Jakobus 4, 7

So unterwerft euch nun Gott! Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. (Jakobus 4, 7)

Damit wir dem Teufel im Glauben widerstehen lernen, muß uns Gott durch den Teufel versuchen lassen. Aber so sehr uns auch der Teufel zum Bösen versuchen will, Gott will uns auch durch diese dritte Art der Versuchungen nur zum Guten versuchen. Und das Gute ist: Wir sollen den trügerischen Glauben an uns selbst verlieren, um den allein rettenden Glauben Christi immer völliger zu gewinnen.

Dabei mißt Gott die Schwere solcher Versuchungen durch Satan nach der Größe unserer Erwählung und Berufung. Durch Satan selber, dem persönlichen Fürsten dieser Welt, wurde nur Jesus selber versucht, und wir wissen, wie der Herr alle drei teuflischen
Versuchungen zur Selbstherrlichkeit abwies durch den glaubensgehorsamen Hinweis auf seines Vaters Wort. Paulus aber, das auserwählte Rüstzeug Jesu Christi, ward versucht durch einen Engel Satans, der ihn mit Fäusten schlagen durfte (2. Kor 12, 7–9). Diese dämonischen Schläge waren nötig, damit Paulus sich nicht ichsicher und ichgefällig überheben sollte; denn er war ja wunderbarer Offenbarungen gewürdigt worden. Nun wurde er gewürdigt, von einem Teufelsengel geprügelt zu werden!

Da sieh hinein in das Geheimnis der Versuchungen durch Satan. Der große Apostel erhält durch einen Engel Satans vorbeugende Schläge, damit Satan ihn nicht soll zur Selbstüberhebung verleiten können! Also dämonische Schläge aus bewahrender Gnade! Und an dieser Gnade sollte sich Paulus genügen lassen! Und er ließ sich an ihr genügen; denn sie reichte aus zur Vollendung seines Laufs, zur Bewahrung seines Glaubens und zur Erlangung der Krone der Gerechtigkeit (2. Tim 4, 7–8). Lesen wir doch nirgends, daß der Glaube oder die Arbeit und Vollendung des Apostels durch die Faustschläge des Satansengels irgendwie gelitten haben.

Das heißt den Kampf des Glaubens als einen guten Kampf auch in der dritten Art von Versuchungen kämpfen! Was uns betrifft, so hat uns wohl bisher nur menschliche Versu-
chung getroffen (1. Kor. 10, 13), nämlich Satan hat uns nur mittelbar menschlich, aber nicht persönlich oder durch einen persönlichen Engel versuchen dürfen. Satanische Einwirkungen aus der unsichtbaren Finsterniswelt sind ja eine alltägliche Tatsache im
Leben der Gläubigen, aber die unmittelbare Erscheinung Satans oder seiner Engel und Dämonen ist, soviel auch davon geredet wird, doch zu wenig festgestellt. Wir ertrügen dergleichen nicht.

Denn wir dürfen glauben: Gott aber ist treu, er wird uns nicht versucht werden lassen über unser Vermögen (nämlich über das Maß von Gnade hinaus, das zu unserer Vollendung nötig ist), sondern wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, den wir ertragen können. Darum lasset uns aber auch nicht murrend im Unglauben und abgöttischen Ungehorsam Christus versuchen, damit uns der Verderber und die Schlangen nicht umbringen dürfen! (1. Kor 10, 9–14; Hebr. 3, 7–19 und 4, 1–11).

Je nüchterner wir nun den guten Kampf des Glaubens kämpfen, desto deutlicher werden wir auch erkennen lernen, wann und warum es Gott dem Satan zulässt, unseren Leib anzutasten; denn es gibt satanische Versuchungen zur Erkrankung so gut wie zur Sünde. Und zwar sucht der Feind da fast immer erst unsere Seele zu schwächen, um von da aus unsere Leibeskräfte lahm legen zu können, um uns dienstunfähig für den Herrn zu
machen. Solange man diese Anschläge Satans nicht genügend erkannt hat, erliegt man einfach solchen Versuchungen, das heißt, man wird krank. Ist es dem Feinde erst einmal gelungen, unsere Seele irgendwie durch Ärger, Sorge, Furcht zu beunruhigen, so teilt sich diese Erschütterung der Seelenkraft gewöhnlich schnell den schwächsten Leibesgebieten mit, und das Versagen der Leibeskraft führt zur Erkrankung. Wir wissen, es sind besonders die Nerven, auf deren Schwächung der Feind es abgesehen hat. Wie viele Gläubige liegen da am Boden oder führen ein Jammerleben, das allem guten Kampf des Glaubens ins Gesicht schlägt! Anstatt an die Herrschaft Christi zu glauben und mit der Kraft seiner Auferstehung für ihren sterblichen Leib zu rechnen (Röm. 8, 11), rechnen sie nur mit der Herrschaft ihrer Nervenschwäche. Immer mehr werden sie dabei versklavt an ihr krankes Ich. Immer beunruhigter und gequälter wird ihre Seele. Immer abhängiger
werden sie von allem Sichtbaren, Hörbaren, Spürbaren. Immer unseliger wird ihre Gedankenwelt, bis zur Zwangsvorstellung, bis zum Wahnsinn. Gewöhnlich ist dabei der Teufel ihr Prediger, Bibelausleger und Seelsorger, dem sie aufs Wort glauben.

Ich lernte einst einen solchen Armen kennen, einen »in den Nerven heruntergekommenen«, das heißt in der eigenen Kraft abgerackerten Diener am Wort. Seit langem belehrte ihn der Teufel: »Du kommst ins Irrenhaus, ins Irrenhaus, ins Irrenhaus!«

Der Arme glaubte es mit Entsetzen, und wartete nur noch auf die Erfüllung dieser satanischen Verheißung; denn der Glaube an Christus war nur noch eine wehmütige Erinnerung in ihm. Soweit hatte es der Vater der Lüge und Menschenmörder mit
diesem Betrogenen gebracht! Da durfte ich es miterleben, wie Christus Jesus den glimmenden Docht wieder anblies und das geknickte Rohr heilend in seine Hand nahm. Langsam lernte der von Satan Getäuschte wieder glauben, nämlich ganz neu mit der
Siegesmacht Christi rechnen. So lernte er allmählich wieder über sich selbst hinaus denken, dem Worte Gottes trauen und sich durch Jesus geliebt und gerettet sehen. Aber immer noch quälte ihn der Feind mit der Einflüsterung: »Und du kommst doch noch
ins Irrenhaus!« Bis der Genesende es eines Tages dem Teufel ins Gesicht schrie: »Nun gut, und komme ich ins Irrenhaus, so geht der Herr Jesus mit mir! Halleluja!«

In demselben Augenblick riß der Strick Satans, der Gefangene war und blieb frei: der gute Glaubenssieg war erkämpft, die Versuchung durch Satan im Seelen-, Nerven- und Leibesleben beendet.

Quelle:

Fritz Binde, Der gute Kampf des Glaubens; in: Vom Geheimnis des Glaubens [ISBN:
978-3-939833-35-2; Digitalisat als pdf]