Psalm 139, 24 (Veit Dietrich)

Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. (Psalm 139, 24)

Dies ist ein Dankpsalm, worin David Gott preiset, daß Er ihn so wunderbar versehen hat und noch regieret in allen seinen Werken, Worten und Gedanken, – ja daß, wo er stehe, gehe, schlafe oder wache, und sogar im Mutterleibe, ehe er erschaffen war, Gott bei ihm gewesen sei und geordnet habe, wie er gebildet werden, und wie lange er leben solle; als wollte er sagen: Es stehet ja in keines Menschen Kunst noch Macht, wie er leben, tun, reden, denken, – wo und wann, woher und wohin er kommen soll, – sondern es ist alles lauter Gotteswerk und Gotteskunst.

Aber – was machen denn die Gottlosen, die solches nicht glauben, sondern mit ihren eiteln Werken selbst alles richten und tun wollen? Sie wollen getan haben, was sie tun, – und wollen noch dazu Verdienst, Ruhm und Ehre bei Gott davon haben, – während sie doch nicht Ein Wort aus sich selbst reden und nicht Einen Gedanken für sich selbst fassen können; – sie wissen dazu nicht, was sie machen, – wie sie geschaffen seien, – wie sie leben, reden und denken.

So nun aber alles, was wir sind und tun, Gottes Werk und Kunst ist, was vermessen sich dann die Menschen dieses hohen Werks, daß sie sich selbst fromm machen, – freien Willen haben – und von Sünden und Tod sich loswirken können und wollen? Solche können nicht recht von Gott und Seinen Werken reden.

Es wird fast nirgends in der ganzen heiligen Schrift auf Ein Mal so viel Treffliches von Gott und Seinen Eigenschaften gesagt, wie in diesem Psalm.

Denn gleich im Anfang wird mit großem Staunen eine schöne Betrachtung über die Allwissenheit Gottes, über Seine Allgegenwart und über Seine – sowohl allgemeine als besondere – Vorsehung und Vorsorge vor uns angestellt.

Darnach wird die wundervolle Schöpferkraft Gottes herausgestrichen, nach welcher Er uns im Mutterleib geschaffen, gebildet, belebt, – aus dem mütterlichen Leib gezogen – und uns Zeit und Tage, wie lange wir auf Erden leben sollen, bestimmet hat – und solches noch an einem jeden tut.

In andächtiger Erwägung dessen folgt darauf ein billiger und heftiger Eifer über alle diejenigen, welche Gott und solche Seine Eigenschaften nicht erkennen wollen – oder wohl gar ihnen widersprechen – und daher in aller Ruchlosigkeit ihr Leben zubringen.

Ach, behüte Du uns, HErr, davor, – leite uns zu Deiner lebendigen Erkenntnis – und erhalte uns bei derselben, – auf daß wir Dich allein fürchten und lieben, Dir aber auch aus wahrem Glauben vertrauen – und auf dem rechten Weg bleiben, der ewiglich bestehet, – durch Jesum Christum.

Amen.

(Veit Dietrich)

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Eingestellt am 13. März 2024