Philipp Jacob Spener (1635-1705)

Philipp Jacob Spener (* 13. Januar 1635 in Rappoltsweiler im Elsass; † 5. Februar 1705 in Berlin) war ein deutscher lutherischer Theologe und Liederdichter. Er war einer der bekanntesten Vertreter des Pietismus. Daneben war er der bedeutendste Genealoge des 17. Jahrhunderts und der Begründer der wissenschaftlichen Heraldik (Wappenkunde).

Nikolaikirche, Berlin (1827)

Spener wurde im Jahre 1663 Prediger am Straßburger Münster, drei Jahre später, also erst 31jährig, Senior des lutherischen Predigerministeriums in der freien Reichsstadt Frankfurt am Main und 1686 kursächsischer Oberhofprediger in Dresden. Von 1691 an diente er als Propst und Konsistorialrat an der Nikolaikirche in Berlin. 1694 wirkte Spener an der Gründung der Reformuniversität Halle an der Saale mit, wo seinem Schüler August Hermann Francke eine herausragende Rolle zukam.

In seinem Hauptwerk Pia desideria oder Herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren Evangelischen Kirche samt einigen dahin einfältig abzweckenden christlichen Vorschlägen von 1675 prangerte er Mißstände in der Kirche und die mangelnde Bibelkenntnis der Gläubigen an und schlug ein umfassendes Reformprogramm für die lutherische Kirche vor. Er förderte auch die Bildung der sich seit 1670 entwickelnden exercitia pietatis (Frömmigkeitsübungen) sowie der collegia pietatis (fromme Versammlungen, welche sozusagen die “Urform” der pietistischen Hauskreise waren).

Pia desideria

Speners einflußreichste Schrift Pia desideria erschien zuerst als Vorrede einer Neuauflage der Evangelien-Postille von Johann Arndt, im 8. September 1675 auch als Separatdruck. Hier entwickelte er sein Reformprogramm, das für den Pietismus Richtschnur wurde. Ausgangspunkt war eine schonungslosen Klage über Mißstände in der lutherischen Kirche. Im zweiten Teil erklärt er, daß ein „besserer Zustand“ der Kirche hier auf der Erde binnem kurzem zu erwarten sei; als Begründung dienen ihm die noch ausstehende Bekehrung der Juden (Röm 11, 25f. LUT) und der verheißene Untergang der römischen Kirche (Offb 18, 1ff. LUT). Im dritten Teil führt er sechs einzelne Vorschläge, darunter die Förderung der Bibellektüre, auch in eigenen Versammlungen der Gemeinde (nach 1. Kor 14, 26 LUT), die Stärkung des geistlichen Priestertums aller Gläubigen, eine neue Schwerpunktsetzung auf das christliche Leben und eine Abkehr von der interkonfessionellen Polemik. Die Schrift fand damals ein großes Echo und bewirkte, dass Speners Anregungen an vielen Orten aufgenommen wurden.

Wichtige Einzelwerke

  • Pia Desideria: Oder Hertzliches Verlangen/ Nach Gottgefälliger Besserung der wahren Evangelischen Kirchen/ sampt einigen dahin einfältig abzweckenden Christlichen Vorschlägen Philipp Jacob Speners; Sampt angehengten Zweyer Christlichen Theologorum darüber gestellten/ und zu mehrer auff-erbauung höchst-dienlichen Bedencken. Zunner; Fritgen, Frankfurt (Main) 1676, Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv
    • Pia desideria – Umkehr in die Zukunft. Brunnen Verlag, Gießen 51995, ISBN 3-7655-9065-7 (modernisierte Ausgabe).
    • Pia Desideria oder herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren Evangelischen Kirchen. Brunnen Verlag, Gießen 2005 (historisch-kritische Ausgabe nach dem Text der Studienausgabe von Aland/ Köster).
  • Der innerliche und geistliche Friede Oder der Friede Gottes/ So wol desselben mit uns/ als unserer mit und in Gott/ samt dessen Beförderungs-mitteln und hindernüssen. Zunner, Frankfurt (Main) 1686, Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv
  • Gründliche Vertheidigung seiner Unschuld und der unrecht beschuldigten so genannten Pietisten, gegen Herrn D. Valentini Alberti, prof. publ. zu Leipzig praefat. vindic. exeget. Joel 2. Ernst, Stargardt 1696, Digitalisat der SLUB Dresden via EOD
  • Theologische Bedencken Und andere Brieffliche Antworten auff geistliche/ sonderlich zur erbauung gerichtete materien zu unterschiedenen zeiten auffgesetzet/ und auff langwihriges anhalten Christlicher freunde in einige ordnung gebracht/ und heraus gegeben. Waisenhaus, Halle (Saale)
  • Speners Katechismus-Erklärung. Missionsverlag, Bielefeld 1984, ISBN 3-929602-02-4.
Quelle: auszugsweise aus der Seite „Philipp Jacob Spener“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. April 2021, 20:39 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Philipp_Jacob_Spener&oldid=211468893 (Abgerufen: 21. Juni 2021, 11:33 UTC)

Bildnachweise:

Portrait Speners mit Bibel: Stich von Bartholomäus Kilian (1683), Public Domain, via Wikimedia Commons
Portrait Speners: Unbekannter Künstler, Public Domain, via Wikimedia Commons
Nikolaikirche zu Berlin: Johann Heinrich Hintze, Public domain, via Wikimedia Commons

Weblinks und Verweise

Eintrag “Philipp Jacob Spener” bei Hymnary.org

Philipp Jacob Spener: Briefe aus der Frankfurter Zeit 1666-1686, Band 3: 1677-1678. Herausgegeben von Johannes Wallmann in Zusammenarbeit mit Martin Friedrich und Markus Matthias. Mohr Siebeck, Tübingen 2005 [Digitalisat, pdf bei core.ac.uk]

Philipp Jacob Spener: Briefe aus der Frankfurter Zeit 1666-1686, Band 4: 1679-1680. Herausgegeben von Johannes Wallmann in Zusammenarbeit mit Martin Friedrich und Peter Blastenbrei. Mohr Siebeck, Tübingen 2005 [Digitalisat, pdf bei core.ac.uk]

Philipp Jacob Spener: Briefe aus der Frankfurter Zeit 1666-1686, Band 5: 1681. Herausgegeben von Johannes Wallmann in Zusammenarbeit mit Klaus vom Orde. Mohr Siebeck, Tübingen 2005 [Digitalisat, pdf bei core.ac.uk]

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