Durch Adams Fall ist ganz verderbt (Spengler, Auswahl tausend geistreicher Lieder #16)

Bildnachweis:
aus Joseph Klug, Martin Luthers Geistliche Lieder, Wittenberg 1535 / Public domain, via Wikimedia Commons

1) Durch Adams Fall ist ganz verderbt
Menschlich Natur und Wesen,
Dasselb’ Gift ist auf uns geerbt,
Daß wir nicht konnten g’nesen
Ohn’ Gottes Trost, der uns erlöst
Hat von dem großen Schaden,
Darein die Schlang’ Eva bezwang,
Gott’s Zorn auf sich zu laden.

2) Weil denn die Schlang’ Eva hat bracht,
Daß sie ist abgefallen
Von Gottes Wort, das sie veracht’t,
Dadurch sie in uns allen
Bracht hat den Tod, so ward je Noth,
Daß uns auch Gott sollt’ geben
Sein’n lieben Sohn, den Gnadenthron,
In dem wir möchten leben.

3) Wie uns nun hat ein fremde Schuld
In Adam all verhöhnet,
Also hat uns ein fremde Huld
In Christo all versöhnet:
Und wie wir all’ durch Adams Fall
Sind ew’gen Tods gestorben,
Also hat Gott durch Christi Tod
Verneut, was war verdorben.

4) So er uns denn sein’n Sohn geschenkt,
Da wir sein’ Feind’ noch waren,
Ger für uns ist ans Kreuz gehenkt,
Getödt, gen Himmel g’fahren,
Dadurch wir sein von Tod und Pein
Erlöst, so wir vertrauen
In diesen Hort des Vaters Wort;
Wem wollt’ vor’m Sterben grauen?

5) Er ist der Weg, das Licht, die Pfort,
Die Wahrheit und das Leben,
Des Vaters Rath und ewig’s Wort,
Den er uns hat gegeben
Zu einem Schutz, daß wir mit Trutz
An ihn fest sollen glauben:
Darum uns bald kein Macht noch G’walt
Aus seiner Hand wird rauben.

6) Der Mensch ist gottlos und verflucht,
Sein Heil ist auch noch ferne,
Der Trost bei einem Menschen sucht
Und nicht bei Gott dem Herren;
Denn wer ihm will ein ander’ Ziel
Ohn’ diesen Tröster stecken,
Den mag gar bald des Teufels G’walt
Mit seiner List erschrecken.

7) Wer hofft in Gott und dem vertraut,
Wird nimmermehr zu Schanden:
Denn wer auf diesen Felsen baut,
Ob ihm gleich geht zu Handen
Viel Unfalls hie, hab ich doch nie
Den Menschen sehen fallen,
Der sich verläßt auf Gottes Trost;
Er hilft sein’n Gläub’gen allen.

8) Ich bitt’, o Herr! aus Herzensgrund,
Du wollst nicht von mir nehmen
Dein heilig’s Wort aus meinem Mund,
So wird mich nicht beschämen
Mein Sünd’ und Schuld, denn in dein’ Huld
Setz ich all mein Vertrauen:
Wer sich nur fest darauf verläßt,
Der wird den Tod nicht schauen.

9) Mein’n Füßen ist dein heil’ges Wort
Ein brennende Lucerne*,
Ein Licht, das mir den Weg weist fort:
So dieser Morgensterne
In uns aufgeht, sobald versteht
Der Mensch die hohen Gaben,
Die Gottes Geist den’n g’wiß verheißt,
Die Hoffnung darein haben.

*) Leuchte. Ps. 119, 105.

Liedtext: 1524, Lazarus Spengler (1479-1534)
Melodie: Wittenberg 1529; nach Babst, 1545.

Quelle:

Lied Nr. 16, in: Auswahl Tausend geistreicher Lieder für Kirche, Haus und Kämmerlein, als Tausend „Starke“ am Thronstuhl unsers himmlischen Salomo. Dritte, neu geordnete und vermehrte Auflage. Gütersloh, 1860. Mit einem Vorwort von Pastor Volkening, Jöllenbeck bei Bielefeld. Gedruckt und in Commission bei C. Bertelsmann in Gütersloh, so wie bei dem Herausgeber selbst zu haben. [S. 11f.; Digitalisat]

Weblinks und Verweise

Wikipedia (DE): Seite „Durch Adams Fall ist ganz verderbt“

Liedeintrag bei Christliche Liederdatenbank

Liedeintrag bei Hymnary.org

Lazarus Spengler bei Hymnary.org

Notensatz, einstimmig (externer Link zu Hymnary.org)

Lied Nr. 85, in: Evangelisch-Lutherisches Gesangbuch von Wisconsin und anderen Staaten, erschienen bei Georg Brumder, Milwaukee/Wisconsin, 1872. (S. 43f., Digitalisat, jeweils externe Links zu Hymnary.org)


Eingestellt am 27. Mai 2020 – Letzte Überarbeitung am 15. April 2026