Offenbarung 1, 3

Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.

Ey nun! Wer ein Ohr hat zu hören, der höre Diese Dinge! Er höre die Offenbarung des HErren, die ihm zeigt, was nach der Vorsehung und dem Rat GOttes geschehen solle. Er höre diese Weisagung, die ihm nicht nur die Dinge beschreibt und vormalet, was und wie sie geschehen sollen, sondern auch, wenn sie sich ereignen werden, in welchen Umständen und in welcher Ordnung sie auf einander folgen, und wie lang sie währen sollen. Er höre insonderheit diese Dinge, die ihm in dieser vorhergehenden Abhandlung aus der Offenbarung des HErren als nahe vorgestellet worden. Er höre! den Grimm des Teufels in seiner letzten Größe, der noch so schwer und schrecklich ist. Er höre, daß die letzte halbe Zeit des Weibes in der Wüste schon angefangen, in welcher noch so große und schreckliche und fürchterliche Dinge geschehen sollen, in welcher aber dennoch das Weib des HErren vor der Schlange verborgen bleiben wird. Er höre, daß an denen greulichen Zeiten des Ersten Tieres nur noch ein weniges übrig sei, die vierzig Monate an seiner Gewalt sind gar nahe dahin, und ehe die übrigen zwei vollends ablaufen, wird es noch große Dinge setzen. Das Andere Tier aus der Erden ist nahe! Und ach, daß wir doch solches erkennen, und die Warnung vor demselben hören möchten! Die Ernte der Erden ist nahe, denn ihre Reife zeiget sich deutlich und merklich, noch deutlicher und ganz augenscheinlich erweiset sich die Reife des Herbstes im Bösen, und wer kann’s leugnen:

Die greuliche Verführung, die Drachenstimme, das Bild und Malzeichen des Andern Tiers, bedenkliche Veränderungen, große Seelen- und Lebensgefährlichkeiten und der letzte Blutrausch Babylons sind vor der Türe!

Sollte man kein Ohr haben zu hören? Sollte man diese Dinge nicht zu Herzen nehmen? Ich will von denen übrigen Gefährlichkeiten nicht sagen. Genug ist’s; die Engel mit denen sieben Zornschalen sind bereit, dieselben in der Runde über den Kreis der Erden auszugießen. Und du, o Seele solltest kein Ohr haben, zu hören? HErr, HErr, öffne du uns die Ohren, daß wir hören, tue uns die Augen auf, daß wir sehen, erwecke unsere Herzen, daß wir glauben, was du sagest, was du zeigest und was du zu unserm Frieden offenbaret hast, die Zeit ist nahe und näher als wir’s glauben!

Was ist also zu tun? Was anders, daß wir den Unglauben, den Leichtsinn, die Sicherheit und die grobe und subtile Verachtung der Worte deiner Weissagung ablegen und denselben glauben, sie als dein wahrhaftes Wort annehmen und ihnen in tiefster Ehrfurcht Beifall geben und uns dieselben lebendig überzeugen lassen.

Spötter! Zweifler! Furchtsame! Laßt euch herunter von denen Höhen eines verderbten Witzes, wovon ihr die Grundfesten der göttlichen Weissagungen bestürmet. Sammlet Euch aus dem unglückseligen Labyrinth so vieler unnützen Einwendungen, die euer Herz zu keiner freudigen Gewißheit kommen lassen! Erhebet euch aus denen Winkeln einer unnötigen Scheue vor das Licht der göttlichen Offenbarung und kommet und glaubet Dem, was euch der HErr verkündiget.

Aus: Gründliche Beurteilung des Zeitpunkts, darinnen Wir nach der Offenbarung JEsu Christi gegenwärtig leben. Allen um ihr geist- und leibliches Wohl Besorgten zum Unterricht, zur Verwarnung und Warnung bei diesen jetztmaligen bedenklichen Zeiten mitgeteilet von W.B.C.

Kindlein, ihr seid von Gott und habt jene (die Welt) überwunden, denn der in euch ist, der ist größer,  denn der in der Welt ist,  1. Joh. 4, 4

Das ist dem Drachen schmählich, daß ihn Kindlein Gottes überwinden.

1) Der große Grimm des Drachen
In seiner kurzen Zeit,
Soll uns nicht zaghaft machen,
Denn JEsus führt den Streit.
Er ist und bleibt Erlöser;
Der Sieg ist seines Tuns;
Der in uns ist, ist größer,
Als der, der außer uns.

2) Der Drach führt große Lügen,
Ihr Kindlein, wanket nicht.
Die Wahrheit wird doch siegen,
Die unser Tröster spricht.
Der Drach zückt zwar zum Hiebe
Das Beil, sein Haß ist groß;
Doch größer ist die Liebe,
Daß JEsus Blut vergoß.

3) Der Drach hat große Stärke,
Doch Christus hat viel mehr,
Und zeigt es in dem Werke,
Den Drachen stürzet Er.
Man werde ja nicht scheue
Vor Satans großer List;
Wir wissen, daß die Treue
Des Heilands größer ist.

4) So bleibe in den Deinen,
HErr JEsu, GOttes Sohn,
Laß uns Dein Heil erscheinen
Und stürz des Drachen Thron!
Er darf’s nicht lange treiben;
Dein Volk vertrauet Dir.
Wir wollen Kindlein bleiben,
So überwinden wir.

Autor: Philipp Friedrich Hiller (1699-1769)
Melodie: “O Haupt voll Blut und Wunden”