Daniel 12, 7

Und ich hörte zu dem in leinenen Kleidern, der über den Wassern des Flusses stand; und er hob seine rechte und linke Hand auf gen Himmel und schwur bei dem, der ewiglich lebt, daß es eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit währen soll; und wenn die Zerstreuung des heiligen Volkes ein Ende hat, soll solches alles geschehen. (Daniel 12, 7 LUT)

Die Zerstreuung des Volks Israel ist ein Bild aller zerstreuten Seelen, die, aus dem gelobten Lande des Friedens verstoßen, ohne Tempel und Heiligtum, ohne den Hohenpriester und Opfer, ohne ihren König, außer sich selbst, umherirren, suchen Ruhe und finden sie nicht.

Kehren sie aber zurück von ihrer Zerstreuung in ihr Herz und suchen sie den Heiland im Heiligtume, so wird alles erfüllt und geschehen, was ihnen verheißen ist; der Herr wird in ihnen wohnen und wandeln. Ihr Zeitenforscher, übersehet dieses Zeichen nicht, und verrechnet euch nicht mit vielen Zahlen. Nur Eins ist not: Bringet alle Zahlen in Eins, und bleibt bei dem Einen gesammelt, so ist das Reich Gottes in euch schon angebrochen, und was noch kommen soll, wird euch dann auch nicht entgehen. Wer aber im Gegenwärtigen nicht treu ist, wer wird dem das Zukünftige geben? Wer das, was er hat, oder schon haben könnte, nicht brauchet, nicht so ganz darin ist, wer wird ihm geben, was kommen soll? Genommen wird ihm, was er hat. Zerstreuung, Gerede ohne Herz, wenn es auch von heiligen Dingen geschieht, vertreibt den Geist der Gnade, der sich allemal zurückzieht, wenn wir nicht heilig mit dem Heiligen umgehen, wenn wir nur von dem schwatzen, was wir tun sollen, wenn uns der Herr nur im Sprechen von ihm, nicht in seinem Werke antrifft.

(Johannes Goßner)

Quelle: Glaubensstimme – Christliche Texte aus 2000 Jahren