Römer 1, 27

Gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen.

Der Mensch ist für Gott im religiösen Sinne, wie Mann und Weib für einander sind in sittlicher Beziehung: das ist die Natur, die Wahrheit der Verhältnisse (Ephes. 5, 25); daher ist auch die Naturverkehrung, Unnatur oder Lüge des Creatur- und Bilderdienstes mit der Naturverkehrung, Unnatur oder Lüge der Geschlechtsbefriedigung bestraft worden (Lange). Stärker noch als bei andern Wollustsünden tritt die Selbstentwürdigung des Menschen, und damit das Selbstgericht, in dem griechischen Laster der Päderastrie hervor, das in den Zeiten, wo Paulus schreibt, auch zu Rom weite Verbreitung gefunden hatte; selbst Weiber (tribades, frictrices, d. i. Reiberinnen, genannt) machten derselben Schmach sich schuldig, die mit verschönerndem Namen nach einer berühmten Vorgängerin darin als «sapphische Liebe« bezeichnet wurde (Tholuck [1]).
In den unnatürlichen Wollustsünden erscheint die Menschheit unter das Tier erniedrigt; bei Ausübung der natürlichen Wollust erliegt der Mensch einem allgewaltigen Triebe und hat darin eine gewisse Entschuldigung, aber die widernatürlichen Unzuchtssünden sind reine Greuel der Bosheit (Olshausen). Der in die Macht der Unzucht Dahingegebene ersinnt sich, weil das Auge sich nimmer satt sieht, das Ohr sich nimmer satt hört, stets neue Weisen der Befriedigung seiner Begierde; je unnatürlicher und schändlicher, desto mehr zeigt dann die Sünde sich als Strafe (v. Gerlach). Vgl. 3. Mos. 18, 23.

Quelle: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift mit in den Text eingefügter Auslegung, ausführlichen Inhaltsangaben und erläuternden Bemerkungen; herausgegeben von K. August Dächsel, Pastor prim. zu Neusalz a. d. O., Band 7: Das Neue Testament

Diese Verse der Heiligen Schrift unterstreichen den Ernst, mit dem Gott diese Verfehlungen sieht. Gleichwohl ist eine Umkehr zu Gott, Befreiung und Vergebung auch für diese Sünden möglich. Der Ausleger Prof. Bob Utley schreibt dazu:

„Bevor ich mich jedoch von diesem Thema wieder abwende, möchte ich Gottes Liebe und Vergebung für alle rebellischen Menschen unterstreichen. Christen haben kein Recht, gegen diese spezielle Sünde mit Haß und Arroganz vorzugehen, im besonderen, wenn es offensichtlich ist, daß wir alle sündigen. Gebet, Interesse, Zeugnis und Mitgefühl bewirken auf diesem Gebiet wesentlich mehr als vehemente Verurteilung. Gottes Wort und Sein Geist werden die Verurteilung übernehmen, wenn wir sie lassen. Alle sexuellen Sünden, nicht nur diese, sind Gott zuwider und führen zum Gericht. Sexualität ist ein Geschenk von Gott zum Wohle des Menschen, zu seiner Freude und für eine stabile Gesellschaft. Dieser mächtige, von Gott gegebene Drang wird jedoch oft in ein rebellisches, ich-bezogenes, Vergnügen suchendes Leben nach dem Motto ´mehr-für-mich-um-jeden-Preis´ verkehrt“ (s. Rö 8, 1-8; Gal 6, 7-8).

Literaturangaben und Verweise:

[1] Tholuck, August: Kommentar zum Briefe Pauli an die Römer, 1842. (1. Bd.: Bibelkommentar mit Bezug auf Päderastie in Griechenland, Rom und speziell bei Petronius, S. 93-100).‘
[2] Utley, Bob, Professor der Hermeneutik: Das Evangelium nach Paulus – Der Brief des Paulus an die Römer. Mehrteiliger Kommentar als Arbeitshilfe, Neues Testament, Band 5, S. 35. Bible Lessons Int., Marshall, Texas, 1998 (überarbeitet 2010). [pdf]