Offenbarung 22, 15

Denn draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Totschläger und die Abgöttischen und alle, die liebhaben und tun die Lüge.
(Offb. 22, 15 LUT)

Wir haben von manchen Ungläubigen gehört, die ihren Unglauben schmerzlich beklagten, wenn’s zum Sterben kam. Habt ihr jemals von einem Christen gehört, dem es ähnlich erging? Habt ihr jemals gehört, daß jemand auf seinem Totenbett auf ein heiliges Leben mit Schmerz zurückgeblickt hat? Wir haben den Wollüstling mit untergrabener Gesundheit zum Skelett zusammenschrumpfen sehen in Folge seiner Übertretungen, und wir haben ihn den Tag verfluchen hören, an dem er den Weg der Zucht verließ. Wir haben das arme Kind der Sünde und Schwelgerei in Krankheit verwesen sehen, wir haben ihren Klageschrei gehört und haben vernommen, wie sie sich bitterlich verfluchte, daß sie sich jemals zum sogenannten Pfade der Lust abwandte, aber in Wahrheit zum Pfade der Hölle. Wir haben den Geizhals gesehen, der seine Säcke mit Gold gefüllt, und wir haben gefunden, daß er sich verfluchte auf seinem Sterbebett, weil sein Gold nicht die Pein seines Herzens stillen und ihm Freude gewähren konnte. Nie, nie haben wir einen Christen gekannt, der da Reue fühlte über sein Christentum. Wir haben Christen so krank gesehen, daß wir uns wunderten, wie sie noch leben konnten – so arm, daß wir über ihr Elend erstaunten – so voll von Zweifeln, daß uns jammerte ihres Unglaubens; aber auch dann haben wir sie nie sagen hören: “Ich bereue es, daß ich mich Christus ergeben habe.” Nein, auch in der Todesnacht, wenn Leib und Seele dahinschwanden, haben sie dies als einen Schatz umfangen und an ihr Herz gedrückt, und bekannten es noch, daß dies ihr Leben, ihre Freude, ihr Ein und Alles sei. Ach, wollt ihr glücklich sein, wollt ihr selig werden, wollt ihr auf sonnigen Wegen gehen, wollt ihr die Nesseln auf eurem Pfade ausreuten und die Dornen abstumpfen, so “trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles zufallen.” Sucht nicht zuerst euer Glück; sucht Christus zuerst und das Glück wird hernach kommen. Sucht zuerst den Herrn, so wird er euch mit allem versorgen, was euch heilsam ist in diesem Leben; und wird euch krönen mit allem, was glorreich ist in dem zukünftigen. “Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder.” (1. Joh. 3,2)

(Charles Haddon Spurgeon)

Die Offenbarung aber und ihre Veröffentlichung und Verkündigung arbeitet an dieser Scheidung der Geister, an dieser Ausreifung des Bösen und Guten bis zu jener Klarheit und Reife, auf die der Herr mit seiner Erscheinung wartet.

Den einen hält er noch einmal ermutigend ihr Glück vor Augen als Anteil am ewigen Leben und an der Bürgerschaft der verklärten Kirche. “Selig sind… die da waschen ihre Kleider, auf daß sie Vollmacht haben (oder Anrecht) auf das Holz des Lebens und eingehen durch die Tore in die Stadt” .

Den andern stellt er warnend ihr Unglück vor Augen, das sich in dem einen Wort “draußen” befaßt. “Denn draußen sind…” Dabei läßt er noch einmal – unter noch drastischeren Namen als in den vorangehenden Gesichten – den Zug der Unseligen an Johannes vorüberziehen, der der Hölle entgegeneilt, als “Hunde*, Giftmischer, Ehebrecher, Mörder, Götzenanbeter und Liebhaber der Lüge”.

(Aus: Hellmuth Frey, Das Ziel aller Dinge. Seelsorgerliche Auslegung der Offenbarung)

*) „Draußen sind die Hunde” und „Sehet auf die Hunde” bezeichnen bildlich solche, die ausgestoßen oder unrein sind. (Anmerkung aus: Bibel-Lexikon)
5. Mose 23, 19: Du sollst nicht den Lohn einer Hure, noch den Preis eines Hundes in das Haus des HERRN, deines Gottes, bringen zu irgendeinem Gelübde; denn auch diese beiden sind ein Gräuel für den HERRN, deinen Gott.