Elias Schrenk (1831-1913)

Elias Schrenk (* 19. September 1831 in Hausen ob Verena bei Tuttlingen; † 21. Oktober 1913 in Gadderbaum-Bethel, heute Bielefeld) war ein schwäbischer Kaufmann, evangelischer Missionar und Erweckungsprediger des Pietismus bzw. der Heiligungsbewegung.

Hausen ob Verena, Hofgut Hohenkarpfen, heute Kunstmuseum
(Bild: Prekario, Liz. CC-BY-SA 3.0)

Elias Schrenk war von 1859 bis 1872 als Missionar der Basler Mission an der Goldküste in Westafrika – zeitweise in verantwortlicher Stellung – tätig. 1865 bis 1866 verbrachte er zur Erholung im appenzellischen Heiden, wo er nebenbei auch als Kurpastor tätig wurde. Seit 1866 war er mit der Schweizer Pfarrerstochter Berta Tappolet verheiratet. Aus gesundheitlichen Gründen mußte er aus Afrika heimkehren, und er war 1873 bis 1874 Kurprediger in Davos, danach kurz in England, wo er die Evangelisten Dwight Lyman Moody und Ira Sankey kennenlernte.

Ab 1875 wurde Schrenk Reiseprediger der Basler Mission in Hessen und Thüringen mit Wohnsitz in Frankfurt am Main, zudem war er für die dortige Missionskasse und Redaktion des Starkenburger Missionsblattes zuständig. Carl Heinrich Rappard und Otto Stockmayer, die ebenfalls zur Heiligungsbewegung gehörten, wurden damals seine lebenslangen Freunde. Er besuchte auch die Gründer der Heilsarmee, William und Catherine Booth in London, von deren Arbeit er tief beeindruckt war, aber ihre angewendeten Evangelisationsmethoden waren ihm dann doch zu plakativ.

1879 bis 1886 war er Prediger für die Evangelische Gesellschaft des Kantons Bern in der Schweiz. Dabei konnte er eine große Zuhörerschaft von mehreren hundert Personen gewinnen, so daß die evangelisch-reformierte Stadtberner Nydeggkirche für den Sonntagabendgottesdienst gebraucht werden musste. Wie es in der damaligen Heiligungsbewegung üblich war, hielt er auch Bibelstunden und erweckliche Versammlungen im Umfeld von Bern ab und predigte auch in Tanzsälen und Turnhallen, um die Menschen zur Umkehr zu Gott zu rufen. Die Evangelische Gesellschaft erlebte auch durch ihn großes Wachstum und eine Blütezeit. In dieser Zeit wurde er das geistliche Vorbild für Franz Eugen Schlachter, der in Bern sein Mitarbeiter war [1].

Schrenk war einer der Unterzeichner der sogenannten Berliner Erklärung, in der sich die deutsche Gemeinschaftsbewegung von der neu aufkommenden Pfingstbewegung abgrenzte. Im deutschsprachigen Raum gilt er als Vater der klassischen Evangelisation, die er in ähnlicher Weise wie Dwight Lyman Moody durchführte, das heißt mit Nachversammlungen usw.

Durch seinen ersten Englandaufenthalt (Juni 1864 bis Juni 1865) hatte Elias Schrenk das Kirchenwesen Englands kennengelernt. Eindruck machte auf ihn auch die ihm bisher fremde Einrichtung der Straßenpredigt. Die Vorzüge des englischen Kirchentums sah er in Folgendem [3]:

1. dem Ernst der Bekehrungspredigt, wobei nicht nur die Pfarrer, sondern vor allem die Gemeinden selbst klar zwischen Bekehrten, Unbekehrten und Halbbekehrten unterschieden;

2. der lebhaften Seelsorge der Diener am Wort;

3. der “ganzen lebendigen Selbsttätigkeit der Gemeinde, die sich nicht bloß erbauen läßt, sondern auch sich selbst erbaut”. Er rechnete dazu alles “Mitwirken der Laien” im weitesten Sinne:

a) Teilnahme der Ältesten an der Seelsorge;
b) Ihre Mitarbeit an der Kirchenzucht durch die Pfarrer;
c) Kirchenzucht der Gemeindeglieder untereinander;
d) “die Opferwilligkeit von Arm und Reich für die Zwecke des Reiches Gottes”

Teilweise konnte er nur gegen starken Widerstand der Bevölkerung arbeiten. Es kam vor, daß er mit Jauche übergossen wurde, oder daß auf den Versammlungssaal, in dem er predigte, geschossen wurde. Auch wurde er von Männern in Frauenkleidern, die mit Knüppeln bewaffnet waren, überfallen. Trotz allem Widerstand predigte er aber das Evangelium mit großer Überzeugung und Vollmacht. Obwohl er zeitweise stark zur freikirchlichen Linie tendierte, näherte er sich nach seiner Zeit in Bern wieder stärker dem kirchlich-pietistischen Bereich.

“Jedes Menschenleben ist ein Meisterstück göttlicher Geduld, Weisheit, Gnade und Liebe.”  (Elias Schrenk)

Schriften:

  • Pilgerleben und Pilgerarbeit, Verlag Ernst Röttger, Kassel, 1905 (Autobiographie)
  • Jungfrauenleben im Lichte des Evangeliums, Verlag der Missionsbuchhandlung, 1920
  • Ein Leben im Kampf um Gott, R. Brockhaus, Wuppertal 1962
  • Suchet in der Schrift – Tägliche Betrachtungen für das ganze Jahr, viele Auflagen: Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell 2000, ISBN 978-3-8800-2716-9 und Missionsverlag der Evangelisch-Lutherischen Gebetsgemeinschaften 2016, ISBN 978-3-9296-0259-3
  • Wen dürstet, der komme – Zwölf Reden…, Nabu Press, 2012, ISBN 978-1-2788-3044-5

Quellen:

[1] Wikipedia (DE), Artikel Elias Schrenk

[2] Schrenk, Elias: Seelsorgerliche Briefe für allerlei Leute, 3. Band, Verlag von Ernst Röttger, Kassel 1911

[3] Klemm, Hermann: Elias Schrenk, Der Weg eines Evangelisten, TVG, R. Brockhaus Verlag Wuppertal, 1961 und 1986, ISBN 978-3-417-29236-7. Mit einem Vorwort von Kurt Heimbucher.

[4] Schäfer, Joachim: Artikel Elias Schrenk, aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon – , abgerufen am 1. 4. 2020

[5] Missionsinspektor Weber, Johannes: Elias Schrenk – Der Bahnbrecher der Evangelisation in Deutschland. Aus der Reihe “Zeugen des gegenwärtigen Gottes”, 24. Band. Brunnen-Verlag, Gießen 1951 [Digitalisat, pdf von sermon-online.de]

Aus diesem Buch:

“Dieser von Gott berufene Bahnbrecher für Evangelisation in Deutschland, der Patriarch unter den Evangelisten, gehört nicht etwa der Vergangenheit an. Auch die heutigen Männer der Volksmission und Evangelisa­tion können noch viel von ihm lernen, wenn sie sich in sein Leben und Wirken vertiefen. Nicht aber nur sie, sondern auch alle, die im Dienst des Reiches Gottes stehen und denen die Not der gottfernen, christuslosen Massen unseres Volkes am Herzen liegt. Das Geheimnis seiner Fruchtbarkeit lag in der zentralen Stellung, die er zu der biblischen Lehre von der Sünde und der Frohbotschaft von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Christus einnahm. Schrenk erwartete viel von Gott und empfing daher auch viel von Ihm. Wie wohl er gestorben, redet er noch, auch in diesem stärkenden Lebensabriß, als Zeuge Gottes.”

Bilder: Portrait des jüngeren E. Schrenk: Archiv des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes / Gemeinfrei; Portrait des älteren E. Schrenk: Jochen Schäfer / Ökumenisches Heiligenlexikon; Hofgut Hohenkarpfen: Prekario / Liz. CC-BY-SA 3.0

Verweise:

Schmückle, Werner: Formen der “Inszenierung einer Antwort” in der Evangelisationspraxis von Elias Schrenk (1831-1913), in: Frank Lüdke, Norbert Schmidt (Hg.): “…dann komm jetzt nach vorne!”

Dallmeyer, Heinrich: Erfahrungen in der Pfingstbewegung. Geleitwort von Elias Schrenk. Vereinsbuchhandlung G. Ihloff & Co., Neumünster in Holstein, 1910. Neubearbeitung von Thomas Karker in Bremen, 2018 [Download als pdf]

Betrachtungen und Vorträge von Elias Schrenk:

(im pdf-Format, jeweils externe Links zu karker.de)

“Der biblische Weg zu vermehrter Geistesausrüstung. ”  Kassel, 1910 (Vortrag)

“Dein Wort ist meines Fußes Leuchte.”  Kassel, o. J. (12 Reden)

“Alles und in allen Christus.”  Basel, 1904 (12 Reden)

“Allein durch den Glauben.” Kassel, 1892 (12 Reden)

“Wen dürste, der komme.” Elberfeld, 1899 (12 Reden)

“Das heilige Vaterunser.” Kassel, 1900

“Die Waffenrüstung Gottes.” Kassel, 1912

“Wir sahen seine Herrlichkeit.” Kassel, 1896 (Betrachtungen über Joh. 17)

“Die sieben Sendschreiben des Herrn Jesu Christi.” Kassel, o. J.

”Gedanken über das Heiraten.” Berlin, 1921, 9. Aufl.

“Das Jungfrauenleben im Lichte des Evangeliums.” Basel, o.J., 8. Aufl.

“Suchet in der Schrift.” Kassel, 1892, 2. Aufl. (Tägliche Betrachtungen)

Seelsorgerliche Briefe:

1. Nicht Zank, sondern Friede

8. Die Gottseligkeit ein Gewerbe

Wir kommen nach Haus!

Betrachtungen nach Bibelstellen:

Kolosser 1, 9.10

1. Timotheus 4, 8

Offenbarung 7, 16

Offenbarung 14, 15