Ich bete an die Macht der Liebe (EG 641, Tersteegen)

1) Für dich sei ganz mein Herz und Leben,
mein süßer Gott, und all mein Gut!
Für dich hast du mir’s nur gegeben;
in dir es nur und selig ruht.
Hersteller meines schweren Falles,
für dich sei ewig Herz und alles!

2) Ich bete an die Macht der Liebe,
die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe,
wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken,
ins Meer der Liebe mich versenken.

3) Ich liebt und lebte recht im Zwange,
wie ich mir lebte ohne dich.
Ich wollte dich nicht, ach so lange;
doch liebtest du und suchtest mich,
mich böses Kind aus bösem Samen,
im hohen, holden Jesusnamen.

4) Wie bist du mir so zart gewogen,
und wie verlangt dein Herz nach mir!
Durch Liebe sanft und tief gezogen,
neigt sich mein alles auch zu dir.
Du traute Liebe, gutes Wesen,
du hast mich und ich dich erlesen.

5) Ehr sei dem hohen Jesusnamen,
in dem der Liebe Quell entspringt,
von dem hier alle Bächlein kamen,
aus dem der Selgen Schar dort trinkt.
Wie beugen sie sich ohne Ende!
Wie falten sie die frohen Hände!

6) O Jesu, dass dein Name bliebe
im Grunde tief gedrücket ein!
Möcht deine süße Jesusliebe
in Herz und Sinn gepräget sein!
Im Wort, im Werk und allem Wesen
sei Jesus und sonst nichts zu lesen!

Liedtext: 1750, Gerhard Tersteegen (1697-1769)
Melodie: 1822, Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski, St. Petersburg (1751-1825)

Die Melodie, mit der „Ich bete an die Macht der Liebe“ berühmt wurde, stammt von dem in St. Petersburg wirkenden ukrainischen Komponisten Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski (1751–1825).

Die Zuordnung dieser Melodie zu der Lieddichtung Gerhard Tersteegens findet sich zum ersten Mal in einem durch den ehemaligen katholischen Priester Johannes Evangelista Goßner (1773–1858), einen aus Bayerisch Schwaben stammenden, 1820–1824 an der Malteserkirche in Sankt Petersburg tätigen pietistischen Pfarrer, und durch den dort an der lutherischen St.-Katharinen-Kirche wirkenden russischen Organisten Iwan Karlowitsch Tscherlizki (1799–1865) bearbeiteten Choralbuch, Enthaltend die Melodieen zu der Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe und den Liedern im Schatzkästchen von Johannes Gossner. Mit Stereotypen gedruckt. Leipzig bei Karl Tauchnitz, 1825, S. 82, [Nr.] 86: „Ich bete an die Macht der Liebe &c. […].“ Durch seine Tätigkeit in Berlin (1826–1858) vermittelte Goßner die Melodie, die er in Sankt Petersburg kennengelernt hatte, samt deutschem Text an den Hof König Friedrich Wilhelms III. von Preußen und seiner Nachfolger (n. Wikipedia).

Weblinks und Verweise

Eingesungen: Liedvortrag von Kantor Arnd Pohlmann (mp3-File, externer Link)

Liedeintrag bei Christliche Liederdatenbank

Liedeintrag bei Hymnary.org

Liedeintrag bei Wikipedia (DE)

Notensatz, 4stimmig, ohne Text (pdf, St. Petersburg, Bortnjanski, externer Link zu Christian Classics Ethereal Library)

Audiofiles (midi, mp3, externer Link zu Hymnary.org)

Eingestellt am 6. Januar 2022