Zum 8. Juni – Hebräer 10, 25 (Hofacker)

…und nicht verlassen unsere Versammlung, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen; und das um so mehr, als ihr seht, daß sich der Tag naht. (Hebräer 10, 25)

Ein Haupterfordernis, um der Gnade Gottes in Christo recht froh zu werden, ist, daß wir keine Gelegenheit versäumen, wo wir uns in Ihm erbauen können. Wäre Thomas gleich am Abend des Auferstehungstages, als die Apostel versammelt waren, in ihrer Mitte gewesen, so hätte er gleich Anfangs den Herrn gesehen, und hätte sich mit seinen Brüdern über die Auferstehung des Herrn gleich Anfangs freuen können. So aber, er mochte nun einen Grund haben, welchen er wollte, blieb er weg, und das war, soweit wir es beurteilen können, nicht recht. Denn er wußte doch, daß die Jünger zu jener Stunde zusammenkamen, um sich über das, was ihrem Herzen so wichtig war, zu beraten und wahrscheinlich auch miteinander zu beten; aber er blieb doch weg.

Darum aber, weil er diese Gelegenheit ungenützt vorüber ließ, mußte er auch eine ganze Woche lang auf den Herrn warten, mußte sich eine ganze Woche lang mit Unglauben und Zweifel herumschlagen, was keine Kleinigkeit ist. Wer es schon erfahren hat, was es heißt, glauben wollen und nichts mehr wünschen, als daß man glauben könne, und doch nicht glauben können, der wird mit mir übereinstimmen, wenn ich sage, daß sich Thomas eine ganze Woche lang in einem höchst unglückseligen Zustande befand. Dieses alles hätte er nun vermieden, wenn er am ersten Abend zu den Jüngern gegangen wäre. Davon können wir ein Beispiel nehmen und lernen, daß wir keine Gelegenheit versäumen sollen, wo der Heiland an unser Herz treten kann. Freilich ist es nicht unsere Sache, ihm Zeit und Stunde zu bestimmen, wo er uns erquicken soll vor seinem Angesicht, und wer die Erquickungen vor Ihm zu dieser oder jener Zeit erzwingen will, der tut Unrecht, baut auf sein eigenes Können und Vermögen, und kommt so lange zu keiner Ruhe, bis er sich ihm gänzlich überläßt und nur wacht, daß er die Türe auftut, so er anklopft und begehrt eingelassen zu werden. Aber trotzdem ist es doch fehlerhaft, die Gelegenheiten, die sich anbieten, uns in ihm zu erbauen, ungenützt vorbeistreichen zu lassen. Wer daher des Heils in Christo recht froh werden will, der soll sich nicht zu den Gottlosen halten, soll nicht sitzen, da die Spötter sitzen, auch nicht eigensinnigerweise allein bleiben, wie Thomas tat, sondern er soll den Umgang und die Gemeinschaft derjenigen suchen, die den HErrn liebhaben.

(Ludwig Hofacker)

Ach du holder Freund, vereine
Deine dir geweihte Schar,
Daß sie sich so herzlich meine,
Wie’s dein letzter Wille war!

Ja, verbinde in der Wahrheit,
Die du selbst im Wesen bist,
Alles, was von deiner Klarheit
In der Tat erleuchtet ist!

 

 

Liedverse: Philipp Friedrich Hiller (»Herz und Herz vereint zusammen«)

Quelle:

Ludwig Hofacker † Pfarrer in Rielingshausen: Erbauungs- und Gebetbuch für alle Tage, nebst einem Anhang von besonderen Gebeten – Aus den hinterlassenen Handschriften und aus den Predigten des sel. Verfassers. Herausgegeben von G. Klett, Pfarrer in Barmen. Dritter Abdruck, Stuttgart 1879. Druck und Verlag von J. F. Steinkopf.
[Andacht zum 8. Juni – Digitalisat bei Google Buchsuche und externer Download bei Deutsche Digitale Bibliothek]


Eingestellt am 6. Juni 2024