11. August

Durch Demut achtet euch unter einander einer den andern höher denn
sich selbst. (Philipper 2, 3)

Es gibt Kinder in Christo, welche Milch bedürfen und starke Speisen von sich weisen, auch nicht vertragen können, so daß nicht alle Wahrheiten gerade auch für alle sind. Es gibt Jünglinge, die stark sind, und den Bösewicht überwunden haben, so wie Väter, die den kennen, der von Anfang ist.

Dies muß uns bescheiden machen, nicht nur im Urteil über Andere, so daß wir tragsam sind, sondern auch im Urteil über uns selbst; vornehmlich zwar, daß wir uns ja nicht zu hoch setzen, welches beweisen würde, daß wir gar schlecht ständen; “denn wer da meint, er sei etwas, da er doch nichts ist, der betrügt sich selbst”, Gal. 6, 3; – sondern auch, daß wir der Vollkommenheit nachjagen, damit Christus recht Gestalt in uns gewinne. Aber die ängstlichen Seelen sollten doch auch nicht deshalb das Dasein der neuen Kreatur in ihrem Herzen bezweifeln, weil sie noch schwach ist, und zwischen der Vollkommenheit der Teile und des Maßes einen gehörigen Unterschied machen lernen, und bedenken, daß man Frucht bringe in Geduld.

Wer noch von eignen Höhen
Bei sich was kriegt zu sehen,
Denk’ an den Weltversühner,
Der ward für uns ein Diener.

O bleibt doch gern recht kleine,
Er sei euch all’s alleine;
Denn das ist uns’re Ruhe,
Daß Jesus Alles tue.

Betrachtung zum 11. August, aus: Tägliches Manna für Pilger durch die Wüste. Schatzkästlein aus Gottfried Daniel Krummachers Predigten. Neu herausgegeben von J. Haarbeck, Pastor in Elberfeld, 1899, S. 225 (im Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen, Kreis Mörs)

Schriftstellen:

Ich habe euch Kindern geschrieben; denn ihr kennet den Vater. Ich habe euch Vätern geschrieben; denn ihr kennt den, der von Anfang ist. Ich habe euch Jünglingen geschrieben; denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt bei euch, und ihr habt den Bösewicht überwunden. (1. Joh. 2, 14, LUT 1912)

Meine lieben Kinder, welche ich abermals mit Ängsten gebäre, bis daß Christus in euch eine Gestalt gewinne, (Gal. 4, 19 LUT 1912)

Das aber auf dem guten Land sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld. (Luk. 8, 15 LUT 1912)