Seelsorgerliche Winke für neue Jesusnachfolger (F. Binde)

Wenn man zu Jesus kommt, so müssen einem drei Tatsachen klar sein:

1. Man ist ein verlorener Sünder.

2. Man kann sich nicht selber aus dem verlorenen Zustand erretten.

3. Jesus ist unser Erretter.

Aus diesen drei Tatsachen ergibt sich der erste Wink für den zu Jesus Gekommenen; er lautet:

Rechne hinfort nur noch mit Jesus! Jesus allein!

An Ihn glauben heißt: Aufhören an uns zu glauben und fortan rechnen mit Dem, der uns nach 1. Korinther 1, 30 von Gott gemacht ist zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.

Vier Rufe Jesu

Mit vier Rufen hat Jesus die Menschen gelenkt. Sie gelten noch immer und lauten:

Komm!
Folge mir nach!
Bleibe in mir!
Gehe hin!

Dem «Komm!» gilt die Bekehrung, als bewußte Abkehr von uns selbst und entschiedene Hinkehr zu Jesus.

Dem «Folge mir nach!» entspricht das fortgesetzte Hassen und Lassen unseres Selbstlebens als stete Selbstverneinung und Jesusbejahung, ohne welche niemand Jesus nachfolgen kann (Matthäus 11, 24-26 und Lukas 14, 25-35). Das ist die Heiligung.

Das «Bleiben in Jesus» ist das Ruhen in Jesus als Frucht der Selbstverneinung und Jesusbejahung und als angreifende Herrschaft Seines Geistes und Seiner Gesinnung in uns (Johannes 15; Philipper 4, 7; Kolosser 3, 15).

Dem «Gehe hin!» entspricht das Dienen für Jesus. Es ist nichts anderes als die tätige Wiedergabe und Weitergabe des Lebens Jesu unter allen Verhältnissen und nach besonderer Aufgabe (Matthäus 10; Epheser 6, 7).

Soll dir die Jesusnachfolge geraten, so beachte folgenden Wink über

Deine Sünden

Rechne nicht mehr mit deinen Sünden aus der Vergangenheit! Alle deine Sünden sind vor bald 2.000 Jahren am Leibe Jesu Christ gerichtet und durch das einmal vollbrachte Sühnopfer abgeschafft worden (Römer 8, 3; Hebräer 9, 26).

Rechne auch nicht mehr mit deinen Sünden in der Gegenwart! Das will sagen: Wisse dich durch das Kreuz Christi von jeder Sünde aufs völligste geschieden. Halte dich der Sünde für tot und gib dich nicht mehr mit ihr ab. Du brauchst in keiner einzigen bewußten Sünde mehr zu leben. Ist dennoch aus irgendwelchen Ursachen eine Sünde vorgekommen, dann kannst du nur eins mit der wieder geschehenen Sünde tun: Bekenne die geschehene und erkannte Sünde sofort als Sünde deinem neuen Herrn, damit sie als Finsternis im Lichte Seines Angesichtes und Seines Wortes gerichtet und du von der Befleckung der Sünde im Blute Seines Opfers gereinigt wirst (2. Korinther 7, 1; 1. Johannes 3, 3). Merke: Laß deine Sünden niemals alt werden! (2. Petrus 1, 9). Suche deine Sünden weder bei dir selbst noch durch die Sünden der anderen zu entschuldigen!

Rechne auch nicht mit deinen etwaigen Sünden in der Zukunft! Dein eigenes Herz könnte dir bange machen, du werdest der Macht der Sünden dennoch schließlich erliegen. Rechne nicht mit der Macht der Sünde, rechne mit der viel stärkeren Macht Jesu Christi, die dich gesucht und gefunden hat und durch Gottes Macht bewahren wird zur Seligkeit (1. Petrus 1, 5). Rechne nur noch mit dieser Macht, dennoch und trotz alledem!

Vergiß, o Sünder, dich
Mit allen deinen Sünden!
Schau Jesus an, sonst nichts,
So wirst du Ruhe finden.

Gefühlschristentum

Ein neuer Wink: Rechne fortan nicht mehr mit deinen Gefühlen! Wer sich auf seine Gefühle verläßt, verläßt sich auf sich selbst und nicht auf die Tat Gottes in Christo Jesu. Deine Gefühle wechseln, aber die Tat Gottes in Christo Jesu und das Wort Gottes bleiben in Ewigkeit. –

Merke: Dein Friede mit Gott ist mehr als ein Gefühl; ebenso deine Freude im Herrn. Dein Friede mit Gott ist ein von Gott geschaffener rechtlicher Zustand (Kolosser 1, 20) und als solcher unabhängig von deinem Gefühl. Nicht dein Gefühl ist dein Friede, sondern Christus ist dein Friede (Epheser 2, 14). Glaube darum nicht an deine Gefühle, sondern an die Erlösungstat deines Gottes. Darinnen bist du gerecht und hast Frieden mit Gott (Römer 5, 1), über alles Gefühl und über alle Vernunft hinaus (Philipper 4, 7).

Glauben und Tun

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich folgender Wink: Rechne auch nicht mehr mit deinem eigenen Tun, wodurch du dich bei Gott in Gunst setzen willst. Merke! Du kannst durchaus nichts tun, um deiner Rechtfertigung, Heiligung und Erlösung in Christo Jesu irgend etwas hinzuzufügen. Christus hat alles für dich getan. Du lebst fortan nicht mehr aus deinen Taten, sondern allein aus Seiner für dich vollbrachten Tat. Du hast nur eins zu tun: an Seine vollbrachte Tat zu glauben und in diesem Glauben die Kräfte Seiner Tat zu empfangen. So ruhst du aus von deinen Werken und Gott wirkt Sein Werk in dir, dem Glaubenden (Johannes 6, 28-29; Epheser 1, 19; Epheser 2, 10).

Merke weiter! Verlaß dich nimmermehr auf irgend etwas, was du getan hast, möge es auch von Gott in dir gewirkt sein. Verlaß dich nicht darauf, daß du dich jetzt deinem Herrn hingegeben hast, verlaß dich vielmehr darauf, daß dein Gott in Christo Jesu sich dir hingegeben hat. Verlaß dich nie darauf, was du für Ihn getan, verlaß dich aber ewiglich auf das, was Er für dich getan.

Ruhe niemals aus auf deiner Buße!
Ruhe niemals aus auf deiner Bekehrung!
Ruhe niemals aus auf deinem Sündenbekenntnis!
Ruhe niemals aus auf deiner Zugehörigkeit zu irgendeiner Gemeinschaft oder Kirche!
Ruhe auch nicht aus auf dem Glauben an deinen Glauben!
Ruhe auch nicht aus auf den Erfahrungen, die du gemacht, oder der Erkenntnis, die du erlangt, oder auf den Segnungen, die du empfangen hast; alles dies diene nur Seiner Ehre und Seinem Reiche.

Ruhe allein in der Tat und Kraft Gottes in Christo Jesu, in der dir alles geschenkt ist, was du betreff des Lebens und der Gottseligkeit bedarfst (2. Petrus 1, 3; Hebräer 10, 14). «Der in dir angefangen hat ein gutes Werk, der wird es auch vollführen» (Philipper 1, 6).

Beten

Ein weiterer Wink: Werde ein Beter! Denn der Geist Gottes, der in dir wirksam geworden ist, wird dich nun beten lehren. Im Gebet des Glaubens empfängst du die Kraft aus der Höhe, die Gotteskraft vom Kreuz. Dein erstes, wenn du morgens erwachst, sei: beten. Bete, danke, lobe!

Betend übergib dich deinem Herrn täglich frühmorgens von neuem.
Betend flehe um Bewahrung in den Dingen, wo Satan dir am meisten zu schaffen macht.
Betend wirf alle deine Sorgen auf deinen mächtigen Herrn.
Betend flehe für die Errettung all derer, deren Namen dir Gott aufs Herz gelegt hat.
Betend gehe durch den Tag.
Bete unablässig! Nichts sei dir zu klein, um ein Gebet daraus zu machen. Beginne und endige alles mit Gebet. Endige auch den Tag mit Gebet.
Betend prüfe dich und den Inhalt des zurückgelegten Tages im Lichte Gottes.
Betend befiehl dich auch für die Nacht deinem Herrn!

Bibellesen

Empfange auch folgenden Wink: So wie du im Gebet mit deinem Herrn redest, so laß den Herrn aus Seinem Wort mit dir reden. Lies täglich in der Bibel; sie enthält deines Herrn Willen! Merke! Nichts soll dir wichtiger sein, als den Willen deines Herrn kennen zu lernen, um danach zu leben. Jesus Christus, derselbige gestern, heute und in Ewigkeit, und Seine Worte, die gleichfalls bleiben werden in Ewigkeit, wennschon Himmel und Erde vergehen: das ist der Fels, auf dem dein neues Leben aufgebaut wird. Seine Gefühle werden wechseln. Dein Glaube kann schwach werden; aber die Kraft Christi und Seines Wortes bleibt unveränderlich dieselbe. Beuge dich deshalb täglich dem Worte der Heiligen Schrift als dem Quell der ewigen Wahrheit. Nähre dich deshalb täglich aus dem Worte Gottes, als der Quelle deiner Kraft. Kommen dir Zweifel, – wer soll recht haben? Deine eigenen Gedanken, deine eigenen Gefühle oder das untrügliche Wort Gottes? Glückselig wirst du sein, wenn du dich allezeit mit Gedanken und Gefühlen dem Worte Gottes unterwirfst! Christi Worte reden nicht nur von Geist und Leben, sie sind Geist und Leben. Nimmst du also im betenden Bibellesen Sein Wort auf, so nimmst du unmittelbar Seinen Geist und Sein Leben auf. Hörst du auf, das Wort Gottes zu lesen, so verhungert das neue Leben in dir aus Mangel an Nahrung. Beachte deshalb folgende Winke:

1. Lies jeden Morgen wenigstens einige Verse betend in der Heiligen Schrift. Beginne etwa mit den Evangelien.

2. Lies das Wort fortlaufend.

3. Lies möglichst auch jeden Abend vor dem Schlafengehen in gleicher Weise.

4. Bete um den Geist der Weisheit und der Öffnung (Epheser 1, 17), damit du wächst in der Erkenntnis des Wortes und Willens Gottes. Denn von diesem Wachstum hängt die Reife des geistlichen Lebens ab.

5. Suche dir die Schrifterkenntnis gereifter Christen nutzbar zu machen.

Gemeinschaft

Dies führt noch zu einem anderen wichtigen Wink. Suche die Gemeinschaft der Kinder Gottes. Es sind die Leute, die gleich dir durch Bekehrung und Sinnesänderung Jesus Christus als den Herrn ihres Lebens erkannt haben. Sie bilden das Volk Gottes auf Erden, das Eigentumsvolk (Titus 2, 14), die Schar der Erlösten, das königliche und priesterliche Geschlecht (1. Petrus 2, 9), die Brüder und Schwestern Jesu Christi, die den Willen Gottes tun auf Erden (Matthäus 12, 46-50). Ihnen gehörst du nun zu. Ihnen schließe dich nun an. Ihnen bist du nun näher verwandt, als deinen leiblichen Eltern und Verwandten. Sie sind ausgegangen aus der Welt der Augenlust, Fleischeslust und Hoffart (1. Johannes 2, 16), um ihrem Herrn zu dienen und Sein Reich auf Erden ausbreiten zu helfen, und um Seine Schmach zu tragen bei den Menschen (Hebräer 13, 13). Glückselig bist du, daß du ihnen zugehören darfst, mit ihnen in der Schrift zu suchen, zu beten zu dienen, zu leiden. Die Liebe zu diesen deinen Brüdern ist ein wesentliches Kennzeichen deiner Bekehrung (1. Johannes 3, 14). – Entziehe dich darum niemals und unter keinen Umständen der Gemeinschaft der Kinder Gottes, wie viele Mängel und Fehler du an den einzelnen auch noch entdecken mögest. Bete für die Schwachen und lerne sie tragen und ertragen. Dein Herr liebt sie alle und sucht sie alle zur Vollendung zu bringen, gleichwie dich. Darum richte nicht lieblos!

Laß dich auch nicht verwirren durch die vielerlei Benennungen und Zersplitterungen, unter denen du das Volk Gottes vorfindest. Verschiedenartige Erkenntnis hat sie zerteilt; aber die Liebe zu ihrem gemeinsamen Herrn und König, Jesus Christus, vereint sie doch alle. «Er ist dafür gestorben, daß Er die zerstreuten Gotteskinder in eins zusammenführte» (Johannes 11, 52), und es war Sein letzter Gebetswunsch, daß sie alle eins würden (Johannes 17), gleichwie Er und der Vater eins sind.

Schließe dich den Kindern Gottes an, indem du dich leiten lässest vom Geiste Gottes in deinen besonderen Lebensführungen. Bleibst du allein, so wirst du binnen kurzem kraftlos und lichtlos werden; schließest du dich ihnen aber in der Gesinnung Jesu Christi an, so wirst du mit ihnen sein: das Salz der Erde und das Licht der Welt (Matthäus 5, 13-14).

Familienleben

Eine der ersten und wichtigsten Lektionen für den Neubekehrten ist, daß er die rechte Stellung zu seinen Familienangehörigen einnehme. Bevor Jesus in das öffentliche Leben eintrat, hatte Er sich Seinen Eltern gegenüber bewährt. Dasselbe gilt für jeden Jesusnachfolger. Als der Jüngling zu Nain vom Tode erweckt war, gab ihn der Herr seiner Mutter wieder. So wird jeder, der vom geistlichen Tode zum Leben erweckt wird, in erster Linie den Seinen zurückgegeben. Die Bewährung eines Christen fängt immer daheim an. Wie Wenig wird das von manchen Neubekehrten beachtet. Die Proben des alltäglichen Lebens scheinen ihnen zu kleinlich zu sein. Viel lieber möchten sie in der Öffentlichkeit mit ihren Taten glänzen. Solche sollen es wissen, daß die stillen Opfer, die in der Verborgenheit des Familienlebens auf den Altar Gottes gelegt werden, Gott oft viel angenehmer sind, als die Werke, welche vor den Augen Tausender vollbracht werden. Bevor man ein Zeuge Jesu Christi sein kann, muß man sich ein Zeugnis erworben haben. Und dies Zeugnis erwirbt man sich daheim.

Bist du Sohn oder Tochter eines Hauses, wo Eltern und Geschwister ungläubig und feindlich sind, so ist es von der größten Wichtigkeit, daß dein Zeugnis nicht nur in Worten, sondern vor allem in einem göttlichen Wandel besteht. Predige die Deinigen nicht so viel an; aber lebe ihnen das wahre Christentum vor. Es ist wahr, deine Eltern können dich unter Umständen hindern, die Versammlung zu besuchen; aber sie können dir niemals ein Hindernis sein, deinem Heilande zu leben.

Bürgerliches Leben

Viele Christen sind sich nicht klar über ihre Stellung im bürgerlichen Leben. Sie haben in der Bibel gelesen, daß das Reich Jesu nicht von dieser Welt ist, und sind dadurch veranlagt worden dem öffentlichen, bürgerlichen Leben mehr oder minder den Rücken zu kehren. – Gewiß, wahre Christen sind Weltüberwinder. Sie wissen, daß die Welt mit ihrer Lust vergeht; sie scheiden sich bis ins Mark hinein von allem sündlichen, weltlichen Treiben. Sie fliehen den Geist der Welt, und das ist die von der Schrift geforderte Weltflucht. Aber nicht in dem Sinne sollen Christen weltflüchtig sein, daß sie ihre Pflichten im bürgerlichen Leben vergessen und versäumen, sonst müßten sie ja die Welt räumen. Sie sind nicht von der Welt, aber in der Welt, und zwar in der Welt, in welcher Christus Sein Reich aufrichten will. Somit hängt das christliche Leben mit dem bürgerlichen Leben sehr enge zusammen.

Worin bestehen nun unsere bürgerlichen Verpflichtungen?

1. Der Christ soll für die Obrigkeit beten (1. Timotheus 2, 1-3; Römer 13, 1-8). Paulus schrieb diese Worte, als der schreckliche Nero auf dem Thron saß. Wieviel mehr haben wir Ursache, unserer Obrigkeit in den Gebeten zu gedenken, der wir gerade in unseren Tagen so viel zu verdanken haben. Viele Christen nörgeln an den Gesetzen herum und beschweren sich über manche Ungerechtigkeiten seitens der Regierung, aber sie beten nicht für dieselbe. Mache es dir zu einer heiligen Pflicht, möglichst jeden Tag der Obrigkeit im Gebet zu gedenken.

2. Der Christ soll «dem Kaiser geben, was des Kaisers ist» (Lukas 20,25). Er soll ein ehrlicher, treuer und gewissenhafter Steuerzahler sein. «Steuer, dem Steuer gebührt.» Es ist ihm nicht erlaubt, im Geiste der Unzufriedenheit oder der Rebellion seine Steuerabgaben zu entrichten und zu tun, als ob etwas von ihm verlangt werde, wozu er nicht verpflichtet sei. Steuerzahlen soll ein Stück Gottesdienst sein.

3. Erfülle auch deine Wahlpflichten. Das klingt sehr sonderbar, und doch muß man heute auch in dieser Sache einen Rat geben. Wir Christen haben die Pflicht, alles zu tun, was wir können, daß Gott auch in unserer Regierung zum Rechte kommt.

Zum Schluß denke daran, daß unser Herr bald kommt, und die Zügel der Weltregierung in Seine Hände kommen werden. Lerne mit dem Geist beten: Komm, Herr Jesu – ja, komme bald! Amen.

Quelle: Fritz Binde, Harte Reden, Verlag von Gottlob Koezle, Chemnitz