Der Himmel hängt voll Wolken schwer

Gebet in Not und Tod

1) Der Himmel hängt voll Wolken schwer,
ich seh‘ das blaue Zelt nicht mehr;
doch über Wolken hell und klar
nehm ich ein freundlich Auge wahr.

2) Es tobt der Sturm mit wilder Macht,
und immer dunkler wird die Nacht;
doch wenn auch meine Seele bebt,
sie weiß, daß dort ein Heiland lebt.

3) Sie zöge gar zu gern hinaus
ins große, weite Vaterhaus;
doch hält in seiner Kraft sie still,
bis seine Hand sie lösen will.

4) Die Erd‘ ist mir ein morsches Boot,
das unter mir zu sinken droht;
ich steh, nach oben hingewandt,
mit einem Fuß auf seinem Rand.

5) Gebeut’st du, Herr, mit einem Blick,
so schleudr‘ ich´s hinter mich zurück
und schwinge mich an deiner Hand hinauf,
hinauf und jauchze: Land!

6) Ich ginge gern, so gern zu dir;
doch wenn du mich noch länger hier
in Sturm und dunklen Nächten läßt,
so halt‘ du meine Seele fest.

7) Daß sie in Sturm und Nächten treu,
zu deiner Ehre wacker sei,
bis du mir rufst: Nun ist mir´s recht,
nun kannst du kommen, treuer Knecht!

Text: Heinrich Möwes (1793-1834)
Melodie: Wenn wir in höchsten Nöten sein (Genf 1543 / Wittenberg 1567)

Nr. 727; Gesangbuch für die Provinz Pommern, Stettin 1918

Nr. 357: Deutsches Gesangbuch: eine Auswahl geistlicher Lieder aus allen Zeiten der Christlichen Kirche für kirchlichen und häuslichen Gebrauch (Neue, verb. und verm. Aufl., Jg. Kohler & Söhne, Philadelphia, 1893)

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