22. Februar

Der im Finstern wandelt, und scheinet ihm nicht, der hoffe auf den Namen
des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.
Jesaja 50, 10

Wollte man fragen: Können denn wahre Kinder Gottes in einen solchen, eben angedeuteten Zustand geraten, der sich nur für Verworfene zu reimen scheint,  so ist die bejahende Antwort keinem Zweifel unterworfen. Habt ihr doch Äußerungen der Heiligen, habt ihr doch die Worte Christi aus dem Jesajas genommen. Ps. 104, Vers 20 sagt David: Du machest Finsternis, daß es Nacht werde; da regen sich alle wilden Tiere. Das findet auch seine Anwendung auf’s Geistliche. In dem Stande, wovon wir reden, verlassen auch die wilden Tiere die Höhlen und Klüfte, worin sie verborgen lagen und schliefen, so lange es Tag war, und verbreiten durch ihr Gebrülle und Heulen Grauen und Entsetzen, und zerreißen, was sie erhaschen können. Wehe dann den armen wehrlosen Schafen, wenn der
Hirte sie nicht schützt, oder gar wehe dem Hirten selbst!

Was gibt’s denn nun, was dem Menschen in solchem desolaten und trostlosen Zustande einigen Halt und Stütze gäbe? Nur ein einziges Mittel. Und was für eins? Christus nennt es in den angeführten Worten: er  h o f f e  a u f  d e n  N a m e n  d e s  H e r r n, und verlasse sich auf seinen Gott. Beides, der Name Gottes, wie er ihn selbst 2. Mose 34 aussprach, als barmherzig, gnädig und geduldig, von großer Gnade und Treue, und der Name Christi,
welcher Jer. 23 Herr, unsere Gerechtigkeit, genannt wird, bildet einen Stecken und Stab, den der im Finstern wandelnde Gottesfürchtige mit der nackten Hand des Glaubens fassen mag und soll, um sich sicherlich darauf zu stemmen und zu verlassen.

Auf meinen lieben Gott
Trau’ ich in Angst und Not;
Er kann mich allzeit retten
Aus Trübsal, Angst und Nöten.

Andacht aus: Tägliches Manna für Pilger durch die Wüste. Schatzkästlein aus Gottfried Daniel Krummachers Predigten, Seite 54. Neu herausgegeben von J. Haarbeck, Pastor in Elberfeld, im November 1899 (Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen, Kreis Mörs)

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