Offenbarung 12, 1

Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone mit zwölf goldenen Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt. (Offb. 12, 1)

„Es ist etwas ganz Wunderbares um dieses erste Bild in Kapitel 12. Ehe uns nämlich im Folgenden das schreckliche Angesicht des Widersachers Gottes und im nächsten Kapitel das seines Helfers auf Erden, des Antichristen, gezeigt wird, sollen wir uns zuerst sattsehen an diesem von hellem Sonnenlicht übergossenen Bild einer strahlenden Königin und so das Ziel Gottes mit den Seinen neu ins Auge fassen. Denn so geheimnisvoll das Bild auf den ersten Blick auch erscheinen mag, so klar ist doch seine Deutung, die das Wort der Bibel ihm selbst gibt. Keinesfalls kann hier an Maria, die Mutter Jesu, gedacht sein, wie es die katholische Kirche lehrt. Der Weg und das Schicksal der Frau, wie es uns dann weiter beschrieben wird, paßt ganz und gar nicht zu solcher Annahme. Auch erschweren wir uns das Verständnis dieses Bildes, wenn wir in ihm allein das Volk Israel, also auch das Jesus ablehnende Israel, sehen und solche Annahme bis zum Schluß des Kapitels beibehalten. Es ist hier ausdrücklich von einer Frau die Rede, die auf das Knäblein wartet, es gebärt, sich offenbar auch zu ihm bekennt, daher um seinetwillen leidet und, so fügen wir gleich hinzu, sein Hervortreten in großer Macht und Herrlichkeit wiederum sehnsüchtig und unter großen Geburtswehen erwartet. Damit ist die Deutung des Bilds schon umrissen: Es ist hier offenbar das wahre Volk Gottes gemeint, und zwar das Volk Gottes als die Gemeinde der Gläubigen zu allen Zeiten.“

(Fritz Steinwender)

Quelle: Steinwender, Fritz: Die kommende neue WeltDas letzte Buch der Bibel neu gehört. Lahr-Dinglingen, Verlag der St.-Johannis-Druckerei, Dr. Schweickhardt 1991 (ISBN 3-501-00982-8)

Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Heiden sollte weiden mit eisernem Stabe. Und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem Stuhl.
(Offb. 12, 5)

Wir können uns wohl keinen Begriff machen von den Ängsten und Nöten, Leiden und Drangsalen der Christen zur letzten Mitternachtsstunde. Heute schon halten sich manche Gläubige fern von der Gemeinschaft der Heiligen. Sie fürchten für ihre Ehre, ihr Ansehen, für ihre Bequemlichkeit. Wie tief erst wird die Scheidung gehen in der antichristlichen Zeit! Da fällt alles dürre Laub ab! Treu aber folgt die bluterkaufte Schar dem Herrn nach, und Sein Sinn und Charakter prägt sich in ihnen aus. Diese Christen der Letztzeit haben eine ganz besondere Stellung, und ihr Leidenstiegel ist sehr heiß; der Herr führt sie aber auf der Hochbahn der Leiden in Sein Leben ein. Sie werden nicht entkleidet, sondern überkleidet; mitten aus dem Verderben heraus holt sie der Herr in Sein himmlisches Haus, in Seine Herrlichkeit. Eine solche Himmelfahrt wünschen wohl alle Gläubigen. Wie aber steht es mit der Willigkeit, den Leidenskelch zu trinken? Immerhin ist es beachtenswert, daß doch nur die Endgemeinde vom Herrn diesen schweren Weg mit einem so hochseligen Ende geführt wird. In Matth. 25, 34-40 gibt uns Jesus einen Blick hinein in die tiefen Leiden der treuen Christen der Endzeit. Das erinnert uns an das Wort: „Du führest in die Hölle und wieder heraus.“ Als Gekreuzigter und Auferstandener fuhr Jesus in den Himmel; Seine Gemeinde hat einen ähnlichen Weg zu gehen. „Unter Leiden prägt der Meister Sein allgütig Bildnis ein.“ Auch dir steht der Himmel offen. Gott zählt dich nicht zu den Enterbten. Jesus ist der Weg zum Vaterhaus; an Ihn halte dich, so bist du sicher.

(Markus Hauser)

Quelle: Glaubensstimme – Die Archive der Väter

Endlich bricht der heiße Tiegel
und der Glaub‘ empfängt das Siegel
als im Feu’r bewährtes Gold,
da der Herr durch tiefes Leiden
uns hier zu den hohen Freuden
jener Welt bereiten wollt‘.

Jesu, laß zu jenen Höhen
heller stets hinauf uns sehen,
bis die letzte Stunde schlägt,
da auch uns nach treuem Ringen
heim zu dir auf lichten Schwingen
eine Schar der Engel trägt.

Liedtext: Karl Friedrich Harttmann (1743-1815)