Schrecklich ist’s, den Zorn sich häufen

Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses tun. Preis aber und Ehre und Friede allen denen, die da Gutes tun.
(Römer 2, 9.10)

Wer das liest, der merke darauf!

1) Schrecklich ist’s den Zorn sich häufen
Auf das künftige Gericht
Und den harten Nacken steifen,
Bis ihn Gott im Tod zerbricht!
O Gott, lehre mich erwägen
Wie der Unterschied so groß
Zwischen jenem Fluch und Segen
Zwischen Höll‘ und Abrams Schoß!

2) Ewig wird Dein Wort nicht fehlen
Daß Du, Gott, ein Richter bist,
Der einst allen Menschenseelen
Mit gerechtem Maße mißt.
Du läßt Grimm und Zorn und Ängsten,
Preis und Ehr und Frieden sehn;
Jenen zeigst Du Dich am strengsten
Diesen als den gnädigsten.

3) Laß mir keinen Tag vergehen
Daß ich jenen Tag vergiß,
Wo man vor Gericht soll stehen;
Er kommt eilend und gewiß.
Weh da, wen Du wirst verfluchen!
Die Verfluchten leiden Pein.
Wohl den Seelen, die Dich suchen;
Denn Du willst Vergelter sein!

4) Lehr die Seele darauf merken,
Wie man unter Gottes Macht
Mit Geduld in guten Werken
Nach dem ew’gen Leben tracht’t.
Dies sei meine Vorbereitung,
Daß ich wandle in dem Licht,
Bis die allgemeine Scheidung
Zwischen Gut und Bös geschicht.

Liedtext: Philipp Friedrich Hiller (1699-1769)
Weise: bei J. Thommen, „O Durchbrecher aller Bande“;
„O du Liebe meiner Liebe“; Dölker 73 (108)