Offenbarung 1, 8

Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der HERR, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

Ist Jesus A und O, Anfang und Ende, so laß ihn nicht nur dein A, laß ihn auch dein O sein. Fange nicht nur mit Jesus an, ende, vollende auch mit ihm; oder, laß ihn vollenden, was ER in dir angefangen hat. Viele bleiben beim A stehen, begnügen sich mit den Anfangsgründen, mit den ersten Buchstaben des Christentums, mit den ersten Rührungen, oder gar nur mit guten Vorsätzen, mit welchen, wie die Alten sagten, die Hölle gepflastert ist. Die Fortsetzung, die ernste Übung der Gottseligkeit unterbleibt (1. Tim. 4, 8; 2. Tim. 3, 5).

Wie will es zum O, zum Ende kommen, wenn man beim Anfang schon sitzen bleibt. Man muß aber doch auch das A nicht überspringen, und nicht zum Ende eilen wollen, ehe man das A recht gelernt, ehe man einen guten Grund gelegt und einen rechten Anfang in und mit Christo gemacht hat. (1. Kor. 3, 11). Jesus kündigt sich nicht umsonst als A und O an. Er will Alles in dir sein. Wo er einmal A sagt, da will er auch O sagen; wo er anfängt, da will er es auch zum Siege hinaus führen. Sein A ist Pfand, daß er uns auch O sein wolle. Glaube! Sei getrost, und wage es.

(Johannes Gossner)

Wir leben jetzt noch in der Gnadenzeit, der Brunn des Heils ist uns noch geöffnet, der in das ewige Leben hinüberquillt, uns Allen ruft noch die Stimme der göttlichen Liebe zu: Kommet und trinket das Wasser des Lebens umsonst. – Aber wie bald kann sich das ändern, oder ist der Mensch nicht wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume? Wie mancher unter uns, der noch jung und stark und frisch aussieht, könnte das nächste Neujahr nicht mehr erleben! Ach daß man dann, wenn man ihn nicht mehr sieht, sagen könnte: Er ist eingegangen zu seines Herrn Freude. Wie können wir uns aber besser auf dieses Eingehen in die Ruhe des Herrn vorbereiten, als wenn wir uns mit dem Herrn Jesu recht bekannt und vertraut machen? So wollen wir uns also ihn zu Anfang dieses neuen Jahres recht vergegenwärtigen, ihn in seiner unbeschreiblichen Größe und in seiner liebevollen Sanftmut recht vor das Herz stellen. Wer ist denn Jesus? Ein König ist er und ein König, dem kein König gleicht, ein König aller Könige und ein Herr aller Herren. Die irdischen Könige und die Großen dieser Welt müssen mit der Zeit vergehen, Krone und Szepter fallen von ihrem Haupt und aus ihren Händen alle irdische Herrlichkeit; aller Reichtum ist Staub, den die Motten und der Rost verzehren, denn die Welt muß vergehen mit all‘ ihrer Lust. Aber die Tochter Zion hat einen König, der nicht vergeht, deß Stuhl währet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Was Menschenhände gebaut und gegründet haben, ist niemals so fest, daß es nicht durch die Zeit zerstört würde, ja selbst die Berge und Felsen, die doch so fest zu stehen scheinen, werden einmal fallen, aber der König, der auf Zion thront, bleibt derselbige und seine Jahre nehmen kein Ende. Er hat uns geschaffen, er hat in Gethsemane und auf Golgatha durch seinen heißen Kampf die alte Schlange unter seine Füße getreten und Sünde, Tod, Teufel und Hölle auf ewig zuschanden gemacht; nun ist er wieder hingegangen und hat seinen Thron wieder eingenommen und wird einst kommen zu richten und zu streiten mit Gerechtigkeit. Sehet, das ist Jesus Christus. Er ist unser König.

(Ludwig Hofacker)

Aus: Erbauungs- und Gebetbuch für alle Tage, nebst einem Anhang von besondern Gebeten. Aus den hinterlassenen Handschriften und aus den Predigten des sel. Verfassers herausgegeben von G. Klett, Pfarrer in Barmen. Dritter Abdruck, Stuttgart 1879.

Jesus Christus herrscht als König,
alles wird ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge soll bekennen,
Jesus sei der Herr zu nennen,
dem man Ehre geben muß.

Ich auch auf der tiefsten Stufen,
ich will glauben, reden, rufen,
ob ich schon noch Pilgrim bin:
Jesus Christus herrscht als König,
alles sei Ihm untertänig,
ehret, liebet, lobet Ihn!

(Philipp Friedrich Hiller)