Du halfst bis diesen Tag (Zeller)

1) Du halfst bis diesen Tag
und wirst auch weiter helfen
so hör ich froh den Schlag
der mitternächt’gen Zwölfen.
Das alte Jahr hinab
mit seiner Nacht und Helle,
und aus der Fluten Grab
steigt eine neue Welle.

2) Wenn deine Ewigkeit
nicht unser Dasein trüge
und über alle Zeit
dein Herz in Liebe schlüge,
wär unsers Lebens Pracht
nur wie des Glühwurms Funken,
in einer Sommernacht
aufblitzend und versunken.

3) Doch du, unwandelbar
an Kraft und an Gemüte,
führst jedes neue Jahr
zum Preise deiner Güte;
die alte Vatertreu
geht auf mir jeden Morgen,
beschämend stets aufs Neu
all unser Flehn und Sorgen.

4) O Gnade ohne Maß
für so viel Schuld und Fehle!
Daß unser Stundenglas
erweckte unsre Seele
und wir die kurze Frist
nicht länger mehr verdürben,
die uns noch übrig ist,
und lebten, eh wir stürben!

5) O Herr der Herrlichkeit,
weit über Menschen Sinnen!
Auch nicht ein Tropfen Zeit
kann deiner Hand entrinnen.
Dir ist der Zeiten Meer
nur eine volle Schale
und aller Sonnen Heer
gleich einem lichten Strahle.

6) O der du alles weißt
und alles wohl regierest,
was du in deinem Geist
und deinem Willen führest:
zu einer Perlenschnur
wirst du die Tränen sammeln,
in Jauchzen der Natur
verwandeln unser Stammeln.

7) So komme, was da mag;
du kommst ja mir entgegen,
sei es im Donnerschlag,
sei es im sanften Regen.
Und haben wir nur dich,
mag sich die Erde spalten;
denn mild und königlich
bleibt immerdar dein Walten.

Liedtext: Albert Zeller (1804-1877)
Melodie: 1679, bei Ahasverus Fritsch „O Gott, du frommer Gott“
Choralbuch 145b (106)

Albert Zeller (1804-1877)

Verweise:

Lied Nr. 162: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, Schmuckausgabe 1912, S. 170 (Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart)