30. Dezember

Wir sind getrost allezeit, und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so
wallen wir dem Herrn. (2. Korinther 5, 6)

Doch wandeln wir hier nicht im Schauen, sondern im Glauben. Laßt euch an seiner Gnade genügen! Zu einem vollständigen Tage gehört auch die Dämmerung und die Nacht. Hier ist das Land der Abwechselung. Das Nahen zum Herzen und Fernen vom Herzen hat seine Zeit. Hier ist das Land der Entbehrung, der Verleugnung, der Thränen, des Streits, und es wird nicht anders. Aber es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. Und wir, die wir glauben, gehen in diese Ruhe, hier anfänglich, dort vollkommen. Dort, dort sind die edlen Gaben, wo mein Hirt ewig wird meine Seele laben. Was wird das sein, wenn hier das irdische Auge bricht, um tüchtig zu werden, den Aufgang der ewigen Sonne in dem himmlischen Jerusalem zu schauen, dessen Leuchte das Lamm ist! Hier waren es Erstlinge, dort ist die ganze Ernte; hier Tropfen, dort ein Strom; hier Tag und Nacht, dort keine Nacht mehr. Sind hier die Tropfen süß, was muß die Fülle sein! Mache dich denn auf, und werde Licht, denn dein Licht kommt. Denn er wird hervorbrechen, wie die schöne Morgenröte, wie ein milder Regen auf dem Gras. Es wird, o! es wird gewißlich dahin kommen, daß er endlich sein Angesicht so über dir, o Israel, leuchten läßt, daß er’s dir nie wieder verbirgt, wiewohl noch der Jordan des Todes zwischen dir und diesem Kanaan liegt. Woraus du auch schon manche Traube gekostet hast.

Da werd’ ich deine Süßigkeit,
Das himmlisch’ Manna, allezeit
In reiner Liebe schmecken,
Und sehn dein lieblich Angesicht
Mit unverwandtem Augenlicht,
Ohn’ alle Furcht und Schrecken.

Andacht aus: Tägliches Manna für Pilger durch die Wüste. Schatzkästlein aus Gottfried Daniel Krummachers Predigten, Seite 366. Neu herausgegeben von J. Haarbeck, Pastor in Elberfeld, im November 1899 (Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen, Kreis Mörs)

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