Lukas 11, 28 (Spurgeon)

Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.
(Lukas 11, 28)

Es hegen manche mit einer großen Vorliebe die Vorstellung, es müsse für Maria etwas ganz besonders Erhebendes und Seliges gewesen sein, zu wissen, sie sei die Mutter des Herrn, weil sie voraussetzen, sie habe das herrliche Vorrecht genossen, in das Innerste seines Herzens hineinzublicken in einer Weise, wie wir‘s nie hoffen und erwarten können. Es ist ein gewisser Schein von Wahrheit in dieser Voraussetzung, aber ohne triftigen Grund. Es ist uns nicht bekannt, daß Maria mehr gewusst hätte als andre; was sie wußte, das bewegte sie in ihrem Herzen; aber aus allem, was wir im Neuen Testament lesen, scheint nicht im geringsten hervorzugehen, daß sie eine tiefere Glaubenserkenntnis besessen habe, als die übrigen Jünger Christi. Alles, was sie wußte, können wir ebensogut erfahren. Wunderst du dich etwa darüber, daß du dies hörst?

Hier ist eine Stelle, die es bezeugen kann: „Das Geheimnis des Herrn ist unter denen, die Ihn fürchten; und seinen Bund läßt Er sie wissen“. Dabei denkt an des Meisters Worte: „Ich sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich habe von meinem Vater gehört, habe ich euch kund getan“. So seliglich enthüllt uns dieser göttliche Offenbarer aller Geheimnisse sein Herz, daß Er mit nichts zurückhält, was uns zum Segen dienen kann, und Er fügt noch die Versicherung hinzu: „Wenn es nicht so wäre, so wollte ich es euch sagen“. Offenbart Er sich uns heute nicht auf eine Weise, wie Er sich der Welt nie offenbart? Gerade so ist‘s; und darum wollen wir nicht in Unwissenheit ausrufen: „Selig ist der Leib, der Dich getragen hat“, sondern wir wollen mit klarem Bewusstsein Gott dafür danken, daß wir, die wir das Wort gehört haben und es bewahren in einem verständigen Herzen, vor allem eine ebenso innige Gemeinschaft mit dem Heiland haben, wie seine Mutter Maria, und daß wir zweitens ebenso genau vertraut sind mit den Geheimnissen seines Herzens, als es nur je möglich ist, es zu erreichen. Glückliche Seelen, die so bevorzugt sind!

(Charles Haddon Spurgeon)

Quelle: Glaubensstimme – Die Archive der Väter (Lukas-Evangelium, Kapitel 11)

Weitere Betrachtung zum Vers von Martin Luther


Eingestellt am 26. Februar 2024