9. Sein Segnen (4. Mose 6, 24)

Der Herr segne dich. (4. Mose 6, 24)

Wie wunderbar, daß Gottes Geist den allerhöchsten Gott und mich so nahe zusammengestellt! Der Herr, der lebendige Gott, segne dich – spricht der Geist der
Wahrheit. Wie groß ist Gott! Die Wogen und Tiefen des Meeres sind nur ein Tröpflein vor Seiner Majestät und Gewalt, Sein wird nicht gepflegt in Tempeln von Menschenhänden gemacht. Er bedarf keines Dinges, der Selbst allen Creaturen Dasein, Zeit und Ziel gibt.

Aber mich – mich will Er segnen. Ja, segnen. Daß Er mir fluchen wolle, ist die tiefe Angst meines Herzens und wenn Er mir fluchte, der Heilige und Erhabene, so müßte mein Gewissen, ob auch Leib und Seel darüber verdürben, sprechen: Ja, Herr, Du bist heilig und Du fluchst billig aller Creatur, die Deiner Gebote fehlt; so empfange ich, was meine Thaten wert sind. Aber segnen will Er mich.

Im alten Bunde mußte Aaron, der erste Hohepriester, den Segen austeilen (4. Mos. 6, 23); im neuen Bunde geht Gottes Segen durch den einigen, unvergänglichen Hohenpriester – durch Christum, Epheser 1, 3. O Du Geist meines Vaters, zeuge in mir von Christo, von der Tiefe Seiner Leiden, von der Kraft Seiner Schmerzen, von Seinem Versöhnen, von Seinem lauten Geschrei, da Er rief: Es ist vollbracht. Was ist vollbracht? Er hat den Fluch getragen, von Gottes Gnaden den Tod geschmeckt (Hebr. 2) und mir den Segen erworben, Gal. 3, 13.14. Du Geist, der die Tiefen der Gottheit erforschet (1. Kor. 2, 10), sprich zu mir
von diesen Tiefen meiner Versöhnung in Christo, damit der Geist der Finsternis mich nicht länger quäle. O großer Trost, daß Christus mit Einem Opfer Alle vollendet hat, die geheiliget werden und die Ursache meiner ewigen Seligkeit geworden ist, Hebr. 10, 14; 5, 9.

Nun segne mich, mein Gott, durch Christum. Sechsmal mußte der Hohepriester mit lauter Stimme dich rufen, wenn er das Volk segnete. Ja sprich es laut, Du Geist der Wahrheit, daß ich es höre und nicht zweifle: Dich – Dich – Dich!

Ja mich, Du großer Gott, segne. Segne mich, so will ich vor Dir grünen, wie die Rose im Tal, Hohelied 2, 1. Segne mich, Du mächtiger Gott, so will ich durch Dich meine Natur untertreten und ich will – ein Wunder vor meinen Augen – niedriger werden. Segne mich, so will ich in der Einfalt und Gewißheit der ersten Christen glauben an den Namen Jesu, der mich geliebet und Sich Selbst für mich gegeben hat, Gal. 2, 20.

Segne mich, Du Vater der Barmherzigkeit, so werden meine Augen nicht dunkel werden und meine Kraft wird nicht verfallen (5. Mos. 34, 7), und mein Alter wird sein wie meine Jugend. Ich bitte Dich, segne mich, so werde ich den Tod nicht schmecken ewiglich und Mut finden, vor Dir zu stehen am Tage Deiner Zukunft.

Ei nun, so laß Ihn ferner tun
Und red’ Ihm nicht darein,
So wirst Du hier in Frieden ruhn
Und ewig fröhlich sein.

Quelle:

Stille halbe Stunden. Von Th. Schmalenbach. Gütersloh, Druck und Verlag von C. Bertelsmann. 1877.
Bayerische Staatsbibliothek, urn:nbn:debvb:12-bsb11354794-3
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