Ihr Mitgenossen, auf zum Streit (Klopstock)

Kampf der Glaubenden.

Mel.: Es woll uns Gott genädig seyn etc.

1) Ihr Mitgenossen, auf zum Streit,
Damit uns Gott belohne!
Es gilt das Reich der Herrlichkeit,
Der Ueberwinder Krone.
Der Weichende wird nicht gekrönt.
Wie hat der Herr gestritten!
Die Sieger nur hat er versöhnt,
Als er den Tod gelitten,
Am Oelberg und am Kreuze.

2) Miterben, haltet an, und seht
Empor zum grossen Lohne;
Denn nur durch unsre Feinde geht
Der Weg zu jener Krone.
Ob tausend auch zur Rechten euch,
Zur Linken tausend sänken:
So sinkt doch nicht! Wird uns sein Reich,
Der Kraft zum Streit gab, schenken,
Wenn wir darin erliegen?

3) Zwar gross ist unsers Kampfs Gefahr,
Doch lasst uns ihre Schrecker
Nicht grösser machen! Wunderbar
Wird Gottes Schutz uns decken!
Er stärkt, der mächtig stärken kann
Wenn wir um Hülfe flehen.
Er reicht den Harnisch: zieht ihn an;
So könnt ihr mutig stehen
Und freudig überwinden!

4) Mit seiner Hölle Graun umhüllt
Schiesst Satan Flammenpfeile!
Dann, dann ergreift des Glaubens Schild,
Schützt euch mit Christi Heile!
Mit diesem Helm auf eurem Haupt
Und mit des Geistes Schwerte:
Das ist’s, das selbst der Tod nicht raubt,
Das mächtige, bewährte,
Das feste Wort des Lebens!

5) Wer überwindet, soll den Tod,
Den ewigen, nicht sehen.
Verging er auch in seiner Not;
Dort wird er nicht vergehen!
Nach dieses Lebens kurzem Streit,
Nach seinen kurzen Leiden,
Wird ihn der Unschuld weisses Kleid,
Gerechtigkeit, bekleiden,
Hell durch das Blut des Lammes!

6) Ach Hüter, ist die Nacht schier hin,
Die dunkle Nacht der Erden?
Wenn ich einst Überwinder bin;
Lass mich’s, mein Hüter, werden!
Wenn ich einst Überwinder bin,
So seh ich meinen Namen
Im Lebensbuch! Du führst mich hin,
Vollender, Gott! Gott Amen!
Zu deines Vaters Throne!

7) Wie säumt’s wie säumt’s! O lange Nacht!
Bis Berg und Hügel fallen!
O Hüter, bis dein Tag erwacht,
Und uns Posaunen schallen!
Wer überwindet, der wird sein ,
Mit Gottes Sohn, ein Erbe!
O Gottes Sohn, lass du mich sein
Der Hoffnung, wenn ich sterbe,
Und dann sei ihr Vollender!

Liedtext: Friedrich Gottlieb Klopstock
Melodie: 15. Jh., bei Ludwig Senfl 1522; Matthias Greiter 1524 oder Magdeburg 1524;
Straßburg 1525Es wolle Gott uns gnädig sein

Quelle:

SAMMLUNG DER VORZÜGLICHSTEN WERKE DEUTSCHER DICHTER UND PROSAISTEN
G. F. Klopstocks Geistliche Lieder und Epigramme, S. 43-45.
Von Friedrich Gottlieb Klopstock.
Gedruckt und verlegt bey B. Ph. Bauer, Wien 1817.
[Digitalisat]

Schriftstellen

Hüter, ist die Nacht schier hin? Hüter, ist die Nacht schier hin? Der Hüter aber sprach: Wenn der Morgen schon kommt, so wird es doch Nacht sein. (Jesaja 21, 11b.12a)

Und sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallt über uns und verbergt uns vor dem Angesichte des, der auf dem Stuhl sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! (Offb. 6,  16)

Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. (Offb. 21, 7)

Und es wird nicht hineingehen irgend ein Gemeines und das da Greuel tut und Lüge, sondern die geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes. (Offb. 21, 27)

Weblinks und Verweise

Notensatz, 4st., ohne Liedtext (pdf, Straßburg 1525, externer Link zu Hymnary.org)

Audiofiles (midi, mp3, externe Links zu Hymnary.org)

Lied Nr. 426, in: Evangelisches Gesangbuch. Nach Zustimmung der Provinzialsynode vom Jahre 1884 zur Einführung in der Provinz Brandenburg mit Genehmigung des Evangelischen Oberkirchenrats. Königliches Konsistorium, Berlin 1911 (externe Links zu Hymnary.org)

Eingestellt am 15. Oktober 2022