3. Seine Herrlichkeit. (Johannes 2, 11)

Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. (Joh. 2, 11)

Herr, Deine Herrlichkeit! Und wäre die Sonne noch heller, als sie ist und leuchteten die Sterne noch blinkender, so wäre auch dann noch all ihre Schönheit nur Schein vor Deiner Herrlichkeit. Ich sehe die Herrlichkeit Jesu, daß Er Wasser in Wein wandelt und preise die Herrlichkeit. Daß aber die Hochzeitleute in Cana und die Diener, die das Wasser schöpfen und die Jünger allesamt tun, wie Maria spricht, „was Er sagt“ , und sonst tun sie nichts und mögen nichts tun; daß Aller Wille an Einem Munde hängt, kommt auch durch die
Herrlichkeit Jesu, der also still, aber im Grunde, langsam, aber kräftig die Herzen und Gemüter vor Sich beugt.

Ja, mein Heiland, das war Deine große Herrlichkeit, daß Du mein trotziges Herz zu Deinen Füßen geworfen hast mit der einzigen Frage: was willst Du, daß ich tun soll? Und daß mein Herz noch vor Dir ist, danke ich wiederum Deiner Herrlichkeit! Mein Gott, wie groß ist Deine Herrlichkeit! Denn Du bist das Lamm Gottes, das meine Sünden trägt.

Weil Du sie trägst,
So sind sie genug getragen,
Fortgetragen – Darf ich sagen.

Daß meine Augen diese Deine Herrlichkeit sehen und meine Seele an die gewisse große ewige Vergebung in Dir glaubt, ist abermals Deine Herrlichkeit, o Jesu, der Du solch Sehen und Glauben in mir schaffst. Wenn Abraham ausharrt im Glauben und auf das bessere Vaterland wartet, wenn Moses sich an Gott hält, als sähe er Ihn und wenn Paulus jung und grün bleibt unter den Mühen seines Erdenlaufs und wenn ich mich an der lieben Alten Fuß und Pfad halte, so ist es allein die Herrlichkeit des Herrn Jesu, die jenen half
und mir hilft. O große, überschwengliche Herrlichkeit, die zu Cana waltet, am Kreuze sich ausbreitet, am offenen Grabe gepriesen wird und nun ihre Kraft offenbart in unsern Seelen zum Glauben und Ueberwinden.

Da Gott mich schuf, schuf er ein Bild von Sich Selbst. Ist in Ihm als in meinem Schöpfer ein Abgrund, so ist in mir, als in Seinem Geschöpfe auch ein Abgrund. Es hungert in mir nach unvergänglichem Leben, nach ewigem Frieden, nach unendlicher Barmherzigkeit Gottes und bin ein Königskind, das betteln geht. Aber Deine Herrlichkeit, mein Heiland, Du Freund meiner Seele, tröstet mich in Allem, gibt mir Brot und Wasser die Fülle, Licht und Leben, Freiheit und Wahrheit. Durch Dich steht mir der Himmel offen, welcher über alles Hoffen, über alles Wünschen ist. Laß mich Deine Herrlichkeit sehen, daß ich lebe und Dich preise.

Du hast mit Deiner Lieb’ erfüllt
Mein Adern und Geblüte;
Dein schöner Glanz, Dein süßes Bild,
Liegt mir stets im Gemüte.

Quelle:

Stille halbe Stunden. Von Th. Schmalenbach. Gütersloh, Druck und Verlag von C. Bertelsmann. 1877.
Bayerische Staatsbibliothek, urn:nbn:debvb:12-bsb11354794-3
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