Anfechtung

Dieses Wort ist in der heutigen Alltagssprache – von der Verwendung im juristischen Bereich einmal abgesehen – kaum mehr anzutreffen. Selbst im kirchlichen Umfeld nehmen Begriffe wie Anfechtung, Versuchung, Sünde, Buße und Bekehrung heute nicht mehr den ihnen angemessenen Stellenwert ein.

Es kann sich bei Anfechtungen um Bedrängnisse seelischer Art wie innere Unruhe, Einsamkeit, Angst, Depression, Gedanken des Zweifels und der Seelennot, abscheuliche Gedanken, aber auch finanzielle Nöte, Krankheit, Unfall, Verfolgung, Beziehungsprobleme und Verluste aller Art handeln.

„Anfechtung“ kann auch bedeuten, daß ein Mensch, der zu Gott umkehren will, oder ein bereits Bekehrter in einen Kampf geraten ist. In besonderer Weise erfahren Menschen, die mit Gottes Hilfe aus den Gebundenheiten der Esoterik und des Okkultismus entfliehen möchten, Anfechtungen.

Es ist jedoch nicht biblisch, alle Anfechtung auf willkürliche satanische bzw. dämonische Angriffe zurückführen zu wollen. E.C. Hadley sieht die tieferen geistlichen Hintergründe:

„Also, auch wenn wir die Hand des Teufels sehen in dem, was geschieht, dürfen wir nicht vergessen, die Hand Gottes über der des Teufels zu sehen. Gott erlaubt ihm nur, so weit zu gehen, wie es seinen heiligen Zwecken dient, um es für seine Leute in Segen umzuwandeln.“

H. Bezzel schreibt dazu:

„Denn Anfechtung lehrt aufs Wort merken, treibt in das starke Gebet, lehrt aus der Geschichte, die Gott mit seiner Kirche je und je gehabt hat, Trost und Hoffnung haben.“

Anfechtung führt also ins Gebet, führt in Gottes Nähe, führt in Gottes Wort. Erst wenn wir unserer eigenen Weisheit und der eigenen Kraft und Stärke vollkommen beraubt sind, kann ER uns durch Christus befreien, wie es auch der Apostel Paulus erfahren hat (2. Kor. 1, 8.9):

„Denn wir wollen euch nicht vorenthalten, liebe Brüder, unsere Trübsal, die uns in Asien widerfahren ist, da wir über die Maßen beschwert waren und über Vermögen, also daß wir auch am Leben verzagten und bei uns beschlossen hatten, wir müßten sterben. Das geschah aber darum, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst sollen stellen, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.“

Weiterführende Internetquellen:

Br. Dr. Oskar Föller: Glaube und Anfechtung (im Webarchiv)

Anfechtungen (im Webarchiv)

Frieden und Freude in Zeiten der Erprobung – Artikel von Elmo Clair Hadley über 1. Petrus 1, 6-8 (© SoundWords)

C.H. Spurgeon: Der Streit des Christen mit dem Satan

Hans Rohrbach: Anfechtung und ihre Überwindung (bei horst-koch.de)

Materialien:

Herbert John Jantzen: Unser geistlicher Kampf (für wiedergeborene Christen)
Eine seelsorgerliche Auslegung von Epheser 6, 10-20
als PDF downloadbar unter https://info1.sermon-online.com/german/ThomasJettel/Epheser_6_10_20_Unser_Geistlicher_Kampf_2002.pdf

Die geistliche Waffenrüstung – Die Listen des Widersachers
Der geistliche Kampf des wiedergeborenen Christen
Waffenrüstung.pdf (PDF-Dokument [249.2 KB]

Warren B. Wiersbe: Teuflische Strategien … und wie man sie durchschaut. Deutsche Ausgabe von „The Strategy of Satan“. (CLV 256271, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-86699-271-9)
als PDF downloadbar unter https://clv.de/Teuflische-Strategien/256271

Schriften von Heinrich Müller:

Die geistliche Waffenrüstung (fcdi-e-book, pdf, 83 Seiten)
Die wichtigste Lebensentscheidung – Der breite und der schmale Weg (fcdi-e-book, pdf, 19 Seiten)
Jesu – meine Kraft (fcdi-e-book, pdf, 60 Seiten)

Schriftstellen und Zitate:

Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr’s könnet ertragen.
(Die Bibel, 1. Korinther 10, 13, Luther 1912)

Meine lieben Brüder, achtet es für eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet, und wisset, daß euer Glaube, wenn er rechtschaffen ist, Geduld wirkt.
Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.
(Jakobus 1, 2. 3. 12)

Und alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, müssen Verfolgung leiden.
(2. Tim. 3, 12)

In derselben werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wo es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn nun offenbart wird Jesus Christus;
(1. Petrus 1, 6. 7)

Ihr Lieben, lasset euch die Hitze, so euch begegnet, nicht befremden (die euch widerfährt, daß ihr versucht werdet), als widerführe euch etwas Seltsames; sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget.…
(1. Petrus 4, 12. 13)

So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.
(Hebräer, 5.8)

Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. (Hebräer 12, 1.2)

„Durch Anfechtung ist der Glaube erst Glaube, wie umgekehrt der Glaube eine Voraussetzung für sie ist. Daß Gott verhüllt in allem wirkt, macht den Glauben als Anfechtung aus.“
(K.H. Ratschow)

„Anfechtung ist die notwendige Kehrseite des Glaubens. Wer nicht angefochten wird, kann auch nicht glauben.“
(Martin Luther)

„Der Glaube ist ein steter und unverwandter Blick auf Christus.“
(Martin Luther)

Erscheinen meines Gottes Wege
mir seltsam, rätselhaft und schwer,
und gehen Wünsche, die ich hege,
still unter in dem Sorgenmeer.
Will trüb und schwer der Tag verrinnen,
der mir nur Schmerz und Qual gebracht,
dann darf ich mich auf eins besinnen:
Daß Gott nie einen Fehler macht.

Wenn über ungelöste Fragen
mein Herz verzweiflungsvoll erbebt,
an Gottes Liebe will verzagen,
weil sich der Unverstand erhebt,
dann darf ich all mein müdes Sehnen
in Gottes Rechte legen sacht,
und leise sprechen unter Tränen:
Daß Gott nie einen Fehler macht.

Drum still mein Herz und laß vergehen,
was irdisch und vergänglich heißt.
Im Lichte droben wirst du sehen,
daß gut die Wege, die Er weist.
Und müßtest du dein Liebstes missen,
ja, ging’s durch kalte, finstre Nacht.
Halt fest an diesem sel’gen Wissen:
Daß Gott nie einen Fehler macht.

Gedicht von Herbert Sack, gefallen in Stalingrad, 1943

Eingestellt am 10. Oktober 2020 – Letzte Änderung am 08. August 2021