Hesekiel 39, 1

Und du, Menschensohn, weissage wider Gog und sprich: So spricht der Herr, Jehova: Fürwahr, ich will an dich, Gog, Fürst von Rosch, Mesech und Thubal, … (Hesekiel 39, 1 ELB)

Querverweis:

Menschensohn, richte dein Angesicht wider Gog im Lande Magog, den Fürsten von Rosch, Mesech und Thubal, weissage wider ihn (Hesekiel 38, 2 ELB)

Alte Weissagung, bisher nicht recht verstanden und nicht erfüllt, schaut Hesekiel in dem Zuge Gogs verwirklicht. Unter den uns in den Propheten erhaltenen Weissagungen kommen in Betracht Joel 4, 9-17, Micha 4, 11-13 (Sach. 14).

Hans Brandenburg legt wie folgt aus:

Wir schließen uns der Deutung der Offenbarung Johannes an, die Kapitel 20, 7ff. „Gog und Magog“ als Führer der letzten widergöttlichen Macht ansieht, die nach dem
Tausendjährigen Reich Christi noch einmal mit großer Heeresmacht gegen die Heiligen und „die geliebte Stadt“ zieht, um sie zu vernichten. Aber „es fällt Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie“. Hier in der Offenbarung klingt es, als wären es zwei Personen: Gog und Magog. Aber dem Verfasser war das Buch Hesekiel gewiß bekannter als uns.

Auch wir haben seine Redeweise, wenn wir etwa sagen: „Napoleon und Frankreich“ oder „Stalin und die Sowjetunion“. Das evangelische Kirchenlexikon (Göttingen) sagt:

„Gog ist ein endzeitlicher König des Landes Magog, der einst am Ende der Tage mordend und plündernd über das wehrlose, friedliche Gottesvolk hereinbrechen, dann aber auf den Bergen Israels von Jahve schrecklich vernichtet werden wird“ (EKL I, Sp. 1627).

Demnach haben wir es in diesem Kapitel mit der letzten Schlacht der Feinde Gottes zu tun. Wir finden diese Verheißung bei vielen Propheten, etwa Joel 4, 2ff.; Sach. 14, 2ff.

Doch über alledem regiert Gott. Brandenburg kommentiert weiter:

„Nach Vers 4*  scheint es, daß Jahve selbst den Gog zu seinem Raubzug verleitet. Denn der Haken im Kinnbacken Gogs scheint an einer langen Angelleine zu hängen, deren anderes Ende in Jahves Hand liegt. Das sollten sich die Tyrannen und Diktatoren dieser Welt sagen lassen, denn auch ihre Zeit ist begrenzt durch Gottes Absichten und Pläne. Auch die Widersacher Gottes stehen heimlich unter seiner Providenz. Sie sind Gerichtswerkzeuge in seiner Hand und verfallen ihrerseits dem Gericht.“ [1]

* Hes. 39, 4: …und ich will Haken in deine Kinnbacken legen und dich samt deinem ganzen Heere, Rossen und Reitern, heranführen, alle aufs Prächtigste gekleidet, eine große Schar mit Schild und Tartsche, insgesamt Schwerter in den Händen haltend.
(Quelle: Hans Brandenburg, Das lebendige Wort, Bd. 8, S. 261f.)

Die Vernichtung Gogs wird eine völlige sein. Die Verbrennung aller Waffen der gefallenen Feinde wird den Bewohnern des Landes Israel sieben Jahre lang Holz zur Feuerung liefern, daß sie nicht nötig haben, vom Feld oder Wald Brennholz zu holen. Dann wird Gott dem Heere Gogs  eine Grabstätte in einem Tale Israels geben, welches davon den Namen der Volkshaufen Gog’s erhalten soll, wie auch eine Stadt in selbiger Gegend danach „Hamona“ genannt werden wird. Dahin werden die Israeliten sieben Monate lang die Gefallenen Gogs begraben und nach Ablauf dieser Zeit noch von eigens dazu bestellten Männern das Land durchforschen und die noch unbegraben gebliebenen Totengebeine aufsuchen und bestatten lassen, um das Land vollständig zu reinigen. Raubvögel und Raubtiere werden ein überreichliches Mahl an den Leichen halten (bevor dieselben begraben werden können): ein solch klägliches Ende wird das gewaltige Heer finden. [2]

Den Titel „Fürst von Ros(ch)“ findet man nur in manchen Bibelübersetzungen, so in der Textbibel 1899 oder in der Elberfelder. Henk P. Medema hat in einem Artikel in „Fest und treu“ Überlegungen zusammengefaßt, ob mit „Rosch“ Rußland gemeint sein könnte. Er kommt zu dem Schluß:

„Im Rahmen dieses Artikels folgern wir allein, daß es durchaus nicht undenkbar ist, in diesem Feind aus dem äußersten Norden die Großmacht zu sehen, die wir gegenwärtig als Sowjetunion kennen, oder eine große politische Macht, die vielleicht in der nahen Zukunft (nach einem Bürgerkrieg in der UdSSR?) in diesem Gebiet entstehen könnte. Die Verbindung Mesech = Moskau und Tuhal = Tobolsk scheint jedoch ungenügend begründet zu sein. Auch hei der Interpre­tation der biblischen Prophezeiungen gehört sich einer­seits ein ehrerbietiger Respekt vor dem Text der Schrift, wie er uns vorliegt, und andererseits ein sorgfältiges auf der Hut sein vor unbegründeten Speku­lationen.“ [3]

Arnold Fruchtenbaum äußerte über Magog, Rosch, Mesech und Tubal (zit. in [5]):

«Diese Stämme aus der alten Welt lebten auf dem Gebiet des heutigen Russlands.»

Eine Hindeutung auf Russland wird auch in anderen Bibelkommentaren vertreten [6].

Weblinks und Verweise

[1] Kroeker, Jakob/Brandenburg, Hans: Das lebendige Wort. Eine Einführung in die göttlichen Gedankengänge und Lebensprinzipien des Alten Testaments in 15 Bänden.
Band 8: Hesekiel – Priester – Seher – Prophet
[Digitalisat als pdf, externer Link zu sermon-online.de]

[2] Handbuch der Bibelerklärung, Zweiter Band. Das Neue Testament, S. 913f. Mit zwei Karten. Fünfte umgearbeitete Auflage. Calw und Stuttgart, Verlag der Vereinsbuchhandlung, 1878.

[3] Medema, Henk P.: Hat Hesekiel über Rußland geweissagt? Artikel aus Fest und treu, Nr. 60/1991

[4] Winkler, Nathanael: Israel im Kreuzfeuer von Gog und Magog, Teil 1 (Mitternachsruf)

[5] Hitchcock, Mark: Findet sich Putins Aggression in der biblischen Prophetie? Artikel im Mitternachtsruf – Zukunft im Blick. Ausgabe April 2022, S. 6-16 [pdf]

[6] ArtikelRosch im Bibel-Lexikon bei bibelkommentare.de

Eingestellt am 20. März 2022 – Letzte Überarbeitung am 23. März 2022