1. Petrus 4, 18

Wenn der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?
1. Petr. 4, 18

In seinem “Kommentar zum Neuen Testament” illustriert William MacDonald die in diesem Vers ausgedrückte Wahrheit mit einer Anekdote aus den Schriften von Frederick Brotherton Meyer:

Gemäß dem ernsthaften Wunsch eines gläubigen Mannes sollte sein Tod so siegreich
werden, daß seine unbekehrten Söhne von der offensichtlichen Kraft des Evangeliums
überzeugt und angezogen würden, die es möglich macht, sich noch im Tal des Todesschattens zu freuen und dort auszuhalten. Stattdessen wurde sein Geist zu seinem
großen Bedauern außerordentlich beschwert, er wurde von Befürchtungen, Ängsten und
Zweifeln geplagt, und der Feind durfte ihm bis zum Äußersten zusetzen. Doch genau
dies hat seine Kinder am meisten beeindruckt: »Denn«, so sagte der Älteste, »wir alle wissen, was für ein guter Mensch unser Vater war, und doch sehen wir, wie schwer er geistlich leiden muß. Was haben wir dann zu erwarten, die wir uns nie um unsere Seelen bekümmert haben?«

Petrus schrieb (1. Petr. 4, 16): Leidet Jemand als ein Christ, so schäme er sich nicht, er ehre aber Gott in solchem Fall.

Er setzt aber alsbald hinzu: Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht an dem Hause Gottes: so aber erst an uns, was will’s für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelio Gottes nicht glauben! Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?

Derjenige leidet als ein Christ, den die Welt nicht wegen begangener Uebeltaten (vor welchen Petrus V. 15 warnt), sondern wegen seines christlichen Glaubens und Wandels haßt und plagt. Eben dasselbe Leiden kann aber auch ein Gericht genannt werden, wenn man es so ansieht, wie es von Gott verhängt wird. Gott verhängt dieses Gericht über die Gerechten wegen der Trägheit, die etwa bei ihnen eingerissen ist, wegen des Mißbrauchs Seiner Gnade und Gnadenmittel, oder auch wegen anderer Unordnungen und Abweichungen, welche, wenn ihnen nicht gesteuert würde, einen völligen Rückfall aus der Gnade nach sich zögen. Petrus, der in seinem Alter die mannigfaltigen Mängel der Christen bemerkte, sagte: es sei Zeit, daß das Gericht am Hause Gottes anfange, und deutete damit vermutlich auf eine Verfolgung, die entweder schon angefangen hatte, oder nahe bevorstund. Das Haus Gottes ist die Kirche. Hier fängt das Gericht Gottes an, hier braucht Gott die Gottlosen als Leute Seiner Hand, oder als Seinen Stecken, mit denen Er Seine Kinder stäupet. Das Wort Gericht zeigt eine liebreiche Strenge und heilsame Schärfe an. Gott nimmt’s bei den Seinigen genau. Es dürfen nicht eben die groben Laster, die Petrus 1. Petr. 4, 15. rügt, sondern nur läßige Hände und müde Kniee bei ihnen anzutreffen sein: so hat Gott schon eine Ursache, ein Gericht über sie ergehen zu lassen.

So aber an uns, – sagt Petrus, der sich selbst nach der Weise der alten Propheten auch unter die unartigen Kinder, die scharf gezüchtigt werden, rechnet – was will’s für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelio Gottes nicht glauben? – wenn nämlich Gott Sein heiliges und gerechtes Gericht über diese ausbrechen lassen wird. Bei diesen Leuten ist gar keine Gerechtigkeit, weil sie dem Evangelio Gottes nicht glauben. Das göttliche Gericht trifft also nicht nur ihre Fehler, sondern ihre Personen. Das Feuer läutert sie nicht, sondern verzehrt sie gar. Ihr Ende ist das Verderben. Denn so der Gerechte, wenn ein göttliches Gericht über ihn ergeht, kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder bleiben? Der Glaubensmut geht nämlich bei einem solchen Christen sehr nahe zusammen. Seine Seele ist nahe bei der Hölle. Er muß sich jetzt von dem HErrn schelten lassen, dessen Freundlichkeit er vorher geschmeckt hatte. Doch wird er erhalten, weil noch ein zappelnder Glaube in ihm ist, mit dem er Christum ergreift, und sich an Ihn hält. Aber da es ihm so hart geht, und er kaum erhalten wird, wo will der Gottlose erscheinen, der keine Ehrfurcht vor Gott hat, und der Sünder, der in seinem ganzen Leben des rechten Zweckes verfehlt? Dieser bleibt nicht im Gericht, er besteht nicht vor dem heiligen Gott. Ihm ist Gott ein verzehrendes Feuer.

Mel.: “Wer nur den lieben Gott” etc.

1) Wird der Gerechte kaum erhalten,
Wo wollen dann die Sünder hin,
Die in Gottlosigkeit veralten
Und sterben in verstocktem Sinn,
Wenn sie des Richters Zorn erschreckt,
Daß sie kein Berg und Hügel deckt?

2) Gott, gib mir in dem Lauf der Erden,
Daß dies mir eine Warnung sei,
Damit ich mög’ erhalten werden
Durch Deine Macht und Deine Treu’;
Mach’ mich durch Christi Blut gerecht,
Und dann zu Christi treuem Knecht.

3) Und wenn ich muß die Stäupe fühlen,
So sei es eine Kinderzucht,
Die laß auf mein Erhalten zielen,
So wirkt sie eine gute Frucht;
Gerichte brechen insgemein
Zuerst am Hause Gottes ein.

4) Gib, daß ich Dir nur meine Seele,
Wenn mir Dein Wille Leiden schickt,
Dem treuen Schöpfer anbefehle,
Denn Deine Treu’ bleibt unverrückt;
In Deinem Willen laß mich ruh’n,
Und leidend immer Gutes tun.

5) Mein Gott, so magst Du mit mir walten,
Wie mir es ewig heilsam ist!
Wenn nur die Seele wird erhalten,
Wenn nur noch Du mein Vater bist,
Wenn nur mich Christi Wunde deckt,
So kommt kein Tag, der mich erschreckt!

Liedtext: Philipp Friedrich Hiller (1699-1769)

Quelle:

Roos, M. Magnus FriedrichChristliches Hausbuch – März (aus: Glaubensstimme)