
Und ist mir eine sanfte Last!

Andacht aus: Tägliches Manna für Pilger durch die Wüste. Schatzkästlein aus Gottfried Daniel Krummachers Predigten, Seite 41. Neu herausgegeben von J. Haarbeck, Pastor in Elberfeld, im November 1899 (Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen, Kreis Mörs)

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Schriftstellen:

…zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsers Gottes, zu trösten alle Traurigen, zu schaffen den Traurigen zu Zion, daß ihnen Schmuck für Asche und Freudenöl für Traurigkeit und schöne Kleider für einen betrübten Geist gegeben werden, daß sie genannt werden die Bäume der Gerechtigkeit, Pflanzen des HERRN zum Preise.
(Jesaja 61, 2.3)