O Ewigkeit, du Donnerwort (Württ. Gesangbuch 1912 #539)

1) O Ewigkeit, du Donnerwort,
o Schwert, das durch die Seele bohrt.
o Anfang sonder Ende!
O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit,
ich weiß vor großer Traurigkeit
nicht, wo ich mich hinwende;
mein ganz erschrock’nes Herz erbebt,
daß mir die Zung’ am Gaumen klebt.

2) O Ewigkeit, du machst mir bang!
O ewig, ewig ist zu lang!
Hier gilt fürwahr kein Scherzen!
D’rum wenn ich diese lange Nacht,
zusamt der großen Pein betracht’,
erschreck’ ich recht von Herzen.
Nichts ist zu finden weit und breit
so schrecklich, als die Ewigkeit.

3) Wach auf, o Mensch, von Sündenschlaf,
ermuntre dich, verlornes Schaf,
und bess’re bald dein Leben!
Wach auf, es ist sehr hohe Zeit,
es kommt heran die Ewigkeit,
dir deinen Lohn zu geben.
Vielleicht ist heut’ der letzte Tag;
wer weiß, wie man noch sterben mag?

4) O Ewigkeit, du Donnerwort,
o Schwert, das durch die Seele bohrt,
o Anfang sonder Ende!
O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit,
ich weiß vor großer Traurigkeit
nicht, wo ich mich hinwende.
Herr Jesu, wenn es dir gefällt,
nimm mich zu dir ins Himmelszelt!

Liedtext: 1642, Johann von Rist (1607-1667)
Melodie: 1642, Johann Schop (um 1590-1664), 1653 adaptiert von Johann Crüger
Choralbuch 143 (202)

O Ewigkeit, du Donnerwort, Autor: Johann von Rist.
[Zukunft des Herrn, Weltgericht, Ewiges Leben].

Das Lied ist zuerst erschienen in seinem Werk “Himmlische Lieder, Lüneburg 1642, S. 51, in 16 achtzeiligen Versen mit dem Titel “Eine ernste Betrachtung der unendlichen Ewigkeit”. Das Lied ist auch in Burgs Gesangbuch (Breslau, 1746)  als Nr. 1142 vollständig wiedergegeben. Es behielt lange seinen Platz als häufig gesungenes Lied, wurde in den Gesangbüchern aber oft gekürzt wiedergegeben; so wurden die Verse 4, 7, 8 und 12 allgemein weggelassen, wie z.B. im Lied Nr. 1608 in Geistliche Lieder, Berlin, Ausgabe 1863.

Die oben angeführte Liedfassung folgt Lied Nr. 539: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, Schmuckausgabe, S. 567 (Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart 1912), mit einstimmigem Notensatz und Text der Strophen 1, 3, 13 und 16.

Schriftstellen:

Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen; da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der künftige Tag wird sie anzünden, spricht der HERR Zebaoth, und wird ihnen weder Wurzel noch Zweige lassen.
 (Maleachi 4, 1)

Also auch der Himmel, der jetztund ist, und die Erde werden durch sein Wort gespart, daß sie zum Feuer behalten werden auf den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. (2. Petrus 3, 7)

Der Verzagten aber und Ungläubigen und Greulichen und Totschläger und Hurer und Zauberer und Abgöttischen und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der andere Tod.
 (Offb. 14, 10)

Andere Gesangbuchausgaben:

Lied-Nr. 324: Evangelisches Kirchengesangbuch, Ausgabe für die Vereinigte Evangelisch-protestantische Landeskirche Badens, Karlsruhe 1951, mit einstimmigem Notensatz und dem Text der Strophen 1-3, 9 und 16

Lied Nr. 669: Evangelisches Gesangbuch für die Provinz Pommern, Stettin 1918 (Hrsg.: Pommersche Provinzial-Synode), mit dem Text der Strophen 1-3, 9, 13 und 16

Lied Nr. 688: Evangelisch-Lutherisches Gesangbuch von Wisconsin und anderen Staaten, erschienen bei Georg Brumder, Milwaukee/Wisconsin (USA), 1872, mit dem Text der Strophen 1-16 (Digitalisat bei Hymnary.org)

Lied Nr. 543: Gesangbuch mit Noten, herausgegeben von der Allgemeinen Conferenz der Mennoniten von Nord-Amerika. Christliche Central-Buchhandlung, Berne, Ind., 1890, mit 4stimmigem Notensatz und dem Text der Strophen 1, 3 und 16

Notensatz, 4stimmig (externer Link zu Hymnary.org)