29. Januar

Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle. O daß mein Leben deine
Rechte mit ganzem Ernst hielte!
Psalm 119, 4.5

Die Gebote stehen da als Materialien, als Stoff und Anlaß zum Gebete. Augustinus betete: Gib uns, Herr, was du gebeutst, und befiehl dann, was du willst, so sollst du nicht vergeblich befehlen. Gebeut Gott: Machet euch ein neu Herz und einen neuen Geist, so betet David: Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist! Gebeut Christus: Trachtet nach dem Reiche Gottes, so lehrt er uns zugleich beten: Dein Reich komme! Ermahnte der Apostel, so betete er zugleich: Gott schaffe in euch, was vor ihm wohlgefällig ist! Die Forderungen machen uns arm. Was bleibt uns denn übrig, als uns wie die Armen zu benehmen, d. h. zu bitten, und uns bei dem zu melden, der da reich ist über alle, die ihn anrufen, daß er uns in seine himmlische Pflege und Versorgung aufnehme? Woher kommt’s also, daß wir nicht mehr haben?

Jakobus antwortet uns darauf: daher kommt’s, daß ihr nicht bittet. Betet deswegen stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heilige! Stoff und Anlaß genug zum Beten liegt in den Geboten. Wie lange und viel werden wir wohl noch zu beten haben, ehe wir dahin gelangen, jene Gebote zu erfüllen, wo es z. B. heißt: Sorget nichts; wo es heißt: Danksaget für alles; wo es heißt: Freuet euch allewege, liebet euren Nächsten wie euch selbst! Und wie selig werden wir sein, wenn wir uns das wirklich erbetet haben.

Ich kann ja gar nichts ohne dich,
Drum, Gott des Bundes, stärke mich.

Andacht aus: Tägliches Manna für Pilger durch die Wüste. Schatzkästlein aus Gottfried Daniel Krummachers Predigten, Seite 30. Neu herausgegeben von J. Haarbeck, Pastor in Elberfeld, im November 1899 (Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen, Kreis Mörs)

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