So wie die Seelen scheiden (Hiller)

Es ist kommen der große Tag Seines Zorns, und wer kann bestehen?
(Offenbarung 6, 17)

Das ist der Schrecken der unselig Verstorbenen vor dem jüngsten Gericht. Die Seligverstorbenen bekommen weiße Röcke.

7. November

Mel.: HErr JEsu, Gnadensonne

1) So wie die Seelen scheiden,
so bleibt hernach ihr Stand,
was Angst sei oder Freuden,
wird ihnen schon bekannt.
Da zeuget ihr Gewissen,
was sie erwarten müssen,
ob’s Schmuck sei oder Schand‘.

2) Wer JEsum angenommen,
weiß schon sein weißes Kleid,
wann sein HErr werde kommen
in Seiner Herrlichkeit.
Wer JEsu Feind gewesen,
kann schon im Herzen lesen,
was ihm sein Richter dräut.

3) Wie selig ist’s, Dich kennen,
HErr Jesu, Gottes Sohn,
Dich unsern Heiland nennen,
auch auf dem Richterthron;
denn die auf dich nicht sterben,
die fühlen ihr Verderben,
vor deinem Tage schon.

4) Herr, laß mich mit den Deinen
in festem Glauben steh’n,
und bis Du wirst erscheinen
Dir froh entgegenseh’n.
Du kleid’st mit mit weißen Röcken,
wenn auch auf Marterblöcken
die Scheidung soll gescheh’n.

5) Dein Wort sei mir ein Spiegel,
da seh ich in Dein Licht;
Dein Geist sei mir zum Siegel,
bis daß Dein Tag anbricht.
So kann es meiner Seelen
auch nicht im Scheiden fehlen,
und schreckt mich kein Gericht.

Liedtext: Philipp Friedrich Hiller (1699-1769)
Melodie: Erfurt 1524 Herr Jesu, Gnadensonne

Quelle:

Geistliches Liederkästlein zum Lobe Gottes, bestehend aus 732 kleinen Oden über so viel biblische Sprüche: Kindern Gottes zum Dienst aufgesetzt von M. Philipp Friedrich Hiller. 2 Theile in 1 Bande. Vermehrt mit dem Lebenslauf, sowie Bildniss des Verfassers und einem Register über sämmtliche Liederverse. Verlag von Rupp, Reutlingen 1869, S. 693. [Digitalisat]

Schriftstellen

Und viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen: etliche zum ewigen Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande. (Daniel 12, 2)

Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. (Johannes 3, 18)

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. (Johannes 5, 24)

Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. (1. Johannes 5, 12)

Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam, mit priesterlichem Schmuck geziert, und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. (Jesaja 61, 10)

Eingestellt am 25. Mai 2022