Matthäus 25, 19

Über eine lange Zeit kam der Herr dieser Knechte und hielt Rechenschaft mit ihnen. (Matthäus 25, 19)

Ein böser Knecht sagt in seinem Herzen: Mein HErr kommt noch lange nicht, und fängt an zu schlagen seine Mitknechte, ißt und trinkt mit den Trunkenen; es kommt aber der HErr desselben Knechts an dem Tage, des er sich nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht meint, und zerscheitert ihn, u.s.w., Matth. 24, 48-51. Gleichwie aber der HErr diesem bösen Knecht zu bald zu kommen scheint, so sprechen hingegen der Geist und die Braut: Komm, und wer es hört, der spreche: komm, und Er antwortet: Ja! ich komme bald. Amen, Off. Joh. 22, 17.20.

Wenn man also die Erscheinung Jesu lieb hat, wenn man auf Ihn wartet, so spricht man zu Ihm: komm, wie man einem Geliebten zuruft, der lange ausbleibt, und Er selbst spricht, um Seine Ihm rufende Braut zu trösten: Ich komme bald. Hingegen beschreibt Er Matth. 25, 19. Sich selber als einen HErrn Seiner Knechte, der über eine lange Zeit kommt, und Rechenschaft mit Seinen Knechten halte. Er war nämlich gleichsam über Land gezogen, das ist in den Himmel gefahren, und hatte Seinen Knechten gerufen, ihnen Seine Güter, d.i. Seine Kirche zur Verwaltung übergeben, und Jedem Zentner, das ist Gaben, gegeben, um damit zu wuchern, oder etwas Gutes zu schaffen. Hernach kam Er über eine lange Zeit, u.s.w. Diese lange Zeit zeigt an, daß Er den Knechten zur Erweisung ihrer Treue und ihres Fleißes Zeit genug gelassen, und sie, wenn sie mit ihren Gaben nichts gewonnen hätten, sich mit der Zeitkürze nicht hätten entschuldigen können. Auch mag der liebe Heiland, da Er von einer langen Zeit redete, auf den Sinn Seiner treuen Knechte Rücksicht genommen haben, welche, da sie Ihm dienen, sagten: Es wird meiner Seele lang, zu wohnen bei denen, die den Frieden hassen. Es mag nun die Zeit, die bis zur Ankunft unsers HErrn verfließt, einem Menschen lang oder kurz zu sein dünken, so ist doch gewiß, daß Er kommen werde, ja schon jetzt komme. Wenn Er nun wird gekommen sein, so wird Er mit Seinen Knechten Rechenschaft halten.

Dieses Rechnen wird aber ein anderes sein, als dasjenige, das Matth. 18, 23. und ff. beschrieben ist, und bei welchem der Knecht, der seinem Herrn zehntausend Pfund schuldig war, noch die Erlassung der Schuld erlangen, und hernach auf die Probe gesetzt werden konnte, ob er seinem Mitknecht auch eine Schuld erlassen werde. So rechnet der HErr Jesus mit den Menschen, wenn Er ihm in diesem Leben seine Sünden aufdeckt, und Buße in ihm wirkt: aber am Tage Seiner Zukunft wird Er so rechnen, daß die Untersuchung und Offenbarung der Treue und Untreue Seiner Knechte auf ein unwiderrufliches Urtheil hinauslaufen wird. Er wird entweder sagen: Ei du frommer und getreuer Knecht, (welche Freude wird diese Anrede machen!) du bist über Wenigem getreu gewesen, Ich will dich über Viel setzen, gehe ein zu deines HErrn Freude; oder du Schalk und fauler Knecht, (welchen Schrecken wird diese Ansprache erwecken!) wußtest du u.s.w., so hättest du sollen u.s.w., darum nehmet von ihm den Zentner – werfet den unnützen Knecht in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähnknirschen.

Lasset uns täglich an diese Rechenschaft gedenken, und in demjenigen, was uns befohlen ist, treu sein.

(Magnus Friedrich Roos)