Was sagen wir denn von unserm Vater Abraham, daß er gefunden habe nach dem Fleisch? (Römer 4, 1)
Du hast in meinem Herzen das Licht des lebendigen und seligmachenden Glaubens, wie bei Abraham, angezündet, o lebendiger und ewiger Gott; ich bitte Dich demütig, daß Du Solches gnädiglich erhalten und mehren wollest. Ich fühle bisweilen die Schwachheit des Glaubens, ich werde oft durch Stürme der Zweifel hin und her getrieben; darum schreie ich in Demut mit den Aposteln, daß Du mir den Glauben mehren wolltest. Mein Herz hält Dir vor Dein Wort (Psalm 27, 8a), Du wirst das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen, und das glimmende Doch nicht auslöschen (Jesaja 42, 3; Matth. 12, 20). Ich trage meinen Schatz, die Fackel des Glaubens, in irdenem, zerbrechlichem Gefäße: was bleibt mir anders übrig, als daß ich Dir die Bewahrung derselben mit ernstlichem Gebet und Seufzen befehle, und um Vermehrung derselben täglich flehe? In der Finsternis dieses Lebens und der Welt mache mich des himmlischen Glaubenslichts teilhaftig. Dein Wort ist Licht und Leben, ein einziges Wort der Schrift ist mehr wert, als Himmel und Erde, da es fester ist, als Himmel und Erde. Wirke in mir durch Deinen heiligen Geist, daß ich Deinem Worte festiglich glaube, und Sinne und Vernunft unter den Gehorsam des Glaubens bringe.
Deine Verheißungen kommen aus freier Gnade und sind nicht durch meine Würdigkeit und meine Verdienste bedingt; mit der festesten Glaubensgewißheit werde ich mich daher auf sie stützen und von ganzem Herzen Deiner Güte trauen können. Durch den Glauben wohnt und lebt Christus in meinem Herzen: erhalte daher in mir das freie Geschenk des Glaubens, daß mein Herz eine beständige Wohnung Christi sei und bleibe. Der Glaube ist der Same von allen guten Werken und der Grund eines heiligen Lebens: erhalte und befestige daher denselben in mir, daß nicht meine geistige Ernte Schaden leide. Stärke meinen Glauben, daß er die Welt und den Fürsten der Welt besiege; mehre sein Licht, daß es von Tag zu Tag hellere Strahlen nach außen werfe; erhalte ihn mitten in der Finsternis des Todes, daß er mir zum wahren Leben vorleuchte! Regiere mich durch Deinen heiligen Geist, daß ich nicht durch Hingebung an die Sünden wider das Gewissen den Glauben verliere; sondern befestige das gute Werk, das Du in mir angefangen hast, daß ich durch beständigen Glauben das ewige Leben ererben möge.
Amen.
Herr, Dein Wort ist Geist und Leben,
Zum Licht und Heile uns gegeben,
Wie haben wir’s so oft verspürt!
Bist auch heute uns begegnet,
Hast mild und gnädiglich gesegnet,
Auf grüne Auen uns geführt.
Du schließt Dein Wort uns auf,
Stärkst uns im Pilgerlauf,
Bis zum Ziele, zu jeder Frist.
Wie selig ist, daß Du selbst unser Hirte bist!
(Rudolf Brockhaus, 1856-1932)
Andacht aus: Glaubensstimme – Texte unserer Väter und Mütter im Glauben
Liedvers aus: Geistliche Lieder, Nr. 147, R. Brockhaus 1927.