Sprüche 21, 10+26

Die Seele des Gottlosen wünscht Arges und gönnt seinem Nächsten nichts. (Sprüche 21, 10)

Er wünscht den ganzen Tag; aber der Gerechte gibt, und versagt nicht.
(Sprüche 21, 26)

Unter allen Untugenden des natürlichen, ungläubigen Herzens ist keine so allgemein und doch so verwerflich, als der Neid. Ein gütig Herz„, sagt der Weise des alten Bundes, „ist des Leibes Leben, aber Neid ist Eiter in den Gebeinen“. Seine Quelle ist die Selbstsucht, die dem glücklicheren Bruder kein freundlich Wort zusprechen kann, die mit dem Fröhlichen sich nicht freuen mag, die dem Andern nichts gönnt, am wenigsten, was ihm zukommt.

Gott der Herr teilt einem jeden das Seine zu, nachdem er will. Gottes Gut und Gabe ist es, was ein Anderer hat, denn alle gute und vollkommene Gabe kommt von oben herab; sei es nun Gestalt oder Geld, Macht oder Ehre, Kunst oder Verstand, sei es Verdienst oder Tugend, Talent oder Gottesfurcht: aus Gottes unerschöpflicher Schatzkammer ist’s dargereicht. Den Nächsten neiden heißt also des Herrn Güte und Milde neiden, über welche wir uns billig freuen sollten. Gleichwie der Satan dem Allmächtigen im Himmel die Ehre nicht gegönnt hat, wie Kains Gebärden sich verstellt über Abels Opfer, wie Saul dem siegreichen David nach dem Leben steht, wie die Hohenpriester und Aeltesten den Herrn Jesum aus Neid zum Tode überantwortet haben: so gebärdet sich noch allezeit das schändliche Laster des Neides wider Gottes Herrlichkeit und Freundlichkeit. Wie zerreißen wir aber die Bande, die dieser Friedensstörer so leicht auch um unser Herz legt? Wie wird unsre Seele völlig rein von dem Rost, der an ihr frißt?

Wenn wir immer wieder gedenken des unendlichen Reichtums, der einem Jeden, unter uns in Christo Jesu geschenkt ist, gedenken der Gnadenschätze, die Allen offen stehen, die allein Friede und Freude in’s Herz bringen, die das Höchste und Schönste sind im Himmel und auf Erden: dann sind wir selig schon hienieden und selig dort, wo wir empfangen das unvergängliche Erbteil.

Herr, mein Gott, gieße in mein Herz deine Güte, deine Liebe, deine Treue, daß ich mich über deine Gaben, die du aus Barmherzigkeit unter uns austeilst, herzlich freue, daß ich meine Seele nicht beschwere mit Neid und Mißgunst, sondern alles, was du mir gegeben, zu deinem Lob und Preis gebrauche.

(Christian Wilhelm Spieker)

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Diese Schriftstelle ist der Tagesvers zum 23. April 2024

Eingestellt am 23. April 2024