Offenbarung 14, 1-19: Die Erretteten auf Zion und das Gericht über Babel

Achtzehnte Bibelstunde

Die 144000 auf Zion

1. Das Wüten des Antichrists und seines Propheten und die von ihnen beherrschte und verführte Menschenwelt stand in Kap. 13 vor dem Auge des Sehers. Nun wird ihm ein neues, durchaus anderes Bild gezeigt. Er sieht die Gottesgemeinde versammelt um ihren Christus. Weit und breit ist auf erden keine Stätte mehr, wo man die wollte leben lassen, die sich nicht dem Tier verschreiben. Aber  e i n  Friedensort ist geblieben und  e i n  Gottesvolk bleibt bewahrt. Schon im 7. Kapitel hat Johannes gehört, daß vor dem Einbruch der letzten Gerichtszeit ein christgläubiges Israel als Gottes Volk erwählt, gezählt, versiegelt und verwahrt bleiben soll auf Erden. Er hörte dort auch die Zahl: 144000. Was er dort hörte, das sieht er jetzt: 144000, eine kleine, aber wohlgezählte Herde, und das Lamm in ihrer Mitte, das Sorge tragen wird, daß ihrer keines verloren werde. Sie sind gesammelt „auf dem Berg Zion“. „Zion“ ist dort, wo der Erlöser Israels unter seinem Volke stehen wird (Joel 3, 5; Röm 11, 26). Es liegt außerordentlich nahe, zu denken, daß dieses Zion der Endzeit sich im heiligen Lande Israels, an der Stätte des zertretenen Jerusalems wieder erheben wird; nur daß wir dabei nicht vergessen: entscjheidend ist nicht der geographische Ort; sondern der König Israels und die vor ihm knieende Gemeinde aus Israel, die sind es, weloche das Zion der Endzeit darstellen werden, selbst wenn Gott einen anderen Ort als das alte Jerusalem für sie erwählen wollte. – Wir denken hier zurück an Kap. 11, wo eine Stätte der Anbetung mitten im Getümmel der Völker ausgeschieden wird, die von den Völkern nicht zertreten werden darf; wir denken vor allem an den Anfang der zusammengehörigen reihe von gesichten, zu der auch dieses Gesicht noch gehört: „das Weib“, die Gottesgemeinde aus Israel, hat ihren „Ort“ gefunden, darin sie die Zeit der antichristlichen Verfolgung überstehen kann (12, 14).

„Gottes Siegel“ (7, 2) ist den Gliedern dieses heiligen Volkes aufgedrückt, d.h. sie sind als Gottes Eigentum gekennzeichnet; dasselbe sagt noch ausdrücklicher das Bild, das hier gebraucht ist: Der Name des Lammes, das sie durch seinen Opfertod erkauft hat, und der Name des Vaters, dem sie zum Volk des Eigentums erkauft sind, zeichnet sie an ihren Stirnen.

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Auslegung: Christian Römer, weil. Prälat und Stiftsprediger zu Stuttgart: Die Offenbarung des Johannes, in Bibelstunden erläutert, S. 142-152 (Verlag von D. Gundert, Stuttgart 1916)

Bibeltext: Luther 1912, aus: bibel-online.net
Verweise zu den angegebenen Bibelstellen: bibeltext.com

Eingestellt am 10. Juli 2022