Römer 2, 10

Preis aber und Ehre und Friede allen denen, die da Gutes tun, vornehmlich den Juden und auch den Griechen. (Römer 2, 10)

Paulus ist im zweiten Kapitel des Briefs an die Römer noch damit beschäftigt, daß er Juden und Griechen überweise, sie seien Sünder und der Verdammnis würdig, damit er hernach den Schluß machen könne: sie müssen, wenn sie selig werden wollen, ohne Verdienst gerecht werden aus der Gnade Gottes und durch die Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen. Weil er sich aber die Juden als Juden und die Griechen als Heiden vorstellte, und sich nach ihrer Erkenntnis richten wollte, so konnte er ihnen den Unglauben, als die verdammliche Sünde, die man wider Jesum und Sein Evangelium begeht, nicht vorhalten, gleichwie man es auch bei vielen unwissenden Christen nicht tun kann, sondern berief sich auf ihre Werke, wegen deren sie durch das geschriebene Gesetz und durch ihr Gewissen verurteilt wurden.

Er sagte also (Vers 6): Gott werde einem Jeden nach seinen Werken vergelten; wie aber? So, daß Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst über alle Seelen komme, die Böses tun. Die Ungnade oder Grimm bezieht sich auf das Gericht, so lange es währt. Hier läßt Gott Seinen Unwillen ausbrechen. Hier läßt Er hören, sehen und fühlen, was Er schon lange, da Er in der Langmut schwieg, von ihnen gedacht und ihnen bereitet habe. Von dieser Ungnade werden die Übeltäter als von einem anbrechenden Wetter überfallen. Darauf folgt hernach der beständige Zorn, den sie durch eine fortwährende Verstoßung und Strafe leiden müssen. Trübsal ist eine gegenwärtige Not, Angst aber entsteht aus der Vorstellung von der Dauer derselben Not, oder auch von einem zukünftigen Übel. Dieses Alles kommt nun über die Menschen, die unter der Langmut Gottes, aber auch bei vielen Warnungen, Böses tun, vornehmlich über die Juden, aber auch über die Griechen. Heutiges Tages aber kann man sagen: vornämlich über die Christen, aber auch über Juden, Mahomedaner und Heiden. Böses tun ist durch das Gewissen überall verboten. Paulus beruft sich nicht auf die Erbsünde, ob sie schon auch, wenn kein Erlöser wäre, vom ewigen Leben ausschlösse, sondern auf das Böse, das die Menschen wider ihre Überzeugung tun, und das sie auch nicht tun könnten, wenn sie der Stimme Gottes in ihrem Gewissen Gehör geben wollten.

Was wird aber allen denen widerfahren, die Gutes tun? Herrlichkeit und Ehre und Friede, wie Paulus sagt. Herrlichkeit geht die Natur eines Menschen selber an. Wenn seine Seele ein weißes Kleid bekommt, wenn sein Leib dem verklärten Leib Christi ähnlich wird, wenn überhaupt der Mensch wie die Sonne im Reich Gottes leuchtet, so ist er herrlich. Ehre schließt Lob und Gewalt in sich, und beides ist in dem Ausspruch des gnädigen Richters enthalten: ei du frommer und getreuer Knecht, ich will dich über viel setzen. Friede ist ein gesicherter Wohlstand, eine beständige Ruhe, eine Sättigung aller Begierden, eine Verwahrung vor allen Plagen. Obschon die Griechen dieses Alles nicht so deutlich und vollständig wußten, so konnten sie doch erkennen, daß derjenige, der bei Leibesleben Gutes tue, in jener Welt herrlicher als in dieser werden, und Ehre und Frieden nach dem Willen des höchsten Gottes genießen werde.

(Magnus Friedrich Roos)

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Paulus verkündet uns Gottes heiligen Willen und gültiges Gesetz, und dieses erglänzt in Gottes Herrlichkeit, die Licht ist ohne Finsternis. Warum liegt Gottes Mißfallen auf mir? Weil mein Auge beschattet und mein Denkvermögen gebunden ist, so daß ich wenig von seiner Regierung verstehe? Nein! Deshalb wird niemand von Gott in Trübsal und Angst gebracht. Oder habe ich deshalb Gott gegen mich, weil mir vieles fehlt, mein Körper mich plagt, Versuchung mich anficht und manche Fessel mein Vermögen beengt, so daß ich vieles nicht kann? Nein! Niemals kommt Trübsal und Angst über einen Menschen um deswillen, was ihm fehlt und er nicht kann. Es gibt nur einen einzigen Vorgang, auf den Gott Trübsal und Angst folgen läßt; das ist das, daß wir das Böse tun. Nicht das, was ich denke, sondern das, was ich tue, nicht das, was mir fehlt, sondern das, was ich erzeuge und bewirke, bringt mich unter Gottes Zorn. Kann ich denn erwarten, daß Gott damit einverstanden sei, daß ich das Böse tue? Was wäre dies doch für ein abscheulicher, verwerflicher Gedanke!

Darin besteht Gottes Herrlichkeit, daß er jedem Menschen widersteht, der das Böse tut, sei er Grieche oder Jude oder Christ. Ebenso gerecht und heilig ist Gottes Lob. Wofür soll ich es erwarten? Für meine Reden, für meine Theorien? Sei kein Kind! Willst du aus Gott den dich bewundernden Zuhörer deiner Reden machen? Oder gewinne ich sein Lob, wenn es mir gelingt, mich harmonisch zu bilden, von Flecken mich zu reinigen und mich durch und durch zu heiligen? Beschimpfe Gott nicht, und du beschimpfst ihn, wenn du meinst, du gewinnst sein Wohlgefallen mit deiner gebildeten und geschmückten Gestalt. Es gibt nur einen Vorgang, zu dem Gott Preis und Ehre und Frieden fügt: Gutes tun. Es wäre ein finsterer Gedanke, wenn ich fürchtete, Gott habe für den kein Lob, der das Gute tut, sei er Grieche oder Jude oder Christ. Darf ich aber nicht für meinen Glauben Gottes Lob erwarten? Sei getrost! Gott zertritt keinen Glauben. Dein Glaube ist vor ihm deine Gerechtigkeit. Daß aber Gott meinen Glauben loben soll, das ist eine wunderliche Vorstellung. Soll er mich denn dafür loben, daß er mir gnädig ist, dafür, daß er mir meine Sünden vergeben hat, dafür, daß er mich mit seinen Gaben beschenkt und reich gemacht hat? Nicht das, was mir Gott gibt, sondern das, was ich vollbringe, sei es Böses oder Gutes, steht unter Gottes Gericht. Das ist der Ruhm und die Größe Jesu, daß durch ihn Gottes herrliches und heiliges Gesetz vollständig in Geltung bleibt und wirksam ist. Dadurch, daß wir, die wir an Jesus glauben, aufhören, das Böse zu tun, und anfangen, das Gute zu tun, erweist sich sein Kreuz als der Tod unserer Seele und sein Evangelium als die Kraft Gottes zur Seligkeit.

Erbarme Dich unser, barmherziger Gott, wenn wir mit krummen Gedanken deinem hellen Wort ausweichen und uns vor Deinem guten Willen fürchten. Deine Gnade ist wirklich unsere Hilfe, Dein Vergeben wirklich unsere Gerechtigkeit und Dein Wort gewinnt den Sieg über unseren boshaften Willen und stellt uns auf Deinen Weg, daß wir tun, was Du willst, und was Du willst, das ist gut. Amen.

(Adolf Schlatter)

Quelle: Glaubensstimme – Die Archive der Väter

Eingestellt am 27. März 2022